Forscher suchen nach Spuren der Geschichte im Erdreich – und finden Leichenteile eines Menschheitsverbrechens. Das liefert nicht nur neue Erkenntnisse, sondern stellt auch die Erinnerungskultur vor eine Aufgabe.
„Letzter und unbestechlicher Zeuge“Forscher machen unerwarteten Fund im einstigen KZ

Copyright: IMAGO/IPA Photo
Blick auf die KZ-Gedenkstätte in Dachau (Archivbild): Forscher suchen dort weiter nach Spuren der Geschichte im Erdreich.
Archäologen sind bei Grabungen im ehemaligen Konzentrationslager Dachau an mehreren Stellen auf eine Schicht von mit Schlacken und Knochenfragmenten versetzter Asche gestoßen.
„Es ist davon auszugehen, dass es sich dabei um menschliche Überreste aus den Öfen des Krematoriums handelt“, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der KZ-Gedenkstätte und des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege vom Montag.
35 Hundezwinger der SS freigelegt
Gedenkstättenleiterin Gabriele Hammermann sprach von unerwarteten Funden, die einen behutsamen Umgang erforderten. Dazu sei man bereits im Austausch mit den Erinnerungsgemeinschaften.
Dabei gehe es auch um die Frage, wie das Areal als Erinnerungsort erschlossen und der Opfer dort gedacht werden könne. Die Gedenkstätte soll in Teilen neu gestaltet werden.
Neben dem ehemaligen Krematoriumsbereich des KZs legten die Archäologen der Mitteilung zufolge viele gut erhaltene Relikte des früheren Hundeführer-Bereichs der SS frei, darunter mindestens 35 Hundezwinger der Wachmannschaften. Die Hunde seien bei den KZ-Häftlingen gefürchtet gewesen, sagte Hammermann. Krematorium und Hundeführerbereich hätten als Orte des Terrors „eine enge funktionale Einheit“ gebildet.
Generalkonservator Mathias Pfeil betonte die Notwendigkeit zeitgeschichtlicher Grabungen: „Je leiser die Zeitzeugen werden, desto wichtiger wird die Rolle der Archäologie, um die Schauplätze von Zwang und Vernichtung des NS-Regimes zu erschließen und den richtigen Umgang damit zu ermöglichen.“ Die Auswertung von Bildern und Texten liefere keine vollständigen Ergebnisse. „Der Boden wird damit zum letzten und unbestechlichen Zeugen der NS-Verbrechen.“ (kna)

