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Fast aus Jet gerissenRyanair-Passagier spricht über Horror-Flug: „Geräusch ist immer da“

Ein Passagierjet der Fluggesellschaft Ryanair. (Archivbild)

Copyright: Georg Wendt/dpa

Ein Passagierjet der Fluggesellschaft Ryanair. (Archivbild)

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Horror-Flug bei Ryanair: Ein Mann wurde fast aus dem Jet gesaugt. Jetzt schildert er die dramatischen Minuten.

Ein ohrenbetäubender Knall, dann blankes Entsetzen in der Kabine. Ein Mann wird auf einem Flug von Ryanair beinahe aus dem Fenster gerissen. Nun bricht er sein Schweigen über die Minuten des Schreckens.

Es sind Bilder, die an einen Actionfilm erinnern und bei vielen Menschen die Angst vor dem Fliegen verstärken. Zu Beginn des Monats Juli ereignete sich auf einem Flug der Airline Ryanair nach Deutschland eine laute Detonation. Daraufhin zersplitterte ein Fenster, was zu einem Beinahe-Unglück führte: Ein Fluggast wurde fast aus dem Jet geschleudert.

„Die Explosion ist das, woran ich mich erinnere“

Eine Zeugin des Vorfalls schilderte dem griechischen Sender ERT: „Sein Kopf und seine Schultern ragten aus dem zerbrochenen Fenster heraus“. Nur durch das Eingreifen anderer Reisender konnte der Mann wieder ins Innere gezogen werden. Aufnahmen in den sozialen Medien dokumentierten, wie die Notfall-Sauerstoffmasken aus der Deckenverkleidung fielen.

Der Pilot brach den Flug in Richtung Memmingen sofort ab und kehrte zum Startflughafen Thessaloniki um, wie eine Mitreisende mitteilte. Der Rückflug nach diesem Zwischenfall dauerte ungefähr 20 Minuten.

Der betroffene Fluggast, der direkt am kaputten Fenster saß, wurde nach der Landung von Sanitätern versorgt und in eine Klinik in Thessaloniki gebracht, so der griechische Rundfunk.

Jetzt hat der Mann, der dem Tod nur knapp entkam, zum ersten Mal über das schreckliche Erlebnis gesprochen. Der serbische Geschäftsmann Ljubisa Karovic offenbarte gegenüber dem britischen „Guardian“ Details zur lebensgefährlichen Lage im Flugzeug: „Die Explosion ist das, woran ich mich erinnere“. Er fügte hinzu: „Es ist das Geräusch vor dem Chaos, das Geräusch, das immer da ist, wenn ich meine Augen zum Schlafen schließe.“

Ryanair-Drama: War der Gurt seine Rettung?

Karovic hat laut eigener Aussage nur bruchstückhafte Erinnerungen an das Ereignis, das ihn beinahe sein Leben gekostet hätte. „Ich erinnere mich nicht an viel und mein Kopf und mein Hals schmerzen immer noch, aber ich lebe noch“, teilte der Serbe der Zeitung aus Großbritannien mit.

Dass er überlebt hat, könnte an einem wichtigen Detail gelegen haben: „könnte der Sicherheitsgurt gewesen sein“, so der Mann, der bei dem Drama Verbrennungen und Quetschungen davontrug. „Aber vielleicht ist es Schicksal. Ich glaube an Gott und danke ihm jeden Tag.“

„Er blickte dem Tod, dieser anderen Welt, ins Auge und kehrte zurück“

Vasilis Tsiaras, der Anwalt von Karovic, schildert den zweifachen Familienvater als eine Person, die „nur durch einen Zufall noch am Leben ist“. Sein Klient habe sich „immer wieder zwischen Leben und Tod“ befunden, so der Jurist mit bewegenden Worten.

