Kopenhagen Panik nach Schüssen im Einkaufszentrum – „wissen nun, dass es mehrere Tote gibt“

Ukraine-Krieg Grausame Enthüllungen: Diese Tür treibt einem die Tränen in die Augen

Das Foto, welche von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch veröffentlicht wurde, zeigt die Tür zu einem Kellerraum einer Schule in Yahidne.

Das Foto, welche von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch veröffentlicht wurde, zeigt die Tür zu einem Kellerraum einer Schule in Yahidne. Auf der Tür befindet sich ein Kalender, den die Gefangenen gezeichnet haben, um die Zeit im Auge zu behalten. Auf der rechten Seite haben sie eine Liste mit Namen geführt, die in Gefangenschaft gestorben sind, auf der linken Seite eine Liste mit all jenen, die erschossen worden sind – oder „verschwunden“.

Die internationale Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“ hat weitere Belege für Kriegsverbrechen russischer Truppen veröffentlicht. Hinrichtungen, Folter, schwere Misshandlungen, Entführungen – mehrere Überlebende sprechen über die Gräueltaten der russischen Soldaten während ihrer Besatzung.

Butscha, Irpin, Borodjanka, Hostomel – Berichte über russische Gräueltaten in den Vororten von Kyjiw haben weltweit für Entsetzen gesorgt. Und es kommen weitere hinzu. Der russische Angriffskrieg in der Ukraine bedarf noch vieler Untersuchungen – auch der brutalen Taten von Putins Schergen, während sie Städte und Dörfer belagert haben. Ohne Rücksicht auf internationales Völkerrecht bezüglich ihrer Kriegsgefangenen zu nehmen.

Es ist Tag 84 seit Kriegsbeginn – und die Belege für ihre Verbrechen gegen die Menschlichkeit häufen sich weiter.

Die Menschenrechtsorganisation hat 65 Bürgerinnen und Bürger aus 17 Dörfern und Kleinstädten in den Regionen Kyjiw und Tschernihiw im Nordosten der Ukraine befragt. Sie standen von Ende Februar bis März unter russischer Besatzung.

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Die Ermittlerinnen und Ermittler untersuchten 22 mutmaßliche standesgemäße Hinrichtungen, neun weitere rechtswidrige Tötungen, sechs Fälle von gewaltsamen Entführungen, sieben Fälle von Folter. 21 Zivilisten haben ihre Gefangenschaft beschrieben – unter völlig unmenschlichen und erniedrigenden Bedingungen.

Ukraine-Krieg: Weitere Belege für russische Kriegsverbrechen

„Diese Übergriffe gegen Zivilisten sind offensichtliche Kriegsverbrechen, die umgehend unabhängig untersucht werden sollten und angemessen verfolgt“, erklärt Giorgi Gogia, stellvertretende Direktorin für Europa und Zentralasien bei Human Rights Watch.

Einer der erschreckendsten Berichte stammt aus der Ortschaft Yahidne (in der Region Tschernihiw), in der russische Truppen über 350 Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner, darunter mindestens 70 Kinder – davon fünf Säuglinge – 28 Tage lang im Keller eines Schulgebäudes festgehalten haben. Es habe dem Bericht nach keine Toiletten, keine Frischluft, keinerlei Möglichkeiten für Ausgang gegeben.

Im Keller der Schule in Yahidne waren mehrere Betten aufgebaut. Eine Inschrift auf dem Türrahmen gibt an, wie viele Erwachsene und wie viele Kinder sich hier aufgehalten haben. In diesem Raum: 136 Erwachsene und 39 Kinder.

Im Keller der Schule in Yahidne waren mehrere Betten aufgebaut. Die Zahlen auf dem Türrahmen geben an, wie viele Erwachsene und wie viele Kinder sich hier aufgehalten haben. In diesem Raum: 136 Erwachsene und 39 Kinder.

„Das Zimmer hatte kein Licht. Wir konnten nur auf kleinen Kinderstühlen oder schmalen Bänken sitzen“, schildert eine Frau die Haftbedingungen. „Unser Baby saß oder schlief auf dem Schoß. Die Luft war erfüllt von Staub und Kalkgeruch von den Wänden.“ Nach einer Woche hätten alle bereits heftig gehustet, erklärt sie. „Fast alle Kinder hatten hohes Fieber, Hustenkrämpfe und erbrachen sich. Wir haben versucht, uns nicht unnötig zu bewegen, weil die Leute so dicht beieinander gesessen haben, dass man sich nur seitwärts bewegen konnte.“

Ukraine-Krieg: Krebskranker Mann sollte sich „aufhängen“ gehen

Einem 63-jährigen Mann, der an Krebs gelitten hat und der Schmerzen hatte, sollen die Soldaten gesagt haben, er solle sich „aufhängen“ gehen, um die Schmerzen zu lindern. Sie hätten ihm nicht erlaubt, nach Hause zu gehen.

