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„Die würden das nie tun“Ukrainischer Major erkennt auf Video schreckliche Wahrheit über Putins Armee

Auf diesem vom Pressedienst des russischen Verteidigungsministeriums am Freitag, 4. November, veröffentlichten Handout-Foto steht eine Gruppe russischer Soldaten, nachdem sie im Rahmen eines Gefangenenaustauschs in der Volksrepublik Donezk in der Ostukraine freigelassen wurden.

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Auf diesem vom Pressedienst des russischen Verteidigungsministeriums am Freitag, 4. November, veröffentlichten Handout-Foto steht eine Gruppe russischer Soldaten, nachdem sie im Rahmen eines Gefangenenaustauschs in der Volksrepublik Donezk in der Ostukraine freigelassen wurden. 

Aktualisiert:

300.000 – so viele Reservisten wurden nach offiziellen Angaben des Kreml eingezogen, „der Punkt ist gesetzt“, wie Putin es formulierte. Jene, die dem Aufruf in den Krieg zu ziehen nicht folgen, werden hart bestraft. Alle anderen sind zumeist Neulinge, unerfahrene junge Männer – sie werden nun ohne ausreichendes Training an die Front geworfen. Ein ukrainischer Major berichtet.

Putin sagte noch zu Beginn seines Angriffskrieges in der Ukraine, nur Berufssoldaten würden in seiner „Spezialoperation“, wie er es nennt, marschieren und kämpfen. Das Versprechen hat er gebrochen, seine Teilmobilmachung sorgte dafür, dass der Krieg, der bis dato für viele Russinnen und Russen auf den Fernsehbildschirmen und in den Propagandasendungen des Staatsfernsehens stattfand, in den Alltag einzieht. 

Die eigenen Kinder, Söhne, Väter sind es, die an die Front müssen. Gleichzeitig will Putin härtere Strafen für alle jene, die seinem Ruf nicht folgen. Sein Machtapparat schickt sich an, einen neuen Straftatbestand mit hohen Geldstrafen und bis zu fünf Jahren Haft zu erlassen. 

Ukraine: Putins unerfahrene Rekruten ohne Training an der Front

Was Putins Mobilmachung an der Front nun bedeutet, davon zeugen die Aussagen von ukrainischen Streitkräften. Hochrangige Offiziere berichteten dem „Spiegel“, dass viele von Putins frischen Soldaten kaum Erfahrung haben. Neulinge, die ohne jedes Training an die Front geworfen werden und sterben.

Oleksandr, ein Kommandant eines Späher-Bataillons, berichtet dem Magazin von einem Drohnenvideo, das an der Front bei Kreminna entstand, einer Kleinstadt in Luhansk. Etwa 135 Meter sei sie über dem Boden geschwebt, habe drei Russen im Visier gehabt, die hinter Baumstämmen kauern. Als das Artilleriefeuer auf sie eröffnet wird, rennen sie alle gleichzeitig los, dicht beieinander versuchten sie, ein Erdloch zu erreichen, heißt es. Ein Geschoss landet genau in ihrer Mitte. 

Der Kommandant ist sich sicher: „Das können nur Rekruten gewesen sein“, wird er vom „Spiegel“ zitiert. Er könne an den Bewegungen seiner Feinde erkennen, wie erfahren sie sind. Die Russen, jetzt allesamt tot, seien zur selben Stelle gerannt, erklärt er. Ein leichtes Ziel. „Erfahrene Soldaten würden das unter Beschuss niemals tun“, sagt er. Deshalb habe es sich um Neulinge gehandelt.

Ukrainische Soldaten inspizieren Ende Oktober einen zerstörten russischen Panzer bei Charkiw.

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Ukrainische Soldaten inspizieren Ende Oktober einen zerstörten russischen Panzer bei Charkiw.

Viele von ihnen sterben derzeit im Grenzgebiet zwischen Luhansk und Donezk, wo weiterhin erbittert gekämpft wird. Die russischen Soldaten, die kaum Erfahrung haben, stünden dort ukrainischen Streitkräften gegenüber, die dort schon seit vielen Jahren kämpfen. Auch das „Institute for the Study of War“, ein US-Thinktank, schrieb kürzlich, dass die Rekruten den gut befestigten ukrainischen Stellungen gegenüberstünden und so förmlich „aufgespießt“ werden.

Ukraine: 21 russische Soldaten sollen sich ergeben haben

Gleichzeitig wird in unabhängigen russischen Medien und in den sozialen Netzwerken immer wieder von russischen Soldaten berichtet, die über die schrecklichen Bedingungen vor Ort für die neuen Rekruten berichten. Zuletzt berichtete etwa „The Moscow Times“ von Dutzenden jüngst mobilisierten Wehrpflichtigen, die sich den ukrainischen Soldaten ergaben.

Mindestens 21 Soldaten seien gefangen genommen worden, berichtete auch Anton Geraschtschenko, ein Berater des ukrainischen Innenministeriums, auf Telegram. In dem geteilten Video ist zu hören, wie einer der sich ergebenen Männer sagt: „Die Russen schießen auf ihre eigenen Truppen. Wir haben drei Tage lang in den Schützengräben gesessen und unsere eigenen Kameraden haben uns beschossen.“

Ein anderer Soldat sagt: „Ihr werdet Kanonenfutter sein.“ Andere beklagen, tagelang nichts gegessen oder getrunken zu haben und von ihren Kommandanten im Stich gelassen worden zu sein, als das feindliche Feuer auf sie eröffnet wurde. Der Wahrheitsgehalt der Aussagen dieser Kriegsgefangenen lässt sich nicht unabhängig prüfen, doch das Video wurde auch in den Telegram-Kanälen der Kriegsbefürworter und Putin-Anhänger geteilt. 

Immer wieder berichten ukrainische Offiziere von russischen Soldaten, die verwirrt und ängstlich scheinen, nicht wissen, wo sie sind. Oleksij Danilow, Vorsitzender des Nationalen Sicherheitsrats der Ukraine, sagte dem „Spiegel“, dass viele von ihnen nur eine oder anderthalb Wochen lang ausgebildet worden seien, viele würden nun getötet. „Wir haben keine Wahl, wir müssen sie töten.“

Dass Putins Mobilisierung an dem derzeitigen Kriegsverlauf etwas verändern wird, glaube er demnach nicht. Andere Expertinnen und Experten sehen das anders, allein aufgrund die schiere Masse der neuen Kräfte könnte spürbare Auswirkungen haben. 

Kommandant Oleksandr ist der Meinung, dass die neuen Rekruten im Norddonbass durchaus eine Wirkung hätten: „Sie stopfen Löcher mit Menschen“, dennoch seien sie keine guten Kämpfer. „Aber es sind viele und sie haben Waffen.“

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