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Lichtenstein für zu HauseSo leihen Sie sich berühmte Werke für die eigenen vier Wände aus

Artothek Berlin

Copyright: Lilli Förter/dpa

Im Freihandbereich der Artothek der Amerika-Gedenk-Bibliothek kann man sich die Kunst direkt mitnehmen.

Kunst für die eigene Bude? So holst du dir Meisterwerke.

Kunst für die eigene Bude? So holst du dir echte Meisterwerke nach Hause – ganz legal!

Kunst im Museum ist dir zu steif und zu teuer? Stell dir vor, du könntest dir echte Kunstwerke einfach für dein Wohnzimmer ausleihen. Genau das geht – und zwar einfacher als du denkst!

Für die meisten Menschen ist der Gedanke, sich mit Kunst zu befassen oder sie sogar zu erwerben, purer Luxus. Die Szene wirkt unnahbar, in Ausstellungen gelten strenge Vorschriften und ohne prall gefüllten Geldbeutel ist man schnell raus. Doch es existiert eine Lösung, die alle willkommen heißt, um zu sehen, ob ein Kunstwerk das Leben nicht schöner macht: Artotheken.

Im Grunde sind das Leihbibliotheken für Bilder und Skulpturen. Der Artothekenverband Deutschland zählt über 100 solcher Einrichtungen bundesweit, von der Küste in Kiel bis nach Friedrichshafen am Bodensee. Häufig sind sie an eine öffentliche Bücherei angeschlossen, gelegentlich werden sie aber auch von Kunstvereinen oder Museen betrieben.

Ein Paradebeispiel dafür ist die Amerika-Gedenkbibliothek in der Hauptstadt Berlin. Mit einem einfachen Bibliotheksausweis erhält man dort Zugriff auf eine Kunstkollektion, die seit dem Jahr 1969 stetig größer wird. Von den insgesamt 2.000 Arbeiten verschönern aktuell etwa 300 nicht nur private Wohnräume, sondern auch Praxen und Kanzleien in der ganzen Stadt. Das Angebot ist riesig: „Es ist super unterschiedlich, was hier hängt, so wie halt auch unsere Nutzenden super unterschiedlich sind“, erläutert Katharina Bühler, Leiterin des Referats Künste der Amerika-Gedenkbibliothek.

Kunst ohne Schickimicki: Anfassen ausdrücklich erlaubt!

Solche Kunstbibliotheken sind auch ein Weg, die Barrieren der Kunstszene zu schleifen. „Natürlich hat Kunst per se ein bisschen so einen Ausschlussfaktor, weil man irgendwie das Gefühl hat, man muss was Bestimmtes wissen, man muss was Bestimmtes können“, bestätigt Bühler.

Diese Empfindung, die man vor allem aus Museen kennt, wird durch die lockere Atmosphäre der Bibliothek aufgehoben: „Du kannst hier essen, du kannst hier trinken. Es gibt viel weniger Regeln.“ Das Ergebnis ist eine vielfältige Gemeinschaft von Leuten, die „man selten an öffentlichen und vor allem an Kulturorten findet – egal auf was bezogen, auf Alter, auf Herkunft, auf sozialökonomischen Status.“

Dadurch werden die Kunstobjekte in der Artothek zu Alltagsbegleitern, die man ohne Hemmungen berühren darf. Der absolute Hammer-Moment, als Bühler lachend meint: „Fett-Tatscher? Egal, so ist es!“ Sogar der Heimweg mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Rad ist bei der Auswahl von „eher kleinformatiger, praktikablerer Arbeiten“ schon mitgedacht. Wenn überhaupt etwas zu Bruch geht, dann höchstens ein Bilderrahmen, der sich leicht austauschen lässt.

Dieser unkomplizierte Zugang für jedermann kommt auch bei den Künstlerinnen und Künstlern selbst bestens an. „Hier ist halt das Schöne, es verschwindet nicht in der Privatsphäre, sondern es ist irgendwie trotzdem noch Allgemeingut und der Öffentlichkeit zugänglich“, führt Bühler aus.

Artothek Berlin

Copyright: Lilli Förter/dpa

In der Artothek würden Kunstwerke zu Gebrauchsgegenständen, erklärt Bühler.

Echte Schätze für zu Hause – aber nur auf Zeit

Jedes Jahr kommt eine Jury zusammen, um bei einer Sitzung bis zu 15 frische Arbeiten für das Angebot zu erwerben. Im Bestand lauern wahre Juwelen, „wo Kunstherzen höher schlagen“, wie Bühler verrät. Darunter sind auch Schwergewichte wie der US-Künstler und Pop-Art-Wegbereiter Roy Lichtenstein oder Niki de Saint Phalle, die französische Künstlerin, die für ihre farbenfrohen Frauenfiguren berühmt wurde.

Doch den meisten Ausleihenden geht es gar nicht darum, die nächste Mona Lisa an die Wand zu hängen, sondern um eine ganz persönliche Sache: „Wenn du dir hier jetzt eine Arbeit für zu Hause auswählst, guckst du: ‚Okay, was spricht mich jetzt an? Wie geht's mir gerade?‘ Das sind schon sehr individuelle Liebhaberstücke, die die Leute aussuchen“, schildert Bühler. Anders als in einer Ausstellung kommt das Werk ohne erklärenden Rahmen. Das verändert die Verbindung dazu: „Es ist du und die Arbeit und sonst nichts. Das Bild ist dann da und erlebt mit dir Geschichte.“

Man sollte sich nur nicht unsterblich in die Leihgabe verlieben: „Menschen, die sich dann in eine Arbeit verlieben, die fragen dann: ‚Kann ich die kaufen?‘ Aber nee, das sprengt natürlich total den Sinn von so einer Artothek“, stellt Bühler klar. Wer den Service in Anspruch nimmt, muss sich mit dem Gedanken anfreunden, „dass sich dein Wohnzimmer auch mit der Kunst immer wieder verändert“. Denn die Kunst ist für die Allgemeinheit da.

Kunstliebhaber können die Stücke in der Regel für zwei bis vier Monate mit nach Hause nehmen, die genauen Leihfristen variieren aber von Ort zu Ort. In der Berliner Gedenkbibliothek kann man ein Werk für 84 Tage ausleihen. Sofern keine Vormerkung existiert, sind zwei Verlängerungen um jeweils 28 Tage drin. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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