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Sprachnachricht aus der Hölle von Mariupol Letzter Soldat richtet dramatischen Appell an uns alle

Serhij Wolyna ist einer der letzten Soldaten, die in Mariupol gegen russische Soldaten Stellung bezogen haben. Das Foto teilte er auf seinem Facebook-Account – ebenso wie seine dramatischen Appelle an die Weltgemeinschaft.

Serhij Wolyna ist einer der letzten Soldaten, die in Mariupol gegen russische Soldaten Stellung bezogen haben. Das Foto teilte er auf seinem Facebook-Account – ebenso wie seine dramatischen Appelle an die Weltgemeinschaft.

Die Lage in Mariupol ist katastrophal: Die Stadt liegt nach knapp zwei Monaten Belagerung in Schutt und Asche. Jene, die noch nicht geflüchtet sind, verschanzen sich in einem Stahlwerk. Serhij Wolyna ist einer der letzten Soldatinnen und Soldaten, die hier Stellung bezogen haben. Und er hat eine Botschaft.

Mariupol ist ausgelöscht, sie gleicht nur noch einer Geisterstadt. Bilder und Videos, die von russischen Staatsmedien verbreitet werden, zeigen die toten Ruinen, in denen einst Leben herrschte. Eine Trümmerlandschaft, von der Moskau behauptet, sie nun befreit zu haben.

Doch ganz im Süden der Stadt, am Meer, gibt es noch Widerstand. In den stählernen Gerippen der Werke von Asovstal haben sich Kämpferinnen und Kämpfer verschanzt, unter ihnen Mitglieder des Asow-Regiments. Auch Zivilistinnen und Zivilisten sollen darunter sein, etwa 1000. Das Industriegelände ist die letzte Bastion der ukrainischen Einheiten – untertunnelt, verwinkelt, schwer einzunehmen.

Serhij Wolyna gehört zu diesen letzten Soldatinnen und Soldaten, die hier ausharren. Er ist Kommandeur der 36. Marineinfanteriebrigade, hat vor rund zwei Wochen die russischen Linien rund um die Stadt durchbrochen, um die Kämpferinnen und Kämpfer in Mariupol zu unterstützen.

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Nun hat er mit dem „Tagesspiegel“ gesprochen – und in Sprachnachrichten von der dramatischen Lage und den katastrophalen Zuständen in der Stadt gesprochen.

Ukraine-Krieg: Lage in Mariupol „extrem schlimm“

Er erklärt, die Situation in Mariupol sei „extrem schlimm“. „Es ist vor allem eine unvorstellbare humanitäre Katastrophe, was hier passiert“, sagt Wolyna mit brüchiger Stimme.

Wolyna hatte vor kurzem auf seiner Facebook-Seite eine Videobotschaft geteilt. Er rief die Weltgemeinschaft dazu auf, den verbliebenen Truppen zu helfen. Sie müssten schnellstmöglich evakuiert werden. „Das hier könnte der letzte Appell unseres Lebens sein“, sagt er darin.

Er richtete diesen Appell auch direkt an die deutsche Bundesregierung, in einem langen Text persönlich an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzler Olaf Scholz und Außenministerin Annalena Baerbock: „Sie haben die Chance, auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen.“

Ukraine: Soldat in Mariupol richtet dramatischen Appell an Deutschland

Und weiter: „Vor einer gewissen Zeit hat die Welt schon einmal das große Böse gestoppt. Daran erinnern Sie sich besser als alle anderen. Jetzt ist das Böse zurück. Und Sie haben jetzt die Chance, sich auf die richtige Seite der Geschichte zu stellen und den Faschismus in seinen Anfängen zu stoppen, bevor er alles ringsum verbrannt hat.“

Blick auf das Asovstal-Werk in der Hafenstadt Mariupol. Hier haben sich zahlreiche Kämpferinnen und Kämpfer sowie zivile Personen verschanzt.

Blick auf das Asovstal-Werk in der Hafenstadt Mariupol im April 2022. Hier haben sich zahlreiche Kämpferinnen und Kämpfer sowie zivile Personen verschanzt.

Die russische Besatzung tötet die Kinder, vergewaltigt die Frauen, so Wolyna. Er sprach von einem Völkermord. „Glauben Sie mir, sie werden nicht aufhören. Und Sie werden die Nächsten sein – ganz Europa und die zivilisierte Welt.“

Mariupol: „In den Kellern verrotten meine verletzten Soldaten“

Wolyna zeichnet ein düsteres Bild von Mariupol: „Mehr als 100.000 Menschen verhungern. In den Kellern verrotten meine verletzten Soldaten an ihren Wunden.“ Die Stadt habe längst kein Wasser, keinen Strom, kein Gas mehr. Auch Lebensmittel und Medikamente gebe es nicht mehr.

Mehr als 100.000 Menschen verhungern. In den Kellern verrotten meine verletzten Soldaten an ihren Wunden.
Serhij Wolyna, Kommandeur der 36. Marineinfanteriebrigade

Wolyna bestreitet, dass die russischen Truppen Mariupol komplett eingenommen haben. „Das Gelände, auf dem wir uns befinden, wird weiter unablässig und sehr heftig beschossen.“ Russland setze dabei alles ein: Bomben, Raketen, Granaten, Panzer, Artillerie. „Und gleichzeitig treffen uns Lenkflugkörper und andere Geschosse von der See.“

Ukrainischer Soldat: „Sie wussten, dass sich dort Kinder befinden“

Am Donnerstag hatte Putin erklärt, Asovstal nicht stürmen zu wollen. Wolyna schenkt ihm wenig Glauben. „Erst gestern wurde der versprochene humanitäre Korridor sofort gestört“, sagt er. „Weder wir noch die Zivilisten hier glauben den Russen nur ein Wort. Wir wissen, was sie hier in Mariupol mit dem Geburtskrankenhaus und dem Theater getan haben, was in Butscha und Kramatorsk passiert ist.“

Zuletzt sind nur wenige Kilometer von Mariupol entfernt mehrere Massengräber entdeckt worden, Satellitenbilder sollen sie zeigen. Die Besatzungskräfte würden so versuchen, Kriegsverbrechen zu verschleiern, sagen ukrainische Behörden.

Wolyna wirft Russland vor, zivile Einrichtungen ins Ziel genommen zu haben: „Sie wussten, dass sich dort Kinder befinden. Und genau die wollten sie töten.“

Auf die Frage des „Tagesspiegels“, ob Wolyna selbst daran glaube, dass er evakuiert wird, antwortet er zögernd, dass er nicht wisse, was passieren wird. Kapitulieren will er nicht, er bleibt. „Mariupol ist noch zu retten!“

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