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Gesundheits-DogsOrtstermin bei Hunden, die Lungenkrebs erschnuppern

Ein Belgischer Schäferhund schnüffelt an Masken, die auf Hockern liegen.

Copyright: Laura Schmidl

Malinois-Hündin „Chica“ ist noch in der Ausbildung zur Krebsspürnase, bringt aber alles mit, was Hund dafür braucht. Etwa ein Jahr dauert die Ausbildung. 

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Faszinierende Spürnasen: Vierbeiner können Leben retten! EXPRESS-Besuch bei den Hunden, die Lungenkrebs erschnüffeln können.

Labrador „Loki“ wedelt aufgeregt mit der Rute. Er ist ungeduldig. Als Herrchen Alex die Tür zum Trainingszelt öffnet, düst er los. Seine Krallen klackern stakkato über den Holzboden. Alex stülpt ihm noch das Arbeitsgeschirr über, dann geht die Schnüffelarbeit los: „Loki“ steckt seine Nase hintereinander in 20 Masken, die in kleinen Aufbauten in einer Reihe vor ihm stehen. Pro Maske nicht mal eine Sekunde lang. Dann bleibt er plötzlich sitzen und schaut sein Herrchen erwartungsfroh an – das jubelt, und „Loki“ springt vor Freude mit allen vier Pfoten in die Höhe. Der Rüde hat soeben Lungenkrebs erschnüffelt.

Der viereinhalb Jahre alte „Loki“ ist Teil des Teams von „Dogscan“, mit ihm fing alles an. Das Unternehmen bildet Hunde zu Lungenkrebsspürhunden aus. Lungenkrebs ist die weltweit tödlichste Krebsart. Symptome treten meist spät auf, wodurch der Krebs oft erst in fortgeschrittenem Stadium entdeckt wird. So war es auch bei Alexander Maßens Vater. „Ich weiß noch, wie das war; zur Corona-Zeit, er musste allein ins Krankenhaus. Später habe ich die Nachricht bekommen. Lungenkrebs, Endstadium.“ Heilungschancen: Gleich null. Zu der Zeit trainierte Maßen mit „Loki“ schon bei seinem heutigen Geschäftspartner Florian Wienen.

Der „Schnüffel-Test“ für jedermann – eine wertvolle Ergänzung

Erstmal nur zur Grunderziehung und zur Welpenspielstunde in dessen Hundeschule. Wienen war da bereits Ausbilder für Diensthundeführer und Drogen- und Sprengstoffspürhunde der Polizei und Bundeswehr. „Wir hatten schnell einen guten Draht zueinander und haben darüber gesprochen, warum Lungenkrebs so oft erst im Endstadium entdeckt wird“, sagt Maßen. Bei Recherchen stießen Maßen und Wienen dann auf Machbarkeitsstudien, die zeigen: Hunde können Krebs riechen. „Hunde haben 300 Millionen Riechzellen, Menschen nur fünf Millionen. Hunde nutzen zehn Prozent ihrer Kopfleistung für die Nase, Menschen ein Prozent“, sagt Maßen. Maßens Vater starb am Krebs, wie 45.000 andere Menschen in Deutschland pro Jahr.

Für 112 Euro (Maßen: „Der Betrag hat wegen der 1-1-2 auch einen Symbolcharakter“) kann sich jeder ein Testkit nach Hause bestellen (das können auch Apotheken für einen tun – einfach nachfragen). Darin ist eine Maske, in die man für fünf Minuten hineinatmen soll. Dann wird die Maske eingeschickt und der Hund schnüffelt eine Reihe mit der Probe und zusätzlich „Verleitungsmasken“ (also solche ohne Lungenkrebs-Spuren) ab. Riecht der Hund Spuren, setzt er sich vor der entsprechenden Maske hin. Für ein verdächtiges Ergebnis müssen drei von fünf verschiedenen Hunde anzeigen, sonst gilt der Test als uneindeutig. Das nennt Dogscan „Cancer Detective Dog Collective“. „Bei einem verdachtspositiven Ergebnis – wir geben keine Diagnose, das können nur Ärzte – ruft unser Arzt den Kunden an, der den Befund erklärt, und was die nächsten Schritte sind“, so Maßen. Dogscan kooperiert u. a. mit der Charité Berlin.

