Bei den Griechen und Römern war aber auch mächtig was los! Historiker Garrett Ryan hat die skurrile Komponente der Antike beleuchtet.
Sportstars & SaufspieleNackte Tatsachen über die Antike

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Nackte Statuen, wie hier die Gipsabgüsse von antiken Statuen der Archäologischen Sammlung der UniFreiburg, waren nichts Ungewöhnliches. Römer und vor allem Griechen waren sehr körperbewusst, viele Athleten trainierten nackt, zudem galt Nacktheit gerade den Griechen als eine Art göttliche Überlegenheit. Erotik spielte eine untergeordnete Rolle.

Kennen Sie noch die tollen Zahlen und Eselsbrücken, die man im Geschichtsunterricht parat haben musste, wenn es um die ollen Griechen und Römer ging? Von „333 – bei Issos Keilerei“ bis „476 – Rom war ex“. Dabei hatten die Kulturen der Antike abseits von Politik, Palaver und Punischen Kriegen durchaus Verblüffendes zu bieten. Und davon so viel, dass Historiker Garrett Ryan die besten Fragen und Fakten zur Antike in einem Buch zusammengetragen hat. Auf zu einer Geschichtsstunde der skurrilen Art.
Abgesehen vom Schulunterricht haben sich die meisten „Ottonormal-Historiker“ unter uns ihr Wissen um das Treiben von Griechen und Römern aus Filmen wie „Spartacus“, „Quo Vadis“, „Kampf der Titanen“, „Gladiator“ oder „Das Leben des Brian“ zusammengebastelt. Alles schön und gut (und teilweise ausgedacht), aber es geht noch besser! Die Idee zu seinem Buch „Antike unzensiert“ hatte Garrett Ryan, als er mit einer Studentengruppe das Detroit Institut of Arts besuchte. „Wir hatten unseren Rundgang durch die Säle zur griechischen und römischen Geschichte gerade beendet, als ein Student auf mich zukam. Er beugte sich verschwörerisch zu mir und flüsterte: ‚Dr. Ryan, ich muss Sie mal was fragen – warum sind so viele griechische Statuen nackt?‘“ So trug Ryan eine Auswahl von munteren und morbiden Fakten zusammen.
Frisuren und Verhütung
- Der ziemlich eitle Julius Cäsar war „Querkämmer“ (er überkämmte seine Halbglatze), Kaiser Augustus beschäftigte bei der Morgenrasur drei Barbiere und in Sparta waren Schnurrbärte illegal.
- Hunde waren die Lieblingstiere der Antike. Römerinnen trugen Malteserhündchen in den Falten ihrer Tuniken, Alexander der Große benannte nach seinem treuen Hund Peritas eine Stadt.
- Weil sie bewährtes Verhütungsmittel war, pflückten Griechen und Römer die Pflanze Silphium bis zur kompletten Ausrottung.
- Essen war Macht: So tischte Kaiser Vitellius u. a. Hechtleber, Pfauenhirn und Flamingozungen auf. Die Oberen Zehntausend speisten im Liegen, Erbrechen zwischen den Gängen galt übrigens als gut für die Verdauung.
- Aristokratische Haushalte in Rom hatten hoch spezialisierte Sklaven, z. B. Spiegelhalter, Silberputzer, Gemäldeverantwortliche oder Duftölmeister.
- Kaiser Augustus war knapp 1,70 Meter groß, trug aber Plateauschuhe, um das zu kaschieren.
Ergötzen am Kampf bis in den Tod

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Kirk Douglas als Titelheld in „Spartacus“ von 1960, er kämpft mit Schild und Schwert gegen seinen baumlangen Gegner Draba (Woody Strode) mit Netz und Dreizack.
Gladiatoren waren ungeheuer angesagt. In der Kaiserzeit (27 v. Chr. bis 284 n. Chr.) am beliebtesten: Kämpfe zwischen retiarius (mit Netz und Dreizack) und secutor (mit Schild und Kurzschwert). Laut Ryan kämpften die Männer unter Aufsicht zweier Kampfrichter in gestreiften Tuniken, die die Regeln überwachten. Der Großteil der Partien endete damit, dass einer der Gladiatoren entwaffnet oder verwundet war. Rief das Publikum überwiegend „Missum“ (Gnade) und schwenkte Taschentücher, überlebte der Gladiator. Überwog der Ruf „Iugula“ (Kehle durch) mit entsprechender Geste, wurde er getötet.
Picheln bis zum Erbrechen

