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Feuerwalze außer Kontrolle Menschen kämpfen mit Kettensägen gegen Flammen

Feuerwehrleute bekämpfen am 05.08.2021 einen Waldbrand in einem Waldgebiet nördlich von Athen.

Feuerwehrleute bekämpfen einen Brand in einem Waldgebiet nördlich von Athen. Der Feuerwehr gelang es bis zum frühen Abend nicht, das Feuer unter Kontrolle zu bringen.

Die Waldbrände in Griechenland und der Türkei sind außer Kontrolle. Experten warnen: Der Höhepunkt des Infernos ist noch nicht erreicht.

Athen/Istanbul. Die verheerenden Waldbrände in Teilen Griechenlands und der Türkei sind außer Kontrolle. Unaufhaltsam bahnen sich die Flammen ihren Weg. Fachleute warnen, dass die Waldbrände im hitzegeplagten Süden ihren Höhepunkt noch nicht erreicht haben.

Wie zum Beweis eskaliert nördlich von Athen der nächste Brand - eine gewaltige Feuerwalze, der die Einsatzkräfte kaum mehr was entgegen zu setzen haben. Fernsehbilder zeigten eine kilometerlange Wand aus haushohen Flammen und Rauch. Löschflugzeuge und -hubschrauber waren im Einsatz, mussten jedoch bei einbrechender Dunkelheit die Arbeit einstellen.

Griechenland: Strom in Athen vorsorglich unterbrochen, Autobahn gesperrt

Die Elektrizitätsgesellschaft schaltete vorsorglich einen großen Verteiler in der Region ab. Das Unternehmen kündigte an, in Athen am Donnerstagabend örtlich den Strom zu unterbrechen, um die Versorgung insgesamt aufrecht erhalten zu können.

In Griechenland entfachten binnen 24 Stunden 92 Waldbrände über das ganze Land verteilt. Demnach brechen in der östlichen Mittelmeerregion pro Stunde gut drei neue Brände aus, oft in abgelegenen Regionen, immer wieder aber auch in der Nähe von Siedlungen und Menschen, die Hals über Kopf vor den Flammen fliehen müssen.

Nördlich von Athen wurde am Donnerstagabend die Autobahn zwischen der Hauptstadt und Thessaloniki gesperrt; kurze Zeit später sprangen die Flammen auf die andere Seite der Fahrbahnen über. Die Ortschaft Krioneri wurde evakuiert, ebenso ein Flüchtlingslager.

Auch auf der zweitgrößten griechischen Insel Euböa, die stark bewaldet ist, gab es etliche neue Brandherde. Kirchenglocken läuteten Alarm, Anwohner flohen oder versuchten, mit Traktoren und Kettensägen Schneisen zu schaffen, damit die Flammen sich nicht weiter fortbewegen können.

Griechisches Militär soll helfen

Der griechische Premier Kyriakos Mitsotakis kündigte an, verstärkt Militär einzusetzen. Die Soldaten sollen die Lage aus der Luft mit Drohnen verfolgen und neue Brandherde zeitig entdecken. Zudem sollen sie die Feuerwehr mit Baggern und anderem schweren Gerät unterstützen und mit Tankwagen Wasser zu den Brandherden transportieren.

Nicht nur in Griechenland, auch in der Türkei sind weiterhin große Brände außer Kontrolle. Verzweifelt kämpfen Feuerwehrleute, Rettungskräfte, Militär und freiwillige Helfer gegen die Brände. Das türkische Forstamt meldete am Donnerstag 180 Brände, von denen 12 noch nicht unter Kontrolle seien.

Brände wüten in türkischen Touristenregionen, mindestens 8 Tote

In der Türkei wüteten die Brände in den Touristenregionen am Mittelmeer weiter. Seit Tagen bekommen die Rettungskräfte Großbrände in den Provinzen Antalya und Mugla nicht unter Kontrolle. Allein in Mugla wurden knapp 12.000 Häuser und mehr als 36.000 Menschen evakuiert, wie Sprecher lokaler Behörden sagten. 2000 Häuser wurden offiziellen Angaben zufolge bisher beschädigt, mindestens acht Menschen kamen ums Leben. Touristen wurden teilweise auf dem Wasserweg aus Ferienorten geholt.

Ein Hund läuft am 05.08.2021 durch das Wasser am Strand von Oren (Türkei), kurz nachdem die Menschen mit Booten evakuiert wurden.

Ein Hund läuft durch das Wasser am Strand von Oren (Türkei), kurz nachdem die Menschen mit Booten evakuiert wurden.

Derweil ermittelt die Generalstaatsanwaltschaft wegen einer Kampagne in sozialen Medien. Unter dem Hashtag #HelpTurkey hatten User im Kampf gegen das Feuer um internationale Hilfe gebeten. Seit Beginn der Brände vergangene Woche wird immer wieder Kritik an der Ausstattung der Einsatzkräfte laut. Ermittelt werde nun unter anderem wegen „Erzeugung von Sorge, Angst und Panik“ in der Bevölkerung und Anstiftung des Volkes zu Hass und Feindschaft, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu.

Feuer wüten auf Sardinien und Sizilien

In Italien kämpften die Einsatzkräfte ebenfalls weiter gegen die Flammen. Unter anderem Sizilien und Kalabrien waren betroffen. Löschflugzeuge seien in den Provinzen Messina und Palermo im Einsatz, teilte die Feuerwehr auf Twitter mit. Rund 70 Prozent der Feuer seien auf Fehlverhalten von Menschen zurückzuführen, sagte Umweltminister Roberto Cingolani. Hinzu kämen die Folgen des Klimawandels.

In Bulgarien wurde am Donnerstag die zweithöchste Alarmstufe für 24 der 28 Regionen ausgerufen - auch in der Hauptstadt Sofia mit rund 1,5 Millionen Einwohnern. Die beiden Großbrände im Süden des Balkanlandes konnten zunächst unter Kontrolle gebracht werden, wie bulgarische Medien berichteten. Allerdings kamen dabei zwei Forstarbeiter ums Leben, ein weiterer erlitt schwere Verbrennungen. (dpa)

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