Wichtig: „Wenn jemand bereits in Behandlung ist, sind wir raus. Wir hebeln keine Diagnosen aus oder stellen Zweitmeinungen.“ 52 bis dato unwissende Menschen konnten bislang von ihrer Lungenkrebserkrankung erfahren – und zwar vermutlich deutlich früher, als es sonst geschehen wäre. „Wir bekommen eine Stadienverschiebung hin. Der Großteil dieser 52 Leute hatte Lungenkrebs im Stadium Eins und Zwei.“ Im frühen Stadium ist Lungenkrebs gut heilbar. Womöglich haben „Loki“ und seine felligen Kollegen diesen Menschen das Leben gerettet. Für die Hunde ist diese Arbeit ein Spiel. Neun Vierbeiner „arbeiten“ bei Dogscan, sechs Profis und drei noch in Ausbildung. Geeignet seien grundsätzlich alle langschnauzigen Rassen, so Maßen. Besonders gut machen sich Schäferhunde wie Azubine „Chica“, Labradore wie „Loki“ (s. Bildergalerie oben) und Golden Retriever.

Dass Hunde Krebs erschnüffeln können, ist grundsätzlich durch Studien belegt. Sagt auch Lungen-Facharzt Heinz-Wilhelm „Doc“ Esser. „Hunde können flüchtige organische Verbindungen in der Atemluft wahrnehmen, die mit Tumorerkrankungen zusammenhängen könnten“, sagt er. Diese „VOC“ (Volatile Organic Compounds) genannten Verbindungen sind bei Lungenkrebs verändert. Die Ergebnisse von Studien mit trainierten Spürhunden schwanken allerdings, sagt Esser. Dogscan nennt für die Leistungsprüfung einzelner Hunde Mindestwerte von 90 Prozent Sensitivität („Wie viele tatsächlich Erkrankte werden erkannt?“) und 99,13 Prozent Spezifität („Wie viele Gesunde werden korrekt als unauffällig eingestuft?“).

Wie beurteilt Lungenexperte „Doc Esser“ das Verfahren?

Dadurch, dass immer fünf Hunde eine Probe erschnüffeln, ergebe sich eine Gesamtleistung von 99 Prozent. Esser gibt aber zu bedenken: „Alle Hunde riechen dieselbe Probe, die gleich entnommen, gelagert, transportiert und präsentiert wurde. Störfaktoren wie Medikamente, Ernährung, Infekte, Erkrnkungen wie COPD, Rauchen, Probenalter oder Materialgeruch könnten daher mehrere Hunde gleichzeitig beeinflussen.“ In der Studie, die Dogscan mit ihren Hunden durchgeführt hat, spielten auch das Wetter, Hundeführer und Prüfer eine Rolle und beeinflussten die Leistung der Tiere. Das Fazit des Pneumologen: „Spannend, potenziell nützlich, aber noch nicht ausreichend bewiesen, um medizinische Standardverfahren zu ersetzen“.

Esser sieht die Spürnasen als Ergänzung für andere Vorsorge- und Diagnosemaßnahmen wie das Low-Dose-CT, das seit April starken Rauchern einmal jährlich als Kassenleistung zur Verfügung steht. Sieht Alexander Maßen ähnlich. „Wir sind keine Konkurrenz dazu“, betont er. Dogscan sei vor allem für diejenigen, die nicht den Kriterien für das Low-Dose-CT entsprechen. Teilnahmeberechtigt sind:

  1. aktive oder ehemalige Raucher zwischen 50 und 75 Jahren, die mindestens 25 Jahre geraucht haben, mindestens 15 Packungsjahre (jeden Tag eine Packung geraucht) erreichen und höchstens vor zehn Jahren aufgehört haben.

Andere Schadstoff-Expositionen (z. B. Feinstaub, Asbest, Radon) können aber ebenfalls zu Lungenkrebs führen. „Es sind immerhin 20 Prozent der Erkrankten Nichtraucher“, so Maßen. Für die könnten die Hunde zum Lebensretter werden. Perspektivisch möchten Maßen und seine zweibeinigen Kollegen weitere Hunde auf andere Krebsarten trainieren, z. B. Bauchspeicheldrüsenkrebs und solche Krebsarten, die den Kopf betreffen. Dafür sei man bereits in Gesprächen mit einer Klinik in Bochum und der Uniklinik Mannheim.

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