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Beziehungskrise: Marcus Anonius (Richard Burton) und Kleopatra (Liz Taylor) im Technicolor-Drama „Kleopatra“ von 1963.
Der durchschnittliche römische Mann trank pro Tag rund einen Liter Wein (ca. 15 % Alkoholgehalt), in der Regel verdünnt. Aber manche schlugen über die Stränge. Wie Ryan schreibt, dauerten manche römische Bankette acht Stunden – die ihren Tribut forderten. So musste sich der große Feldherr Marcus Antonius nach einer langen Nacht bei einem öffentlichen Auftritt in die Falten seiner Toga erbrechen. Nero verplombte sich gern den Helm (betrank sich also heftigst), verkleidete sich als Sklave, stürzte mit seiner ebenfalls betrunkenen Gefolgschaft auf die Straße, um brave Bürger zu erschrecken.
Römische Bikinis und griechisches MMA

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Nur auf diesem einen Mosaik aus der Villa Romana del Casale wurden römische Sportlerinnen in einer Art Bikini dargestellt.
Während die Griechen im Adamskostüm in ihren Gymnasien trainierten (gymnos bedeutet nackt), sahen die Römer dem Treiben der hedonistischen Hellenen ein wenig skeptisch zu. Kaiser Trajan (53-117 n. Chr.) knurrte in Gegenwart eines seiner Statthalter: „Diese Griechen sind wirklich süchtig nach ihren Gymnasien.“ Aber nicht nur Leibesübungen hatten sich die Griechen auf die Fitness-Fahne geschrieben, sie praktizierten außerdem Pankration, das antike Gegenstück zu Mixed Martial Arts (MMA). Bei der nackt praktizierten Kombi aus Boxen und Ringen waren nur Beißen und Finger-ins-Auge-Stechen verboten (machte trotzdem fast jeder).
Dass die Römer den (Ur-)Bikini erfunden haben, stimmt nicht. Der Fantasie des Künstlers entsprungen ist ein 1600 Jahre altes Mosaik aus Sizilien (oben), das sportelnde Damen in einer Art Bikini zeigt. Zwar trieben wenige betuchte Römerinnen Sport – das aber bekleidet und in privatem Rahmen. Einzig das im Mosaik dargestellte „Bikinioberteil“ wurde tatsächlich (unter der Kleidung) getragen: Brustbänder waren „in“, weil damals kleine Brüste als Schönheitsideal galten.
Tolle Toga – nicht nur für Götter

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Gipfeltreffen im Olymp: Gottvater Zeus (Laurence Olivier) 1981 in „Kampf der Titanen“ mit einem Teil des griechischen Götterkollegiums Thetis, Hera, Poseidon, Zeus, Hephaistos, Aphrodite und Athene (mit Eule).
Wir sehen den griechischen Gottvater Zeus und seine Göttergefolgschaft im Olymp beziehungsweise in einer Szene aus „Kampf der Titanen“ von 1981. Was aber trug man drunter in der Antike? „Griechische Männer hatten unter ihren Gewändern nichts als Sonnenbrand und viriles Selbstbewusstsein“, schreibt Garrett Ryan. Manch fimschiger Römer griff zu einer Art Lendenschurz, die meisten aber zogen je nach Finanzlage leichte Untertuniken aus Seide oder Wolle an. Die spätere Kaiserin Theodora (500-548 n. Chr.) übrigens startete ihre Karriere als eine Art Burlesque-Tänzerin und „stolzierte in der antiken Entsprechung eines G-Strings über die Bühne“, so Ryan.
Rudersklave: Monumentalfilm-Mythos

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Charlton Heston (vorbe) als Galeerensträfling Judah Ben Hur in einer Szene aus dem Monumentalfilm „Ben Hur“ (1959).
Da pullen und schwitzen sie, die Gefangenen und Sklaven hinter Judah Ben Hur (Charlton Heston im gleichnamigen Film). Dass Galeeren-Ruderer allerdings Sklaven oder Sträflinge waren, ist ein Mythos. Denn das Rudern der Kriegsschiffe erforderte nicht nur Muskelkraft, sondern vor allem Schnelligkeit, Zuverlässigkeit und eine gute Koordination – entsprechend gut bezahlt wurden die Ruderer der Marine (meist Soldaten) bei den alten Römern und Griechen. Erst im 16. bis 18. Jahrhundert wurden in Europa Sträflinge eingesetzt, wenn auch nur sporadisch. In Frankreich wurde die „Galeerenstrafe“ 1748 abgeschafft.
War das Orakel von Delphi high?

