Rolle rückwärts bei der AfD: Ein Jungpolitiker, der eigentlich fliegen sollte, darf nun doch bleiben. Dafür muss er aber einen hohen Preis zahlen.
AfD-HammerUmstrittener Politiker entgeht Rauswurf – unter einer Bedingung

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AfD-Nachwuchspolitiker Kevin Dorow wird doch nicht aus der Partei ausgeschlossen, muss dafür aber auf seine Ämter verzichten. (Archivbild)
Eklat um Rede: AfD-Politiker kommt mit Ämtersperre davon.
Riesen-Überraschung bei der AfD! Kevin Dorow, der umstrittene Jungpolitiker, wird doch nicht aus der Partei geworfen. Stattdessen gibt es einen Deal: Er darf Mitglied bleiben, muss aber im Gegenzug alle seine Ämter abgeben. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus dem Umfeld der Partei. Geplant ist jetzt nur noch eine Sperre für Ämter für die Dauer von zwei Jahren.
Jean-Pascal Hohm, der Chef der AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“ (GD), hat das auf Anfrage bestätigt. Dorow spiele mit und komme den Bedingungen nach, so Hohm. Konkret heißt das: Sein Posten im Landesvorstand von Schleswig-Holstein ist weg, genauso wie sein Sitz im Bundesvorstand der GD.
Hohm über Deal: „Ein sehr gutes Zeichen“
Hohm erklärte, er hätte es lieber gesehen, wenn die Maßnahme gegen Dorow komplett fallengelassen worden wäre. Er halte sie weiterhin für übertrieben. „Der nun gefundene Kompromiss zeigt jedoch, dass AfD und Generation Deutschland bereit sind, aufeinander zuzugehen und gemeinsam tragfähige Lösungen zu finden. Das ist ein sehr gutes Zeichen.“
Und was sagt Dorow selbst dazu? Er zeigt sich erfreut über den Entschluss der Parteiführung. „Maßgeblich ist für mich, dass die politische Arbeit in Land und Bund fortgeführt werden kann. Es gilt nun, die Generation Deutschland in ihrer Aufbauphase weiter zu stärken und in Schleswig-Holstein die inhaltlichen und organisatorischen Grundlagen für die kommende Landtagswahl zu legen.“
Rolle rückwärts: Rauswurf war eigentlich schon beschlossen
Diese Wende kommt für viele überraschend. Denn im Februar hatte der Bundesvorstand den Rauswurf von Dorow bereits beschlossen. Doch danach hagelte es Kritik, sowohl aus der Partei selbst als auch aus ihrem Umfeld. Ein Mitglied des Bundesvorstands, Kay Gottschalk, postete sogar auf der Plattform X: „Ich habe zugestimmt – und es tut mir leid.“ Er kündigte damals an, die Angelegenheit bei der folgenden Sitzung des Vorstands noch einmal auf den Tisch zu bringen.
Ermittlungen nach Rede in Gießen
Aber worum ging es bei dem ganzen Wirbel überhaupt? Der Auslöser war eine Rede von Dorow. Er hielt sie im November in Gießen bei der Gründungsfeier der neuen Jugendorganisation der AfD, in deren Vorstand er gewählt wurde. Seine Worte alarmierten die Staatsanwaltschaft. Diese leitete eine Prüfung ein, ob sich Dorow strafbar gemacht haben könnte. Konkret ging es um Paragraf 86a des Strafgesetzbuches, der das „Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen“ unter Strafe stellt.
In seiner Ansprache bezog sich Dorow auf Björn Höcke, den AfD-Landeschef aus Thüringen, mit den Worten: „Wie es Björn Höcke vor wenigen Monaten rezitiert hat, Jugend muss durch Jugend geführt werden, und dieses Prinzip muss unser Leitstern sein“. Dorow legte nach und erklärte, die neue Jugendorganisation werde „die Speerspitze der jungen Rechten in Deutschland sein“. Der Satz „Jugend wird durch Jugend geführt“ ist historisch brisant: Er war ein Leitsatz der Bündischen Jugend in der Weimarer Republik und wurde danach auch von der Hitlerjugend übernommen.
Dorow verteidigte sich später. Der Spruch „Jugend muss durch Jugend geführt werden“ habe seinen Ursprung in der Wandervogelbewegung, argumentierte er. Das sei eine Epoche vor der Zeit des Nationalsozialismus gewesen und somit lange vor der Existenz der Hitlerjugend. Laut der Nachrichtenagentur dpa sieht er keinen Grund, sich von dieser Äußerung, die er als „inhaltlich in keiner Weise verwerflichen Aussage“ bezeichnet, Abstand zu nehmen. (red)
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