„Realistischer, bedrohlicher“ Mediziner für „impfkorrigierte Sieben-Tage-Inzidenz“, sie zeigt gefährliche Werte

Eine Intensivpflegerin versorgt Ende April auf der Intensivstation in Braunschweig einen an Covid-19 erkrankten Patienten. Die Diskussion um neue Richtwerte neben einer Sieben-Tage-Inzidenz ist in vollem Gange.

Eine Intensivpflegerin versorgt Ende April auf der Intensivstation in Braunschweig einen an Covid-19 erkrankten Patienten. Die Diskussion um neue Richtwerte neben einer Sieben-Tage-Inzidenz ist in vollem Gange.

Die Sieben-Tage-Inzidenz soll nicht mehr alleiniger Maßstab für die Beurteilung der Pandemie-Lage sein. Doch wie könnten neue Richtwerte aussehen? Eine Idee: eine „impfkorrigierte Sieben-Tage-Inzidenz“. Sie könnte realistischer, aber auch bedrohlicher sein. 

Ludwigshafen. In der Diskussion um eine neue Formel für Corona-Auflagen hat sich der Leiter des Covid-19-Registers in Rheinland-Pfalz für eine „impfkorrigierte Sieben-Tage-Inzidenz“ ausgesprochen. „Die Beschreibung der Infektionslage durch die Parameter der Sieben-Tage-Inzidenz ist heute anders zu bewerten als vor einem Jahr, als keinerlei Anteile der Bevölkerung einen Impfschutz hatten“, sagte Anselm Gitt vom Institut für Herzinfarktforschung Ludwigshafen der Deutschen Presse-Agentur.

Das Festhalten an der Inzidenz unterschätze die aktuelle gefährliche Corona-Infektionslage, warnte Gitt. „Diese Zahlen beziehen sich seit Beginn der Pandemie auf die gesamte Bevölkerung und lassen völlig außer Acht, dass sich mittlerweile die Hälfte hat impfen lassen.“

„Impfkorrigierte Sieben-Tage-Inzidenz“: NRW liegt bei 277

Korrigiere man dies, erhalte man ein realistisches, allerdings auch bedrohliches Bild. „Im Mittel wäre die Sieben-Tage-Inzidenz dann für die gesamte Bundesrepublik um mehr als den Faktor Zwei höher. Die impfkorrigierte Sieben-Tage-Inzidenz liegt derzeit in 11 der 16 Bundesländer weit über 100 und in Nordrhein-Westfalen sogar bei 277.“

Der Vorstand der Stiftung Institut für Herzinfarktforschung Ludwigshafen rief mit Nachdruck zu einer Diskussion darüber auf, ob für die Bewertung der Infektionslage und die daraus resultierenden politischen Entscheidungen diese „impfkorrigierte Inzidenz“ eingesetzt werden sollte. „Diese könnte zusammen mit der Gesamtzahl der Patienten, die wegen einer Corona-Infektion auf Intensivstationen und auf Normalstationen behandelt werden müssen, zu einer deutlich besseren Beurteilung der Pandemie-Entwicklung beitragen“, sagte Gitt.

Suche nach besserer Beurteilung für Pandemie-Entwicklung

„Die derzeitige Diskussion, die bisherige Sieben-Tage-Inzidenz der Neuinfektionen ganz zu verlassen und als Ersatz eine Sieben-Tage-Inzidenz der Hospitalisierungen zu erfassen, erscheint alleine nicht sinnvoll.“ Der Anstieg der stationären Aufnahmen hinke dem Anstieg der Neuinfektionen hinterher. „Bei alleiniger Betrachtung der stationären Aufnahmen würde wichtige Zeit für infektionseindämmende Maßnahmen verloren gehen“, betonte Gitt.

Das auf dem Gelände des Klinikums Ludwigshafen ansässige Institut für Herzinfarktforschung Ludwigshafen führt in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium seit April 2020 das Covid-19-Register Rheinland-Pfalz. Es dokumentiert alle stationär behandelten Patientinnen und Patienten mit Covid-19-Infektion in dem Bundesland. Das Modell der „impfkorrigierte Sieben-Tage-Inzidenz“ hatte Studienleiter Gitt mit dem Mathematiker Alexander Neumer berechnet. (dpa/mg)

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