Corona-Welle schon im Sommer?  Pandemie-Experte warnt: „Nicht die Augen verschließen“

Reisende stehen am Flughafen am Check-In-Schalter.

Die Menschen in Deutschland wollen, wie hier im letzten Sommer am 2. Juli 2021, ihren Sommer-Urlaub trotz Corona-Pandemie genießen. Dennoch sollten wir weiterhin wachsam sein, meint der Pandemie-Experte Kai Nagel.

Mit den steigenden Temperaturen sinkt bei vielen auch die Sorge vor dem Corona-Virus. Doch was erwartet die Menschen im kommenden Sommer und Herbst? Ein Kölner Pandemie-Experte klärt auf.

Die Corona-Pandemie hat die Welt weiter fest im Griff: Bei steigenden Temperaturen in Deutschland hoffen die Bürgerinnen und Bürger auf einen entspannten Sommer ohne Einschränkungen. Wie sich das Virus im Sommer und im Herbst weiterentwickelt, versucht der Kölner Pandemie-Modellierer Prof. Dr. Kai Nagel (56) herauszufinden.

Von einem Ende der Pandemie kann leider noch keine Rede sein, denn es gebe „weltweit noch sehr viele Ansteckungen, und damit genügend Möglichkeiten für das Virus, sich weiterzuentwickeln, berichtet der Experte gegenüber dem „RND“. Derzeit bilden sich Virusvarianten heraus, die vor allem leichter übertragbar sind“, so der 56-Jährige. „Doch nicht nur auf die Übertragbarkeit wird es ankommen, sondern auch auf die Krankheitsschwere“.

Nächste Corona-Welle droht: „Wenn wir Pech haben, kommt sie schon im Sommer“

Auch die bevölkerungsweite Immunität spiele dafür eine Rolle. Menschen, die genesen oder geimpft sind, müssen laut dem Experten damit rechnen, dass sie sich erneut anstecken werden. Denn: Bislang spreche alles dafür, „dass es eine weitere Infektionswelle geben wird. Wenn wir Glück haben, kommt diese Welle erst im Herbst. Wenn wir Pech haben, kommt sie schon im Sommer“, so Nagel deutlich. Dabei rechne der Pandemie-Modellierer mit einem ähnlichen Verlauf wie bei der Omikron-Welle. Das bedeutet: Viele Infizierte, die sich isolieren müssen und damit auch eine hohe Zahl an Krankschreibungen.

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Doch wovon hängt der Zeitpunkt der nächsten Corona-Welle ab? Entscheidend dabei sei der Zeitpunkt, wann sich eine neue Virusvariante in der Gesellschaft durchsetze. Mit den beiden Varianten BA.4 und BA.5 wurden bereits zwei Varianten in Deutschland nachgewiesen, die sich besonders schnell verbreiten. Die gute Nachricht ist jedoch: „Ihre Anteile wachsen nicht sehr stark an; bisher machen BA.4 und BA.5 weniger als zwei Prozent der positiven Corona-Proben aus“, so Nagel. Doch der Experte warnt: „Dies kann in zwei Wochen schon anders aussehen.“

Pandemie-Modellierer Kai Nagel: Drei Szenarien für den kommenden Herbst

Für den kommenden Herbst hat der Pandemie-Modellierer Kai Nagel drei mögliche Szenarien modelliert:

  • Szenario Nummer eins: Es bleibt bei Omikron oder es tritt eine sehr ähnliche Variante auf
  • Szenario Nummer zwei: Es taucht eine immunflüchtige Variante auf, die genauso krankmachend ist wie Omikron.
  • Szenario Nummer drei: Eine immunflüchtige Virusvariante mit höherer Krankheitsschwere als Omikron tritt auf

Beim ersten Szenario würde die derzeit vorhandene Immunität weitgehend wirksam bleiben. Das bedeutet: „Damit würden wir tatsächlich erst im Herbst oder Winter eine erneute Infektionswelle sehen, die ähnlich wäre wie die in diesem Frühjahr“, so Nagel.

Bei Szenario Nummer zwei würde es laut dem Experten nochmals mehr coronabedingte Krankschreibungen geben als während der Omikron-Welle. Gleichzeitig würde die Belastung der Krankenhäuser, insbesondere der Intensivstationen, aber beherrschbar bleiben. Sollte es zu Szenario drei kommen, „könnten höhere Inzidenzen als bei Omikron und eine deutlich höhere Belastung der Intensivstationen zusammenfallen“. Sogar eine Überlastung des Gesundheitssystems wäre dann nicht ausgeschlossen, warnt der 56-Jährige.

Pandemie-Experte warnt: „Sollten nicht die Augen verschließen“

Dennoch gibt der Kölner Pandemie-Experte Entwarnung: Das dritte Szenario sei nicht das wahrscheinlichste, „weil da gleich zwei zufällige Entwicklungen – Übertragbarkeit und Krankheitsschwere – in die für uns ‚falsche‘ Richtung fallen müssten.“ Dennoch müsse sich die Gesellschaft darauf vorbereiten.

Abschließend stellt der Experte fest: „Ohne die bisher aufgebaute Bevölkerungsimmunität sähe die Lage viel schlechter aus.“ Dennoch appelliert er an die Bürgerinnen und Bürger. „Wir sollten nicht die Augen verschließen und glauben: Jetzt ist alles vorbei, es ist das dritte Jahr mit Corona, es braucht keine Gegenmaßnahmen mehr.“ (mn)

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