Zoff in Niederlanden Sklaverei: Rutte will sich nicht entschuldigen – große Städte übergehen ihn

Utrechts Bürgermeisterin am 14. Januar 2016 mit Kopfhörern.

Utrechts Bürgermeisterin Sharon Dijksma (hier am 14. Januar 2016) entschuldigt sich im Namen der Stadt Utrecht für dessen Rolle in der Sklaverei

Utrecht setzt ein bedeutendes Zeichen: Die Stadt entschuldigt sich nun offiziell für seine Rolle in der Sklaverei. Und mehr noch, Utrecht macht Betroffenen ein tolles Angebot.

Damit setzt Utrecht ein historisches Zeichen: Utrecht ist nach Amsterdam und Rotterdam die dritte große niederländische Stadt, die sich offiziell für ihre Rolle in der Sklaverei entschuldigt. Weiterhin macht die Stadt den Betroffenen ein tolles Angebot.

Bürgermeisterin Sharon Dijksma gab am Mittwoch (23. Februar 2022) eine Erklärung im Rahmen einer Sonderveranstaltung über die Vergangenheit der Sklaverei in der niederländischen Stadt ab.

Dabei entschuldigte sie sich für die Beteiligung am „kolonialen Sklavenhandel und der Unterdrückung und Ausbeutung versklavter Menschen“, wie das Nachrichtenportal „Euronews“ berichtet.

Untersuchungen ergaben: 40 Prozent waren an Sklaverei interessiert

Zuvor ergaben Untersuchungen zur Rolle der Stadt im Sklavenhandel, dass Stadtrat, Bewohnerinnen und Bewohner sowie lokale Institutionen nicht nur die koloniale Ausbeutung und Sklaverei unterstützten, sondern auch direkt und indirekt davon profitierten.

Demnach waren zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert rund 40 Prozent der Stadtverwaltung am Sklavenhandel interessiert.

„Extrem wichtiges“ Zeichen – auch auf nationaler Ebene

In ihrer Rede sagte Dijksma dahingehend: „Heute halten wir inne, um über die Geschichte der Sklaverei in unserer Stadt nachzudenken und schauen nach vorn, um daraus Lehren zu ziehen.“

Weiter sagte sie: „Ich denke, dass das extrem wichtig ist, weil wir über nichts Geringeres als ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit sprechen. Indem wir diese dunkle Seite der Geschichte unserer Stadt zur Kenntnis nehmen und anerkennen, schaffen wir Raum für Diskussionen.“

Zudem betonte sie, dass die Entschuldigung „ein Beispiel für die Regierung sein sollte, sich auf nationaler Ebene zu entschuldigen, weil dieses Thema umfassender ist als Utrecht allein.“

Utrecht: Nach Entschuldigung folgen Taten

Trotz des aufgebauten Drucks hat sich Ministerpräsident Mark Rutte stets geweigert, sich für die Rolle der Niederlande in der Sklaverei zu entschuldigen.

Doch davon lassen sich die einzelnen Städte nicht aufhalten, wie Utrecht, Amsterdam und Rotterdam nun gezeigt haben: „Es ist an der Zeit, die große Ungerechtigkeit der kolonialen Sklaverei in die Identität unserer Stadt einzuprägen“, wie Femke Halsema, Bürgermeisterin von Amsterdam, betonte.

Um den Worten auch Taten folgen zu lassen, hat sich Utrecht dafür entschieden den Nachkommen der in der Stadt lebenden versklavten Menschen eine Entschädigung anzubieten.

Utrecht mit besonderer Geste für Betroffene: Auch wenn Rutte sich quer stellt

Dabei handelt es sich um die Möglichkeit einer kostenlosen Namensänderung. Normalerweise würde eine Namensänderung in den Niederlanden viel Papierkram und eine Summe von 835 Euro erfordern.

Wer jedoch aufgrund seiner kolonialen Wurzeln seinen Namen ändern möchte, müsste sich einer psychologischen Untersuchung unterziehen, die bisher ebenfalls tausende Euro kosten würde.

Die Sklaverei endete in den Niederlanden erst im Jahr 1863. Mit der Abschaffung dessen bekamen versklavte Menschen schnell einen neuen Nachnamen. Weil „echte“ niederländische Namen nicht verwendet werden durften, würden diese Namen auch heute noch herausstechen.

Um den Betroffenen nun zu helfen, übernimmt die Stadt alle Kosten für eine Namensänderung. Im Jahr 2023 ist es 150 Jahre her, dass in den Niederlanden Gesetze zur Abschaffung der Sklaverei erlassen wurden.

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