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Auf einem Dreibein über einer Erdspalte, aus der Dämpfe emporstiegen, saß der Legende nach die Pythia, das Orakel von Delphi. Hier dargestellt in einer Zeichnung auf dem späten 19. Jahrhundert.
Einmal im Monat wurde in Delphi die Pythia befragt – die Priesterin, die im Namen Apollons in dem ihm geweihten Tempel Auskunft über gewichtige Fragen des Alltags und des Altertums generell orakelte. Auf einem Dreibein über einer Felsspalte kauernd arbeitete Pythia, der Legende nach umwölkt von aus der Erde aufsteigenden Dämpfen. In den 2000er Jahren entzauberte ein wissenschaftliches Experiment die Mär vom „High sein“ der Pythia, kurz gesagt: viel Dampf um nix. Da die Kunden des Orakels damals aber eine Konsultationsgebühr zahlten, die dem Tempel zugute kam, war die Hellseher-Ekstase ein 1-A-Spektakel. Motto: „There’s no business like Showbusiness.“
Bacchanalien und Bier-Pong

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Toll triesen es die alten Römer: Bei orgienhaften Bacchanalien ding es ordentlich zur Sache. Gezecht wurde natürlich auch.
Sowohl die Römer mit ihren Bacchanalien als auch die Griechen mit den Dionysien (beide rauschhaften Feste huldigten dem jeweiligen Gott des Weines) trieben es im Frühling besonders – nun ja – ausgelassen. Bankette uferten in Trinkgelage aus, dass die Lebern ächzten, dabei gab es in Griechenland u. a. das „Saufspiel“ namens „kottabos“, sowas ähnliches wie Bier-Pong: Mit dem Rest aus der Weinschale mussten Tonscheiben getroffen werden. Würfel- und Glücksspiele um Geld waren in Rom beliebt (und verboten). Wer verlor, musste z. B. nackt tanzen, eine Flötenspielerin huckepack tragen oder, so Ryan, „solo eine Extraportion Wein kübeln“.
Als Wagenrennen olympisch waren

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Platz da, jetzt komm' ich! Jack Huston als Judah Ben-Hur im Remake des Klassikers von 1959.
Tierquälerei allerübelster Sorte waren Wagenrennen, damals Disziplin der Olympischen Spiele und auch in Rom extrem populär: Dutzende Vierspänner stürmten auf die Rennbahn, die Spannung wurde noch dadurch erhöht, dass es garantiert Unfälle geben würde. Am Ende des Rennens wurde der Besitzer des siegreichen Wagens geehrt, nicht der Lenker, der war „unter Stand“. In der Kaiserzeit gab es 24 Rennen pro Tag über je zehn Kilometer. Nicht selten starben die Wagenlenker, wenn sie vom Wagen geschleudert wurden – ihr Gürtel war mit den Zügeln verbunden. Bei den Olympischen Spielen folgte auf die Wagen- ein spezielles Pferderennen: mit nackten Jockeys ...
Der frühe Boom des Profisports

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Sprint mit Schild: Leichtathletische Disziplinen waren in der Antike äußerst angesagt.
Ob Faustkampf oder Sprint, Ringen oder Weitsprung: In der hellenistischen und römischen Ära wuchs die Zahl der Profisportler stetig an, ebenso die Zahl der Spiele. Im dritten Jahrhundert nach Christus gab es allein in den oströmischen Provinzen mehr als 500 Wettbewerbe, bei denen es u. a. Beutel voll Gold und Silber sowie Olivenöl zugewinnen gab. Die besten Athleten waren ständig unterwegs und begannen, sich in regionalen Berufsverbänden zu organisieren, z. B. im Verband reisender Sportler und Kranzgewinner. Wenn sie ihre besten Jahre hinter sich hatten, so Ryan, wechselten sie in die Politik. Oder wurden Trainer in den Gymnasien ihrer Heimat.
