„Niemand hat einen Plan“ Klimaaktivistin heizt SPD-Politiker Kühnert bei Markus Lanz ein 

Klimaaktivistin Luisa Neubauer, hier am 9. Mai in der Sendung Anne Will, setzte sich bei Markus Lanz für radikalere Klimamaßnahmen ein.

Klimaaktivistin Luisa Neubauer, hier am 9. Mai in der Sendung Anne Will, setzte sich bei Markus Lanz für radikalere Klimamaßnahmen ein.

Beim Thema Klimawandel kochten die Emotionen hoch: Im ZDF-Talk „Markus Lanz“ kriegten sich am Dienstagabend Klimaaktivistin Luisa Neubauer und SPD-Politiker Kevin Kühnert heftig in Haare. Da geriet selbst der Wahlkampf zur Nebensache.

Hamburg. Coronakrise hin, Wahlkampf her: In der Dienstagsausgabe von „Markus Lanz“ redeten sich die Gäste vor allem über den Klimawandel die Köpfe heiß. Das lag allen voran an Klimaaktivistin Luisa Neubauer, die aufgrund eines „ökologischen Scherbenhaufens“ gegen alle politischen Parteien schoss.

„Niemand hat einen Plan für 1,5 Grad. Das ist eine komplette Absage an alle Menschen, die nur ein vages Interesse daran haben, zukünftig auf einem intakten Planeten zu leben“, kritisierte die „Fridays for Future“-Vorkämpferin. Bei allen Parteien fehle es am Mut, „die Eingriffe zu erwähnen, die nötig sind“, kritisierte sie. Dabei sei es die Aufgabe jeder demokratischen Partei, die Klimakrise anzugehen.

Luisa Neubauer kritisiert Klimavorhaben aller Parteien

Eine Aufschiebung des Kohleausstieges bis 2038 passe laut Neubauer nicht zu einem konsequenten Kampf gegen den Klimawandel. „Sorry, Kevin“, richtete sich Neubauer direkt an SPD-Vize Kevin Kühnert, ebenfalls in der Runde zu Gast. „Wir können eigentlich davon sprechen, dass inmitten einer riesengroßen ökologischen Eskalation auf einer Art Stillstandsniveau navigiert wurde.“ Kühnert betonte, seine Partei setze sich für einen schnelleren Ausstieg ein, doch in der Politik sei eben alles ein Prozess. „Willkommen in der Politik“, richtete er sich an die Klimaaktivistin.

Doch so leicht ließ sich die 25-Jährige nicht abspeisen. Sie setzte Kühnert entgegen: „Kevin, willkommen in der Klimakrise! Es geht nicht darum, einfach ein bisschen mehr zu machen. Wenn wir es aufhalten wollen, müssen wir genug machen.“ Einzig radikale Maßnahmen könnten nun die Situation noch einbremsen, insistierte Neubauer. Noch mangele es jedoch an einer Kommunikation seitens der Politik, welche die Dringlichkeit der Lage verdeutliche.

Die Klimaaktivistin weiter: „Wir haben die Wahl zwischen richtig schnellem und radikalen Klimaschutz oder einer Klimakrise, wie wir sie uns nicht vorstellen wollen.“ Auch in dem „wirklichkeitsbefreiten Wahlkampf“ komme das zu kurz.

Volker Wissing (FDP), hier am 16. September bei einer SWR-Sendung zur Bundestagswahl 2021, setzte sich für Emissionszertfikate ein.

Volker Wissing (FDP), hier am 16. September bei einer SWR-Sendung zur Bundestagswahl 2021, setzte sich für Emissionszertfikate ein.

Ebenso wenig zeigte sich Neubauer vom Vorhaben der FDP begeistert, das Generalsekretär Volker Wissing im ZDF-Talk vorstellte: Emissionszertifikatehandel. Zwar untermauerte Wissing deren Wirksamkeit durch eine von der FDP in Auftrag gegebene Studie an der Uni Magdeburg, doch Neubauer gab zurück: „Jetzt würde man sich eher wünschen, dass Sie die Profis machen lassen - das Konzept aller demokratischen Parteien in Sachen Klimaschutz ist besser als ihres.“ Offenbar eine Anspielung auf Christian Lindners berühmten Ausspruch, Klimaschutz sei nichts für „Kinder und Jugendliche“, sondern „eine Sache für Profis“.

Kevin Kühnert: „Jetzt platzt mir der Kopf“

Auch für die eigens initiierte Studie bekam die FDP von der 25-Jährigen ihr Fett weg: „Und die von Ihnen in Auftrag gegebene Studie hat überraschenderweise heraus bekommen, dass ihre Vorschläge die besten sind? Ich hoffe, Menschen wählen die FDP nicht aus Klimagründen.“

Stellvertretender SPD-Bundesvorsitzender Kevin Kühnert, hier im November 2020 bei einer Pressekonferenz, muss sich bei Markus Lanz einiger Kritik stellen.

Stellvertretender SPD-Bundesvorsitzender Kevin Kühnert, hier im November 2020 bei einer Pressekonferenz, muss sich bei Markus Lanz einiger Kritik stellen.

Derweil schaltete sich wieder Kevin Kühnert an, mittlerweile sichtlich genervt: „Ich bin mit Kopfschmerzen in die Sendung gegangen, und jetzt platzt mir der Kopf.“ Schon zuvor hatte er eingeräumt, in der Diskussion um den Klimaschutz mangele es an einer „Sprache für die Debatte in der Gesellschaft“. Bei Gesprächen in seinem Wahlkampfbezirk in Berlin sei ihm bewusst geworden, dass die Menschen vor allen Dingen alltägliche Probleme bewegen: „Ich werde sie nicht zu anderen politischen Entscheidungen bekommen mit einem einstündigen Powerpoint-Vortrag, welche schlimmen Entwicklungen vor uns liegen.“ (tsch)

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