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NSU-DramaDie wahre Rolle des Agenten am Mord-Ort

Copyright: IMAGO / epd

Semiya Şimşek & Gamze Kubasik mit dem Buch „Unser Schmerz ist unsere Kraft“.

Ein Verfassungsschützer war anwesend, als der NSU zuschlug. Nur eine Koinzidenz?

Ein trauriges Datum rückt näher: der 6. April 2026. An diesem Tag jährt sich zum 20. Mal die Ermordung von Halit Yozgat in seinem Kasseler Internet-Laden. Verantwortlich waren die Killer des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU). Aber auch nach zwei Dekaden bleibt eine explosive Frage im Raum: Wie tief war der Verfassungsschutz in diese Verbrechensserie verstrickt?

Die Spekulationen konzentrieren sich auf den Geheimdienstler Andreas T., der sich während der Tat am Ort des Geschehens aufhielt. Der Verdacht einer Beteiligung an der Bluttat hält sich hartnäckig und ist sogar bei Wikipedia zu lesen. Fungierte der Staatsbedienstete als Helfer der Neonazi-Terroristen? Das berichtet „DER SPIEGEL“.

Spitzname „Kleiner Adolf“: Die braune Vergangenheit des Agenten

Tatsächlich existierten Anhaltspunkte, die den Agenten in ein schlechtes Licht rücken. Anwohner gaben an, ihn als Jugendlichen „Kleiner Adolf“ gerufen zu haben. Im Haus seiner Eltern wurden später Waffen sowie ein Exemplar von Hitlers „Mein Kampf“ entdeckt – Gegenstände, die in der Neonazi-Szene üblich sind.

Allerdings fehlen stichhaltige Belege für eine Zusammenarbeit mit dem NSU. Ihm konnten weder E-Mails, Fingerabdrücke auf Gegenständen des NSU noch belegte Zusammenkünfte oder Anrufe zugeordnet werden. Der Anlass für seine Anwesenheit im Internetcafé scheint ein persönlicher gewesen zu sein: Angeblich surfte er dort auf Dating-Portalen, obwohl seine Frau kurz vor der Entbindung stand.

Behörden-Chaos: Ein Versäumnis mit tödlichen Folgen

Fachleute führen an, ein Mitwisser hätte ein gewaltiges Wagnis auf sich genommen, am Ort des Verbrechens zu erscheinen und so die gesamte Terrorgruppe zu enttarnen. Trotzdem zeichnet die Angelegenheit ein düsteres Bild von den Einstellungsverfahren des Verfassungsschutzes. Die Dienststelle hatte Kenntnis davon, dass drei gewalttätige Rassisten im Untergrund lebten, konnte jedoch keinen Zusammenhang zu der fremdenfeindlichen Tötungsserie herstellen, der zwischen 2000 und 2006 neun Personen und danach eine Beamtin zum Opfer fielen.

Aber das Versagen war nicht allein auf staatlicher Seite zu finden. Zahlreiche Medienschaffende verbreiteten seinerzeit die Hypothesen der Fahnder unreflektiert weiter. Die kostspieligen Untersuchungen in den Mordfällen blieben ohne Erfolg. Die Enttarnung des NSU erfolgte erst 2011 – dank einer zufälligen Entdeckung bei einer Serie von Raubüberfällen, die ein Beamter richtig deutete und so den Verbrechern auf die Schliche kam. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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