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Christa Pike in der TodeszelleSie behielt ein Stück Schädel als Trophäe – so grausam starb ihr Opfer

Christa Pike im Gefängnis.

Copyright: AFP

Christa Pike lockte 1995 ihre Mitschülerin Colleen Slemmer in eine Falle, quälte und ermordete sie. Ihre Exekution wurde Jahrzehnte danach im letzten Moment ausgesetzt. (Archivbild)

Aus Eifersucht tötete sie ihre Mitschülerin, behielt ein Stück Schädel. Jahrzehnte später wurde ihre Hinrichtung gestoppt.

Eine Tat, die einem das Blut in den Adern gefrieren lässt: Die 19 Jahre alte Colleen Slemmer wurde im Januar 1995 von ihrer Bekannten Christa Pike, die zu diesem Zeitpunkt 18 Jahre alt war, deren Freund TaDaryl Shipp und einer weiteren jungen Frau in ein Waldgebiet in Tennessee gelockt. Was dort geschah, spotte jeder Beschreibung.

Ein Bundesberufungsgericht hat die für den 30. September 2026 angesetzte Exekution von Pike kurzfristig gestoppt – nur etwa 60 Minuten vor der geplanten Vollstreckung, wie das amerikanische Magazin „People“ berichtet. Die heute 50-Jährige wartet seit 1996 auf ihre Hinrichtung.

Tödliche Eifersucht: Das Pentagramm als grausames Zeichen

Am 12. Januar 1995 am Abend wurde Slemmer von Pike und ihren Komplizen mit einer Ausrede auf dem Gelände eines Schulungsprogramms in Knoxville in eine einsame Gegend gelockt. An diesem Ort ließen Pike und Shipp ihrer Gewalt freien Lauf. Informationen der „New York Times“ zufolge soll Shipp der jungen Frau ein Pentagramm in die Haut geschnitten haben.

Der leblose Körper von Colleen Slemmer wurde am darauffolgenden Tag entdeckt. Innerhalb von 36 Stunden konnten die Behörden die drei jungen Leute ergreifen. Die Spur, die zur Festnahme führte, legte Pike höchstpersönlich: Als schaurige Trophäe hatte sie ein Fragment des Opfer-Schädels behalten und einer unbeteiligten Person präsentiert.

Während der Befragungen räumte Pike die Tat ein und rekonstruierte den Ablauf, so berichtete der Fernsehsender WBIR. Die Staatsanwaltschaft nannte Eifersucht als Beweggrund. Pike war der Überzeugung, Slemmer habe Interesse an ihrem Freund Shipp gehabt – dafür existierten jedoch keinerlei Belege.

Ein historisches Urteil: Die jüngste Todeskandidatin der USA

Der Schuldspruch erfolgte im März 1996: Verurteilung wegen Mordes ersten Grades und Verschwörung zum Mord. Damit ging Christa Pike als die jüngste Frau in die US-Geschichte ein, über die das Todesurteil verhängt wurde. Ihr Partner Shipp, zum Tatzeitpunkt minderjährig mit 17 Jahren, kam um die Todesstrafe herum und bekam eine lebenslange Freiheitsstrafe mit Aussicht auf Bewährung. Shadolla Peterson, die dritte im Bunde, erhielt eine Strafe auf Bewährung, da sie als Zeugin gegen Pike auftrat.

Menschen versammeln sich vor dem Tennessee State Capitol anlässlich einer „March 4 Mercy“-Demonstration gegen die Todesstrafe.

Copyright: George Walker IV/AP/dpa

Menschen versammeln sich vor dem Tennessee State Capitol anlässlich einer „March 4 Mercy“-Demonstration gegen die Todesstrafe.

Die okkulten Aspekte des Verbrechens, wie das eingeritzte Pentagramm, sorgten damals für Aufsehen und wurden mit der gesellschaftlichen Hysterie um die „Satanic Panic“ verknüpft. Diese Darstellung bestritt Pike zu einem späteren Zeitpunkt. In einer Dokumentation äußerte sie sich: „Die Medien haben mich als bösen Menschen dargestellt, als Teufelsanbeterin. Tadaryl beschäftigte sich mit Satanismus und Dämonologie. Daher rührt das. Ich hatte mit solchen Dingen nie etwas zu tun.“

Ihre Verteidiger fechten das Urteil seit langer Zeit an. Sie leugnen das Verbrechen nicht, argumentieren jedoch, dass die traumatische Vorgeschichte von Pike mit Missbrauchserfahrungen und mentalen Krankheiten, darunter eine bipolare Störung und eine posttraumatische Belastungsstörung, im Gerichtsverfahren nicht ausreichend gewürdigt wurde.

Pike beklagte sich bei der „New York Times“ mit den Worten: „Ich war ein psychisch krankes 18-jähriges Mädchen, das ein Verbrechen mit zwei anderen Personen begangen hat, und ich war die Einzige, die dieses Urteil erhalten hat. Jetzt wollen sie mich zu Tode foltern, nachdem ich daran gearbeitet habe, geistig gesund zu werden.“

Lebenslanger Kampf: Die Mutter des Opfers gibt nicht auf

Gouverneur Bill Lee lehnte ein Gesuch um Gnade ab. Unmittelbar vor der Aussetzung der Exekution verfasste Pike einen Brief an NBC News, in dem stand: „Ob mir Gnade gewährt wird oder nicht, ich habe meinen Frieden gefunden. Ich habe keine Angst vor dem Tod. Ich bin nur nervös wegen des Vorgangs.“

Für die Angehörigen von Colleen Slemmer ist die Angelegenheit hingegen keineswegs beendet. Ihre Mutter, May Martinez, setzt sich seit mehr als drei Jahrzehnten dafür ein, das Andenken an ihre Tochter zu wahren. Ein besonders quälender Umstand für sie war, dass ein Teil des Schädels ihrer Tochter über Jahre als Beweisstück einbehalten wurde.

„Egal, was ich sage oder tue, der Staat sagt, ich habe keine Rechte“, wurde die verzweifelte Mutter schon im Jahr 2001 von „Knox News“ zitiert. Im Anschluss an einen Gerichtstermin 2008 äußerte sie: „Das Einzige, was ich wirklich wollte, war, den Körper meiner Tochter zurückzubekommen.“

May Martinez (l), Mutter des Mordopfers Colleen Slemmer, verlässt die Riverbend Maximum Security Institution während einer Aussetzung der geplanten Hinrichtung von Christa Pike in Nashville.

Copyright: George Walker IV/AP/dpa

May Martinez (l), Mutter des Mordopfers Colleen Slemmer, verlässt die Riverbend Maximum Security Institution während einer Aussetzung der geplanten Hinrichtung von Christa Pike in Nashville.

Ihr Leid ist auch nach so langer Zeit noch spürbar. Vor der angesetzten Exekution teilte sie der Agentur AP mit, dass sie ständig daran denken müsse, wie ihre Tochter noch versuchte, ihren Angreifern zu entkommen. 

„Ich bin ihre Stimme. Jemand muss für Colleen sprechen“, erklärte Martinez. Die Exekution könne ihre Tochter zwar nicht wieder lebendig machen, aber sie könnte eventuell sicherstellen, dass Pike nie wieder einen Menschen ermordet. (jag)