Aus Nowyj Bykiw (ebenfalls in der Region Tschernihiw) gibt es ähnliche Berichte. Ein Zeuge beschreibt, dass die russischen Streitkräfte einen Tag vor ihrem Rückzug etwa 20 Zivilisten, die in einem Heizungsraum festgehalten worden sind, mitgeteilt hätten, dass ein Befehl zur Hinrichtung von acht Personen vorliege.

Ukraine: Einem 40-Jährigen wurde in den Kopf geschossen

Die Soldaten hätten daraufhin gefragt, ob es Freiwillige gebe. Als niemand freiwillig vortrat, hätten sie die Männer gewaltsam mitgenommen.

Links ist der Zugang zu einem Heizraum in einem Gebäude in Nowyj Bykiw zu sehen, in dem fünf Männer mehrere Tage lang festgehalten worden sind. Sie saßen in einer kleinen Grube im Kesselraum (rechts). Einer der Männer war verletzt und musste liegen, während sich die anderen nur daneben kauern konnten.

Links ist der Zugang zu einem Heizraum in einem Gebäude in Nowyj Bykiw zu sehen, in dem fünf Männer mehrere Tage lang festgehalten worden waren. Sie saßen in einem kleinen Verschlag in einem Kesselraum (rechts). Einer der Männer war verletzt und musste liegen, während sich die anderen nur daneben kauern konnten.

Zwei der hingerichteten Leichen seien am nächsten Tag nach dem Abzug der Truppen gefunden worden, eine weitere etwas entfernt. Das Schicksal der fünf anderen Männer ist unbekannt.

Der Verwaltungschef von Nowa Bassan (Tschernihiw) hat einen weiteren grausamen Erlebnisbericht geteilt: Einem 40-jährigen Zivilisten sei in den Kopf geschossen worden, als er an einer russischen Stellung vorbeiging. Sein Name: Mykola Kucherina. Seine Eltern hätten seine Leiche etwa einen Monat lang nicht abholen dürfen, um ihn zu begraben.

Ukraine: Zivilisten wurden verhört und gefoltert

Ihor Zyrianow, ein 58 Jahre alter Frisör aus Kyjiw, und sein Nachbar erinnerten sich an jene Tage, als die russischen Truppen sie in der Fensterfabrik in Dymer (Region Kyjiw) festhielten. Soldaten hätten beide zu jedem Detail ihrer Vergangenheit verhört, insbesondere zu ihrer Teilnahme am Euromaidan 2013.

Zyrianow seien wiederholt die Augen verbunden worden, dann sei er mit einem Gewehrkolben geschlagen worden. Sein Nachbar erinnerte sich an Soldaten, die einen Elektroschocker benutzten.

„Sie haben mir gesagt, dass es für mich vorbei ist. Sie hielten mir ein Gewehr an den Kopf, luden es und ich hörte drei Schüsse“, erinnert er sich. „Ich konnte auch hören, wie die Patronenhülsen auf den Boden fielen. Sie sagten mir, dass sie das nächste Mal nicht daneben zielen würden, wenn ich ihnen nicht alles erzähle. Sie benutzten den Schocker am Hinterkopf, es war sehr schmerzhaft.“

Ukraine: „Es wird vielleicht keine schnelle Gerechtigkeit geben“

Russische Beamte weisen weiterhin kategorisch jegliche Anschuldigungen und Belege für Kriegsverbrechen von sich. Sie leugnen, dass es sie gegeben hat. Human Rights Watch erinnert derweil an die Bedeutung ihrer umfassenden Ermittlungen.

Es wird immer deutlicher, dass ukrainische Zivilisten schreckliche Torturen in den von russischen Streitkräften besetzten Gebieten erleben mussten, erklärt Giorgi Gogia. „Es wird vielleicht keine schnelle Gerechtigkeit geben. Aber es sollten alle Schritte unternommen werden, um sicherzustellen, dass sie all jene erreicht, die gelitten haben“.

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