Panikmache? Top-Virologe Stöhr überrascht mit Voraussage zur Omikron-Welle

Klaus Stöhr (hier im Oktober 2020 bei Lanz) hat eine Einschätzung der Omikron-Welle gegeben.

Klaus Stöhr (hier im Oktober 2020 bei Lanz) hat eine Einschätzung der Omikron-Welle gegeben.

Virologe Klaus Stöhr hat sich mit einer ersten Einschätzung zur Omikron-Variante zu Wort gemeldet.

Die Omikron-Welle rollt über den Globus. Aber wie ernst ist die Situation wirklich in Deutschland? Tatsächlich sei die Datenlage nicht gut, erklärt Topvirologe Klaus Stöhr, ehemaliger Leiter des globalen Influenzaprogramms und SARS-Forschungskoordinator, in einem Interview mit NDR. Vor allem in Deutschland. Man müsste sehr viel genauer wissen, wie viele Menschen mit Omikron infiziert werden und vor allem auch, wie viele in die Krankenhäuser eingeliefert werden.

Ein Teil der Daten läge zwar bereits vor – doch um die Schräglage für Deutschland deutlich zu machen, sei besonders der Vergleich mit den Nachbarländern interessant.

In Dänemark liege die Inzidenz etwa fünf bis sechsmal so hoch wie in Deutschland. In England sei sie viermal so hoch. „Aber gleichzeitig liegen auf den Intensivstationen der beiden Länder nur ein Viertel der Fälle pro 100.000 Einwohner wie in Deutschland“, hebt Stöhr hervor.

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Virologe Klaus Stöhr über die schlechte Datenlage in Deutschland

„In Deutschland liegen demnach faktisch zehn bis zwölf Mal mehr Personen auf den Intensivstationen“, so der Virologe. Das liege allerdings nicht an der Viruslage, sondern einfach daran, dass die Datenlage in Deutschland im Vergleich zum europäischen Umland sehr viel schlechter ist.

Um die Gefährlichkeit der Corona-Mutante Omikron abschätzen zu können, müsse man auf erste Studien aus Südafrika und Großbritannien zurückgreifen. Die seien jedoch sehr gut und in hohem Maße belastbar, so Klaus Stöhr.

Dabei sei zu beobachten, dass die biologische Entwicklung des Erregers erwartungsgemäß verlaufe. „Verringerte Pathogenität, also krankmachende Wirkung, leicht erhöhte Infektiosität“, fasst der Virologe zusammen. Unter dem Strich nähere sich das Coronavirus langsam anderen Influenzaviren an.

Stöhr weiter: „Das Virus hat sich angepasst. Dadurch dass jetzt die oberen Atemwege betroffen sind, also mehr Nase und Rachen, als die Lunge, dadurch wird der Erkrankungsverlauf milder.“ Das seien alles deutliche Anpassungszeichen an den Menschen.

Virologe Klaus Stöhr warnt vor Panikmache

Der Virologe warnte im NDR vor Panikmache. Für ihn sei es nicht nachvollziehbar, warum in Deutschland teilweise zu einer solch „dramatischen Linguistik“ gegriffen werde, um die Omikron-Verbreitung zu beschreiben.

Die Realität sei dann in den Krankenhäusern zu sehen. Mit Verweis auf Zahlen aus Südafrika und Großbritannien zeichne sich demnach eine deutliche Reduktion der Hospitalisierungsrate ab. „Wer mit Omikron erkrankt, hat ein 20 bis 25 Prozent geringeres Risiko, ins Krankenhaus zu kommen und hat sogar ein 40 bis 45 Prozent geringeres Risiko, dort zu bleiben“, so Stöhr.

Als Konsequenz fordert der Virologe, die Quarantäneregeln und Corona-Maßnahmen zur Kontaktreduzierung zu überdenken. Nach Silvester werden die gemeldeten Infektionen zwar deutlich ansteigen, die Folgen für die Intensivstationen und für die Todesraten würden aber ausbleiben, sagt Klaus Stöhr voraus. (jv)

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