Die Affäre Block wird immer irrer: Monatelang war ein Spitzel aktiv. Was er herausfand, ist hochexplosiv.
Neue Block-EnthüllungUndercover-Agent im Einsatz – geheime Papiere zeigen die ganze Wahrheit

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Gerhard Delling Christina Block Ingo Bott Paula Wlodarek bei Schnee
Was im Fall der Steakhaus-Erbin Christina Block passiert, ist krasser als jeder Krimi. Obwohl das Verfahren gegen die Unternehmerin, ihren Lebensgefährten Gerhard Delling und andere Beschuldigte schon lief, setzten die Hamburger Ermittler auf harte Bandagen. Ihr Ziel: den Angeklagten unbedingt eine Mitwirkung bei der Kindesentführung zu beweisen. Doch außer den Israelis, die bereits gestanden haben, weist jeder andere Beschuldigte eine Verwicklung in die Affäre von sich.
Nun wird bekannt: Länger als ein halbes Jahr wurde von der Staatsanwaltschaft ein Undercover-Agent in eine Security-Firma platziert, um an Insider-Wissen zu kommen. Der Fokus lag auf der Firma „System 360“, die dem früheren LKA-Beamten Thorsten Mehles und dem Ex-BND-Präsidenten August Hanning gehört. Beide zeigen sich fassungslos über die Operation, welche vom Hamburger Amtsgericht abgesegnet war und zwischen Mai und November 2025 stattfand. Das berichtet „FOCUS online“.
Security-Firma unter massivem Verdacht: Worum es geht
Die Ermittler haben die Firma aus gutem Grund auf dem Kieker. Gegen Hanning und Mehles wird wegen vier potenzieller Delikte im Zeitraum von 2022 bis 2024 ermittelt. Die Vorwürfe lauten: Absprache zur Kindesentführung gegen Bezahlung, gewaltsames Kidnapping der Kinder, Misshandlung sowie Freiheitsentzug. Der Verdacht gründet auf einer eventuellen Beteiligung von „System 360“ an einem missglückten Kidnapping-Versuch im November 2022 sowie an der tatsächlichen Tat in der Neujahrsnacht 2023/24.
Obendrein gibt es Anschuldigungen wegen gefälschten Materials mit kinderpornografischem Inhalt, die sich gegen Blocks Ex-Partner Stephan Hensel und seinen Rechtsbeistand richten. Hensel behielt die zwei Kinder nach einem Besuchstermin im August 2021 widerrechtlich in Dänemark und beschuldigte die Mutter, gewalttätig zu sein. Weil der Undercover-Agent Mehles und weitere Kollegen von gemeinsamen LKA-Tagen kannte, erhielt er eine hohe Stellung in der Firma und bekam so rasch Zugang zu internen Abläufen.
Hohe Summen und die Angst im Nacken
Die Aufzeichnungen des Agenten sind hochexplosiv. Demnach machten Mehles und sein Team häufig einen angespannten Eindruck und verfolgten den Block-Prozess, der parallel im Juli 2025 begann, mit größter Aufmerksamkeit. Angeblich schickte Mehles sogar Personal ins Gericht, um auf der Zuschauerbank Platz zu nehmen. Zwar brachte die Aktion keine stichhaltigen Beweise für eine Beteiligung, jedoch redeten die Verdächtigen den Aufzeichnungen zufolge überraschend frei über ihre Ängste.
Anscheinend hat die Firma der Familie Block von Oktober 2022 bis Februar 2023 beratend geholfen, damit sie mit den Kindern in Dänemark in Verbindung treten konnte. Eine Summe von beinahe 160.000 Euro soll dafür gezahlt worden sein. Laut den Unterlagen gab Mehles gegenüber dem Agenten auch zu, dass er die dänische Agentur „Eagle Shark“ für die Observation von Hensel engagiert hatte. Eine Beteiligung an der Kindesentführung wies er im Gespräch mit Angestellten jedoch energisch von sich.
Wahnsinns-Plan mit Speedboot und die Rolle der Politik
Mehles und Hanning wiesen ebenfalls zurück, in die fingierten Pädophilie-Anschuldigungen involviert zu sein. Pikant daran: Angestellte spekulierten angeblich, dass einzig Hanning als ehemaliger BND-Leiter mit seinen Verbindungen zum Mossad so etwas bewerkstelligen könnte. Hanning soll sich in einem Telefongespräch beklagt haben, dass er das Material von israelischen Kontakten bekommen und es lediglich weitergegeben habe. Mit den Israelis ist vermutlich der Hauptzeuge David Barkay gemeint.
Eine besonders krasse Information aus den Notizen betrifft Gerhard Delling. Angeblich berichtete Mehles, Delling hätte „absurde Vorschläge“ unterbreitet, um die Kinder wiederzubeschaffen. Der Lebensgefährte von Block soll demnach sogar eine Kidnapping-Aktion per Speedboot von Dänemark aus angeregt haben. Da Mehles dies ablehnte, wurde die Zusammenarbeit mit „System 360“ im Februar 2023 angeblich gekündigt. Der Anwalt von Delling dementiert dies scharf und nennt es „Behauptungen vom Hörensagen“.
Die Rechtsbeistände für Hanning und Mehles stufen die Anschuldigungen als „abwegig“ ein und sehen die Spitzel-Aktion als illegal an. Dagegen planen sie rechtliche Schritte. Brisanz birgt zudem eine persönliche Beziehung des Undercover-Agenten zum nahen Kreis von Hamburgs Innensenator Andy Grote. Grote dementiert, Kenntnis von den Untersuchungen gehabt zu haben. Sein Name tauchte jedoch bereits früher auf, als eine Zeugin aussagte, er sei über die Rückholaktion der Kinder informiert gewesen und habe sie als legitim betrachtet. (red)
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