Im französischen Département Saône-et-Loire warnt die Polizei vor torkelnden Wildtieren auf den Straßen. Das Phänomen ist längst kein Einzelfall.
Was ist mit dem denn los?Reh torkelt übers Feld – Polizei warnt vor Gefahr

Copyright: Gendarmerie von Saône-et-Loire
Ein betrunkenes Reh torkelt über das Feld.
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Diese Aufnahmen sorgen aktuell nicht nur in Frankreich für Aufsehen: Das Video, das Anfang Mai auf den Social-Media-Kanälen der Gendarmerie von Saône-et-Loire veröffentlicht wurde, zeigt ein Reh, vermutlich eine Ricke, mit auffällig merkwürdigem Verhalten am Straßenrand. Es dreht sich im Kreis, fällt auf den Boden, versucht wieder aufzustehen.
Das Wildtier schlug auch international Wellen: Sogar der US-amerikanische Sender ABC News berichtete darüber.
Die Behörden machen vergärende Knospen, fermentierte Früchte und verwesende Pflanzen für das Verhalten der Tiere verantwortlich. Nach mehreren Meldungen über Wildtiere an den Straßenrändern des Départements riefen die Einsatzkräfte Autofahrer zur Vorsicht auf.
Die Empfehlung lautet: nicht eingreifen, die Tiere in Ruhe lassen. Denn obwohl der Anblick zunächst komisch wirken mag, ist die Gefahr groß: Betrunkene Wildtiere können jederzeit unvermittelt auf die Fahrbahn laufen und schwere Unfälle verursachen.
Das Phänomen sei, so berichtet das Département, bei bestimmten Hirscharten sehr bekannt und weitverbreitet, auch im Frühling. Aber auch andere, seltenere Ursachen können nicht ausgeschlossen werden: Verletzungen, Krankheiten, Traumata oder neurologische Störungen. Die Sicherheitshinweise seien aber dieselben.
Das Phänomen ist keineswegs auf Frankreich beschränkt. Auch in Deutschland können Wildtiere wie Dachse oder Igel durch den Verzehr von vergorenem Obst – etwa überreife Pflaumen, Kirschen oder Äpfel – in einen Vollrausch geraten.
„Die gärenden Früchte, die sein Magen zu Alkohol verarbeitet hat, sind für den Vollrausch verantwortlich“, heißt es von der Deutschen Wildtier-Stiftung. Auch im Herbst, wenn Fallobst auf dem Boden fault, steige das Risiko erheblich.
Aus dem benachbarten Tschechien wurden auch schon betrunkene Hirsche gemeldet – der dortige Forstverband warnte Spaziergänger vor vielen Jahren ausdrücklich vor den torkelnden Tieren, und es blieb zeitweise unklar, ob die Tiere auch deutschen Boden aufsuchen könnten. Konkrete Polizeiwarnungen für Autofahrer, wie sie nun in Frankreich ausgesprochen wurden, sind aus Deutschland bislang nicht bekannt. (mg)
