Neue Filmaufnahmen an einer der Anschlag-Stellen der Nord-Stream-1-Pipeline zeigen weitere Details der Sprengung. Ein Sachverständiger hat sich die Bilder genauer angesehen – und erklärt nun, was er für unwahrscheinlich, und was für wahrscheinlich hält.
Rätsel um Nord-Stream-AnschlagNeues Unterwasser-Video wirft jetzt Fragen auf

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Dieses am 29. September 2022 aufgenommene Foto zeigt den Austritt von Gas aus einem Leck an der Nord Stream 2-Gaspipeline in der Ostsee. Greenpeace hat neue Videoaufnahmen vom Leck der Pipeline in 79 Metern Tiefe veröffentlicht.

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Das Rätselraten um die Lecks an den Nord-Stream-Pipelines geht weiter. Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass Schiffe wenige Tage vor den Explosionen in den Tiefen der Ostsee in der Nähe der Gaspipelines fuhren – mit ausgeschaltetem Signal. Eine mögliche Spur für die Ermittlerinnen und Ermittler, die diesen sogenannten „Dark Ships“ nun auf den Grund gehen.
Nun hat sich die Umweltschutzorganisation Green Peace an eine der Explosionsstellen von Nord Stream 1 begeben, mit einem Tauchroboter, der die zerstörte Röhre abfilmte. Aufnahmen, die nun neue Hinweise liefern, aber auch weitere Fragen aufwerfen. Ein Experte hat das Video im Auftrag der Organisation analysiert.
Nord Stream: Neue Filmaufnahmen zeigen weitere Details
Der Roboter hat sich vor der Insel Bornholm in 79 Meter Tiefe begeben, um die Zerstörung zu dokumentieren. Die Aufnahmen zeigen das Ausmaß der Zerstörung der Röhre, der Stahl ist verbogen, Teile ragen meterweit aus dem Boden, die Betonummantelung ist weggesprengt.
Der Sprengstoffsachverständige Fritz Pfeiffer hat für Greenpeace die Analyse gemacht und die Aufnahmen näher untersucht. Gegenüber dem SWR erklärt er: „In dem Kontext bekannter Überlegungen, dass die Leitung von Innen gesprengt wurde, erscheinen für den untersuchten Abschnitt als unwahrscheinlich.“
Seiner vorläufigen Einschätzung nach sei eine Sprengung in der Nähe der Pipeline wahrscheinlicher. 200 bis 400 Kilogramm Sprengstoff seien für den abgefilmten Abschnitt eingesetzt worden.
Der Kriminaltechniker und Sprengstoffexperte Wolfgang Spyra verwies in dem Sender auf Ungereimtheiten an dem Explosionsort. Seiner Meinung nach müsse es dort wesentlich mehr Teile der zerstörten Pipeline geben. Wenn rund 250 Meter Pipeline zerstört wurden, könne das Material nicht einfach weg sein. „Bei der Suche müsste man also solche größeren Objekte gefunden haben, die einen Aufschluss über die Hintergründe geben könnten“, so Spyra.
Greenpeace kritisiert schon länger, dass es seit Wochen von der Bundesregierung kaum Informationen zu den Hintergründen und Umweltfolgen der Explosionen gebe. Daher wollten sich die Umweltschützer selbst ein Bild der Lage machen und ließen den Roboter zu Wasser.
Zudem seien 40 Boden- und Wasserproben vor Ort genommen worden, diese würden nun im Toxikologischen Institut der Universität Kiel auf Rückstände von chemischen Kampfstoffen und auf Sprengstoffreste untersucht. Dabei soll auch die Frage geklärt werden, ob zum Beispiel alte Munition oder chemische Kampfstoffe aufgewirbelt wurden – Überbleibsel aus beiden Weltkriegen.

