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Tragödie mit 57 TotenProzessbeginn eskaliert – Familien fordern verzweifelt: „Mund endlich öffnen!“

Angehörige zeigen das Bild eines Opfers, das beim schwersten Eisenbahnunglück in der Geschichte Griechenlands ums Leben kam. Im Gerichtssaal kochten die Emotionen über.

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Angehörige zeigen das Bild eines Opfers, das beim schwersten Eisenbahnunglück in der Geschichte Griechenlands ums Leben kam. Im Gerichtssaal kochten die Emotionen über.

Aktualisiert

Nach dem verheerenden Zug-Crash in Griechenland verlangen die Hinterbliebenen im Gerichtssaal schonungslose Aufklärung.

Mehr als drei Jahre nach dem schwersten Zugunglück in der Geschichte Griechenlands hat am Montag (23. März) der Prozess gegen 36 Angeklagte begonnen.

Die Stimmung im überfüllten Gerichtssaal von Larissa war hochemotional. Bei den Familien der Verstorbenen entluden sich Wut und Verzweiflung. Die Angehörigen verlangten von den Beschuldigten, „den Mund zu öffnen“ und die volle Wahrheit zu sagen.

Tragödie traf vor allem die Jugend

Mehr als 350 Zeuginnen und Zeugen sollen aussagen, darunter auch Überlebende des Unglücks.

„Dieser Prozess beginnt mit großer Verspätung“, sagte vor dem Gericht der Leiter des Hinterbliebenen-Verbandes, Pavlos Aslanidis, dessen 26-jähriger Sohn bei dem Unglück ums Leben kam. „Was wir wollen, ist eine beispielhafte Bestrafung der Verantwortlichen.“

Das Gericht hat nun die Aufgabe, die genauen Umstände aufzudecken, die am 28. Februar 2023 zum Desaster bei Tempi mit 57 Toten führten. Auf der Bahnlinie zwischen Athen und Thessaloniki prallten damals ein Personenzug und ein Frachtzug frontal ineinander.

Ein Großteil der 57 Verstorbenen waren junge Reisende in der Altersgruppe von 15 bis 25 Jahren. Mehrere hundert Personen erlitten Verletzungen, etliche davon lebensgefährlich. Direkt im Anschluss an das Unglück legte der damalige Verkehrsminister sein Amt nieder, während der verantwortliche Fahrdienstleiter Versäumnisse zugab. Die massiven Mängel des Schienennetzes in Griechenland gerieten rasch in den Mittelpunkt der Debatte. Schon lange gibt es Vorwürfe, das gesamte Bahnsystem sei marode und mangelhaft abgesichert.

Kritik am Bahnsystem

Die Tragödie hat politische Dimensionen angenommen. So zweifelt eine Medizinerin, deren Tochter bei der Katastrophe ums Leben kam, immer wieder die Unabhängigkeit der Gerichte an. Sie erwägt sogar die Gründung einer eigenen politischen Kraft, um gegen „Korruption und Vetternwirtschaft“ vorzugehen.

Zusammen mit weiteren Hinterbliebenen beschuldigt sie die konservative Administration, entscheidendes Beweismaterial unterdrückt zu haben. Populistische Gruppierungen zeigen sich solidarisch mit den Familien und nutzen die Anschuldigungen, um daraus einen politischen Vorteil zu ziehen. Andere Familienmitglieder gehen allerdings auf Abstand zu dieser Schelte und unterstreichen ihr Zutrauen in das Rechtssystem.

Laut Berichten der dpa rechnet man in dem Prozess mit über 350 Zeugenaussagen. Etwa 230 Personen, zu denen Familien der Opfer und auch Überlebende des Unglücks zählen, nehmen als Nebenkläger teil.

Experten gehen von einer Prozessdauer aus, die sich über Monate oder vielleicht sogar Jahre erstrecken könnte, so eine Meldung des griechischen Senders ERTNews. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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