„Als die Kabine an Druck verlor, wurde er von der Brust aufwärts aus dem Fenster geschleudert und verlor sofort das Bewusstsein. Er war in diesem Flugzeug auf dem Weg nach Deutschland, um den Geburtstag seines Bruders zu feiern“, berichtet Tsiaras. „Stattdessen hing er in 15.000 Fuß Höhe mit dem Kopf und dem rechten Arm aus dem Flugzeug, während es mit mehr als 600 km/h unterwegs war. Stellen Sie sich das einmal vor! Er blickte dem Tod, dieser anderen Welt, ins Auge und kehrte zurück.“

Mitreisende als Helden – schwere Anschuldigungen gegen die Crew

Die Ehefrau von Karovic erzählt währenddessen von der heldenhaften Hilfe einiger Fluggäste, die ihrem Mann das Leben retteten. „Keiner vom Kabinenpersonal hat geholfen. Es waren die Passagiere“, sagte sie im Interview mit der britischen Publikation.

„Ein Mann, ich glaube, er war ein Albaner, war unglaublich. Er tat alles, was er konnte, um ihn hereinzubringen, und versuchte dann, das Fenster zu blockieren, zuerst mit einer Tasche, die sofort herausgesaugt wurde, und dann mit einem Koffer, der funktionierte. Wir sind ihm ewig dankbar.“

Svetlana Karovics erinnert sich, dass ihr Gatte für etwa zweieinhalb Minuten „halb im und halb außerhalb des Flugzeugs“ hing. Ihr Mann fügt hinzu: „Sie sagen mir, dass ich zweimal und wieder im Flugzeug ohnmächtig wurde und dass mein Gesicht wegen des Drucks kurz geschwollen und deformiert war“.

„Zu keinem Zeitpunkt bot die Kabinenbesatzung an, zu helfen“

Die Tatsache, dass Ryanair die Leistung der Crew nach dem Ereignis lobte und von einer „phänomenalen“ Arbeit der Angestellten sprach, sorgt bei dem Serben und seinem Rechtsbeistand für Unmut. „Zu keinem Zeitpunkt bot die Kabinenbesatzung an, zu helfen“, so die Aussage von Anwalt Tsiaras. Diese Anschuldigung wird von Ryanair jedoch zurückgewiesen.

Die Fluggesellschaft erklärte gegenüber dem „Guardian“: „Nachdem das Flugzeug in eine sichere Höhe abgestiegen war, kümmerte sich unsere Kabinenbesatzung um Herrn Karović, half, ihn auf alternative Plätze (neben seiner Frau) zu bringen, und arrangierte, dass ein Arzt an Bord mit ihnen saß.“ Das Personal habe zudem sichergestellt, „dass medizinische Hilfe bei der Landung in Thessaloniki bereitsteht“.

War ein Defekt an der Turbine der Grund für das Fenster-Drama?

Rechtsanwalt Tsiaras zeichnet, basierend auf Aussagen von Zeugen, ein anderes Bild der Situation im Flugzeug. „Alle waren sich einig, dass die Besatzung unter Schock stand und befürchtete, das Flugzeug würde gleich abstürzen. Es waren die anderen Passagiere, die sich zusammengetan und Ljubisa Wasser gegeben haben“, erklärt er.

Ein von der Familie Karovic engagierter Sachverständiger geht davon aus, dass sich ein Teil von einer Turbine löste. Dieses Wrackteil habe dann die Scheibe getroffen und zum Bruch gebracht. Der abrupte Druckabfall habe eine immense Sogkraft erzeugt, die den Fluggast mit dem Rumpf teilweise aus der Maschine riss. Laut griechischen Medienberichten wird der Jet nun vom griechischen Verkehrssicherheitsausschuss und dem Experten der Familie untersucht.

Schon vorher äußerte der Luftfahrt-Spezialist und Pilot Grigoris Konstantelos beim griechischen Sender ERT eine vergleichbare Theorie. Seiner Einschätzung nach hatten die Fluggäste enormes Glück im Unglück: In einer höheren Flugposition hätte der stärkere Druckabfall einen wesentlich dramatischeren, vielleicht sogar explosiven Dekompressions-Vorfall auslösen können.

Auch Ryanair hat sich mittlerweile zu dem Fensterbruch geäußert: Der schwere Zwischenfall an Bord der Boeing des Billigfliegers am 10. Juli wurde womöglich durch einen Fremdkörper verursacht. Dies habe eine erste Untersuchung ergeben, sagte Ryanair-Chef Michael O'Leary am Montag (20. Juli) bei der Vorlage der Quartalszahlen, einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge. (red)

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