Tierschützer bangen um den Riesen: Das Tier ist stark geschwächt. Experten warnen jetzt vor einer riskanten Rettungsaktion.
Drama in der OstseeSchwerkranker Buckelwal „Hartwin“ erreicht deutsche Küste

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Tierschützer bangen um den Riesen: Das Tier ist stark geschwächt. Experten warnen jetzt vor einer riskanten Rettungsaktion. (Symbolbild vom April 2026)
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Der in der Ostsee wandernde Buckelwal „Hartwin“ hat offenbar deutsche Gewässer erreicht. Wie die dpa meldet, erhielt das Deutsche Meeresmuseum am Donnerstag zwischen 12.00 und 14.00 Uhr zwei Sichtungsmeldungen aus dem Bereich vor Heiligenhafen in Schleswig-Holstein.
Zwar lässt die Qualität des vorliegenden Bildmaterials noch keine zweifelsfreie Identifizierung zu, doch die Größe und das allgemeine Erscheinungsbild sprechen laut einer Sprecherin des Museums stark dafür, dass es sich um das bekannte Tier handelt, das sich in den vergangenen Wochen vor Dänemark aufhielt.
Tierschützer besorgt über den Zustand des Wals
Die Organisation „Stranded No More“, die die Bewegungen des Meeressäugers seit Monaten dokumentiert, äußerte sich auf ihrer Facebook-Seite extrem besorgt. Sie bezeichnete das Auftauchen des Wals in den flachen Gewässern vor Heiligenhafen als Worst-Case-Szenario, da sich der Gesundheitszustand des Tieres zusehends verschlechtere.
Nach Angaben der Organisation hat der Wal in den vergangenen Monaten eine enorme Strecke über die Niederlande, Norwegen, Schottland, England und Dänemark zurückgelegt. Auch innerhalb der Ostsee bewegte sich das Tier zuletzt äußerst sprunghaft. Am 5. Juli wurde es vor Holnis an der Flensburger Förde gesichtet, nur vier Tage später tauchte es hunderte Kilometer nördlich nahe Aarhus in Dänemark auf, bevor es nun den Weg nach Süden einschlug.
Experten warnen vor falscher Romantik
Die Prognosen von Fachleuten sind seit Längerem düster. Der dänische Meeresfachmann Heiko Buch-Illing äußerte bereits in der „Saarbrücker Zeitung“ die Befürchtung, dass der geschwächte Wal mit hoher Wahrscheinlichkeit stranden oder verenden werde. Ein dauerhafter Aufenthalt im nährstoffarmen Brackwasser der Ostsee stellt für diese Tierart eine enorme körperliche Belastung dar.

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Eine Rinne in der Kirchsee vor der Insel Poel führt im April 2026 vom Buckelwal in tieferes Gewässer (Aufnahme aus einem Flugzeug). (Symbolbild)
Die renommierte Wildtierärztin Dr. Kerstin Alexandra Dörnath warnte zudem in einem Interview mit dem „MDR“ vor einer Fehlinterpretation des Verhaltens. Ein ruhiges Verharren in flachen Gewässern sei bei Walen kein Zeichen von Friedlichkeit, sondern ein Symptom schwerer Erschöpfung oder Krankheit. Dörnath kritisierte in diesem Zusammenhang das sogenannte „Walt-Disney-Syndrom“, das zu einer Verklärung der Situation in der Öffentlichkeit führe.
Lehren aus der Vergangenheit ziehen
Die aktuellen Ereignisse wecken Erinnerungen an den Buckelwal „Timmy“, der im Frühjahr unter großer öffentlicher Aufmerksamkeit mehrfach in deutschen Gewässern strandete. Eine private Initiative transportierte das Tier schließlich auf einem Kahn in die Nordsee – eine Maßnahme, die von Experten als zusätzliche Qual kritisiert wurde. Der Wal überlebte nicht und wurde Mitte Mai tot vor der dänischen Insel Anholt gefunden.
Um solche Tragödien künftig zu verhindern, fordern Fachleute wie Dörnath den Aufbau eines professionellen Strandungsnetzwerks. Dies soll eine schnelle, wissenschaftlich fundierte Beurteilung ermöglichen, um im Sinne des Tierschutzes zu entscheiden, ob eine Rettung möglich ist oder dem Tier weitere Qualen erspart werden müssen. (jag/dpa)
