Flucht aus WM-Land Homosexueller Katarer gefährdet – „Ich habe Todesdrohungen erhalten“

Eine Regenbogenflagge weht im Juli 2022 zum Start des CSD-Wochenendes in Köln.

In Katar ist Homosexualität verboen. Deshalb hat Nasser Mohamed als homosexueller Mann seine Heimat verlassen und kämpft für die verfolgte queer-community.

Strafen, Diskriminierungen und öffentliche Ächtung prägen das Leben queerer Personen in Katar. Nasser Mohamed hat als homosexueller Mann seine Heimat deshalb verlassen. Doch sicher fühlt er sich dadurch noch immer nicht.

Todesdrohungen, Peitschenhiebe oder sogar Gefängnis – als homosexueller Mann könnte sich Nasser Mohamed in seinem Heimatland Katar nicht mehr öffentlich zeigen. Denn queere Menschen leben dort gefährlich.

In Katar ist Homosexualität verboten. Wer andere zu einer homosexuellen Beziehung „anstiftet“ oder gleichgeschlechtlichen Sex hat, kann mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft werden. Der Grund, weshalb Nasser Mohamed nicht mehr in seiner Heimat lebt. „Ich würde dann sofort im Gefängnis landen und dort lange bleiben“, sagte er in einem RTL/ntv-Interview. Doch die möglichen Strafen sind noch nicht alles, was den Katarer aktuell Angst bereitet.

Nasser Mohamed ist verängstigt: „Ich mache mir Sorgen“

„Seit dem Beginn der WM habe ich konkrete Todesdrohungen erhalten“, erklärte Nasser Mohamed im Interview weiter. Mohamed berichtete von gezielten Anfeindungen, die sein Leben bedrohen. „Ich mache mir Sorgen, dass ich nach der WM, wenn dem ganzen Thema die letzte Aufmerksamkeit geschenkt wird, noch mehr gefährdet sein könnte“, erklärte er weiter. 

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Nasser Mohamed ist der erste Homosexuelle aus Katar, der sich zu seiner Sexualität öffentlich bekennt. Mittlerweile ist er 35 und arbeitet als Arzt in San Francisco. Bereits vor elf Jahren flüchtete Nasser Mohamed in die USA, wo er politisches Asyl erhielt. Inzwischen hat er auch die amerikanische Staatsbürgerschaft. Doch durch die Todesdrohungen fühlt sich der 35-Jährige selbst aus der Ferne noch nicht zu 100 Prozent wohl.

Seit dem zweiten Spieltag der WM dürfen die Fans auf den Tribünen der WM-Stadien zwar ihre Regenbogenfarben zeigen. Allerdings haben diese Regelungen laut Nasser Mohamed „keinerlei Auswirkung auf die lokale LGBT-Gemeinschaft. Im Gegenteil: Es isoliert uns sogar noch mehr.“


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In einem Interview mit dem Aktivisten und Filmemacher Fabian Grischka, der das Gespräch t-online zur Verfügung stellte, erklärte Nasser Mohamed, dass sich das Leben queerer Menschen wegen extremer Verfolgung eher im Untergrund abspielt. „Es gibt sogar Sexpartys, aber die sind alle ziemlich klein“, berichtete er im Gespräch. 

Offizielle LGBTQ+-freundliche Bars oder Clubs gibt es nicht. Dort bestehe immer die Gefahr, dass sich Polizisten versteckt in die Community einschleusen, um queere Personen dadurch verhaften zu können. Nicht zuletzt kam es bereits vor, dass inhaftierte queere Personen in Polizeigewahrsam sexuell belästigt wurden.

Katar versucht mit allen Mitteln, die Sexualität queerer Personen zu unterdrücken. „Es gibt keine Beratungsstellen, keine Möglichkeit, sich medizinisch behandeln oder auf Geschlechtskrankheiten untersuchen zu lassen“, erklärte der gebürtige Katari weiter. Laut Nasser Mohamed gäbe es einzig und allein Konversionstherapien, die angeboten werden, um sich dort beraten zu lassen. Dabei handelt es sich um eine Therapie, die sexuelle Orientierung und die Geschlechtsidentität eines Menschen verändern soll. In Deutschland ist diese Form von Therapie seit 2020 verboten.

Nasser Mohamed möchte queeren Menschen in arabischen Ländern eine Stimme geben

Gemeinsam mit dem Aktivisten und Filmemacher Fabian Grischka möchte Nasser Mohamed auf die Lage queerer Menschen in Katar und anderen arabischen Ländern aufmerksam machen. Strafen, Diskriminierungen und öffentliche Ächtung prägen deren Leben. Daher möchten die beiden alles dafür tun, ihnen eine Stimme zu geben. 

Als Reaktion gründete Nasser Mohamed die Alwan Foundation. Sie dokumentiert Berichte von queeren Menschen in Katar und anderen Golfstaaten. Dabei wird vor allem deren Verfolgung thematisiert. Diese finanziert sich hauptsächlich über Spenden, sodass ihm die Aufmerksamkeit auf die Alwan Foundation besonders wichtig ist.

Dass die WM womöglich positive Auswirkungen auf die Rechtslage in Sachen queere Community hat, bezweifelt Nasser Mohamed. „Die homophobe autoritäre Diktatur in Katar denkt nicht, dass unsere LGBT-Rechte Menschenrechte sind. Sie lassen sich provozieren und warten nur darauf, bis die WM vorbei ist, um sich auf uns zu stürzen und genau das macht mir Sorgen.“ (js)

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