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Bewiesen!Blondinen haben's leichter – Dicke schwerer

Wahre Schönheit kommt von Innen? Von wegen! Schönheitschirurg und Altersforscher Dr. Stéphane Stahl hat zahlreiche Studien zusammengetragen und eingeordnet.

Wohl jeder hat den Spruch schon mal gehört: „Schönheit liegt im Auge des Betrachters.“ Heißt: Schönheit hängt ab vom individuellen Geschmack, von der Kultur, in der man lebt, vielleicht auch vom Zeitgeist. Aber stimmt das wirklich? Der Schönheitschirurg und Altersforscher Dr. Stéphane Stahl hat zahlreiche Studien zusammengetragen. Und diese zeigen, dass das Schönheitsideal seit jeher ziemlich gleich ist: Zu dünn zieht ebenso wenig wie zu dick. Die gesunde Mitte macht's.

Ja, ja, „man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“. So liegt uns „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry seit mehr als 80 Jahren in den Ohren. Klar, Werte wie Freundschaft und Liebe sollten weitaus wichtiger sein als die schnöde Optik. Doch Fakt ist nun mal: Der erste Eindruck ist und bleibt entscheidend, ob wir jemanden anziehend und sympathisch finden. „Unser Gehirn entscheidet in 13 Millisekunden, ob uns jemand anzieht. Das passiert, bevor wir überhaupt bewusst nachdenken“, sagt Stahl.

Nicht dick, nicht dünn: Die goldene Mitte ist am beliebtesten

Und eine große Studie mit über 1300 Menschen aus verschiedenen Ländern zeige, wie „erstaunlich groß“ die weltweite Einigkeit in diesem Punkt sei. Sollen klapperdürre „Kleiderständer “ ruhig weiterhin über den Laufsteg hetzen, und da kann Heidi Klum (aktuell wieder auf Sendung) für die nächste Staffel von „Germany's next Topmodel“ auch wieder ein paar Walküren ins Rennen schicken, um Themen wie „Body Positivity“ oder Diversität zu besetzen – das wahre Schönheitsideal habe sich seit Jahrhunderten trotzdem kaum verändert, so der Experte. „Studien aus aller Welt zeigen immer wieder, dass Menschen vor allem Körper bevorzugen, die gesund wirken und Fruchtbarkeit signalisieren. Das bedeutet, dass die Vorstellung, alle Körper seien gleichermaßen schön oder jede Figur solle als Ideal gelten, nicht zu dem passt, was die Forschung darüber sagt, was Menschen tatsächlich anziehend finden.“

Weltweit würden die meisten Menschen ein normales Körpergewicht am schönsten empfinden. Alles, was stark nach oben oder nach unten abweiche, wirke im Schnitt weniger anziehend. Meistens liege das Ideal in der Mitte. Stahl: „Also weder an der Schwelle zum Übergewicht mit einem BMI von über 25, noch an der Grenze zum Untergewicht mit einem BMI von 18,5. “ Im kleinen Freundeskreis gehen die Meinungen manchmal natürlich stark auseinander. Doch in einer größeren Gruppe von etwa 25 bis 30 Menschen zeigt sich meist ein deutlich einheitlicheres Bild. Es bedeute, so Stahl, dass „mit steigender Personenzahl die Ausreißer verschwinden. Und plötzlich merkt man, wie einig sich die Gruppe eigentlich ist“.

Hier gibt's noch mal einen Blick auf Schauspielerin Sydney Sweeney zu erhaschen:

In einigen Studien nutzen Forscher am Computer erzeugte Bilder, die sich gezielt verändern lassen, um unsere Reaktionen auf bestimmte Gesichts- und Körpermerkmale zu testen. Die Ergebnisse zeigen klar, dass Merkmale, die starkes Übergewicht andeuten, meist als weniger attraktiv gelten. Wobei wir wieder beim Thema „Gesundheit“ wären. Stahl: „Tatsächlich können wir oft schon auf Fotos erkennen, ob jemand übergewichtig ist. Eine Auswertung von Tausenden alter Klassenfotos ergab, dass diejenigen, die man damals als übergewichtig eingestuft hatte, über 30 Jahre später tatsächlich häufiger Herzprobleme oder Diabetes bekamen und früher starben.“ Kleines Trostpflaster für alle, die ein paar Pfund zu viel auf den Rippen haben: „Anders als oft vermutet gilt auch Untergewicht nicht als schön, sondern wird eher mit Krankheit verbunden. Extremes Untergewicht kann positive Signale sogar schwächen.“

Auch durchschnittliche Gesichter würden meist gesünder wirken und schöner als Gesichter, die sehr eingefallen oder sehr füllig erscheinen. Interessant in diesem Zusammenhang: Selbst fünfjährige Kinder fanden in Tests normalgewichtige Erwachsene anziehender als übergewichtige. Welche Erklärung gibt es dafür, dass unsere Urinstinkte und nicht der Zeitgeist das Schönheitsideal bestimmen? Stahl: „Ob ein Körper in meiner Umgebung typisch ist, ist nicht dasselbe wie die spontane Anziehung, die dieser Körper in mir auslöst.“ Unser Blick passe sich an das an, was wir ständig sehen. Und im Alltag sind wir längst von Übergewicht umgeben. Bis 2035 wird sogar die Hälfte der Weltbevölkerung übergewichtig sein. Fürs Auge ist es zur neuen Normalität geworden. Aber: Man könne das Auge zwar an fast alles gewöhnen, doch das Belohnungszentrum nicht dazu zwingen, Glücksstoffe auszuschütten, wenn ein Signal biologisch nachteilig sei, etwa starker Gewichtsverlust oder starkes Übergewicht.

Schönheitschirurg Stephane Stahl

Copyright: Jean M. Laffitau

Dr. Stéphane Stahl gehört zu den führenden Fachärzten für Plastische und Ästhetische Chirurgie, gerade ist sein Buch „Wunderschön – warum wir dem Bann des Äußeren nicht entkommen“ (24 Euro) erscheinen.

Die Tatsache, dass Anziehung in 13 Millisekunden verarbeitet wird, zeige, wie alt und stabil diese Bewertungen sind. „Sie haben sich über viele Generationen entwickelt und lassen sich nicht grundlegend umprogrammieren, nur weil man Modemagazine durchblättert oder Werbung mit sehr kräftigen Menschen sieht. Wir gewöhnen uns zwar an das, was wir ständig sehen. Doch wir begehren weiterhin das, was Gesundheit und gute Chancen für Nachwuchs signalisiert. Die Biologie gibt den Rahmen vor. Sie bevorzugt Gesundheit und harmonische, gleichmäßige Formen. Dazu gehört auch ein Körper im gesunden Normalgewicht.“

Und wenn der Körper im Laufe der Jahre im wahrsten Sinne des Wortes aus den Fugen gerät? Da sieht der Schönheitschirurg schwarz. Einer Studie aus den USA, China, Russland, der Türkei und dem Vereinigten Königreich nach sei die äußere Anziehungskraft einer dritten Person der häufigste Grund für Untreue. Untersuchungen würden außerdem belegen, dass physische Attraktivität der Hauptfaktor sei, warum Frauen eine bestehende Partnerschaft zugunsten einer neuen verlassen. 

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