Ein bärtiges Model präsentiert Nachwuchs-Nachtwäsche: Im Internet kochen die Emotionen hoch, inklusive übler Hetze. Lidl reagiert.
Shitstorm um FotoAufregung um bärtiges Model für Kinder-Pyjama – Lidl reagiert

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Ein Schild an einer Wand in einem Supermarkt.
Ein junger Kerl samt Schnauzer steckt in Nachtwäsche für Kids. Exakt diese kuriose Kombi sorgte im Internet für erhitzte Gemüter. Angefangen hat alles mit einer Werbung im Lidl-Onlineshop. Auf den Social-Media-Plattformen überschlagen sich die Reaktionen, wobei manche Wortmeldungen leider auch rassistisch ausfallen.
Mittlerweile hat die Supermarktkette durchgegriffen. Gegenüber dem Sender RTL lüftete der Konzern zudem das Geheimnis um diese spezielle Aufnahme.
Ein Schnurrbart in Größe 134/140?
Stein des Anstoßes ist ein Foto, welches derzeit bei X sowie Facebook tausendfach kursiert. Abgebildet ist dort Nachtwäsche aus der Lidl-eigenen Kollektion Esmara Kids. Präsentiert wird das Kleidungsstück von einem sitzenden männlichen Model, dessen Schnurrbart sofort ins Auge sticht.
Für reichlich Irritation sorgt dabei ein Detail: Das kursierende Foto zeigt die ausgewählte Konfektionsgröße 134/140. Solche Maße sind eigentlich für Kids gedacht, die noch die Grundschule besuchen. Von Gesichtsbehaarung kann in diesem Alter natürlich überhaupt keine Rede sein.
Deshalb rätseln etliche User im Web, wieso die Wahl ausgerechnet auf diesen Darsteller fiel. Dabei lässt sich das Ganze völlig simpel aufklären.
Lidl klärt auf: Das Model trägt die größte Variante
Dieses Zweiteiler-Set existiert im Sortiment nämlich keineswegs bloß in jener Mini-Ausführung, welche das Netz-Foto zeigt. Gegenüber dem TV-Sender RTL betonte das Handelsunternehmen, dass die Nachtwäsche ebenso für größere Kids sowie Heranwachsende im Teenager-Alter produziert wird.
Dazu liefert der Konzern folgende Begründung: „Bei Artikeln, die wir in unterschiedlichen Größen anbieten, ist es nicht immer vorgesehen für jede Altersgruppe ein eigenes Model abzubilden“. Bezogen auf den diskutierten Artikel fügt die Kette noch deutlicher hinzu: „Dieser Pyjama ist bis zu der Größe 158-164 erhältlich und somit auch für junge Teenager geeignet. Das abgebildete Model trägt auf dem Produktfoto die Größe 158-164.“
Anders ausgedrückt: Zwar weisen die verbreiteten Aufnahmen den Wert 134/140 aus, doch der abgelichtete Darsteller steckt real in der maximal verfügbaren Ausführung. Das liefert die logische Antwort darauf, weshalb die Webseite eine deutlich reifere Person präsentiert.
Erst Spott, dann Hetze – Lidl nimmt das Foto offline
Allerdings bleibt es online nicht lange bei harmloser Verwunderung. Auf der Plattform Facebook ätzt beispielsweise jemand ironisch: „Hey Lidl Österreich ... sehen so 8-10 jährige aus??“ Über die Produktaufnahme amüsiert sich eine weitere Kommentatorin mit dem Spruch: „Mode für kleine Racker mit Bart“.
Leider gleitet die Debatte stellenweise in offenen Rassismus ab. Ein Artikel eines migrationsfeindlichen Blogs tituliert das abgebildete Model völlig haltlos und ohne jeglichen Nachweis als Migranten. Dort verknüpfen die Autoren das Erscheinungsbild des Mannes direkt mit den Diskussionen rund um vermeintlich minderjährige Flüchtlinge.
Beim Handelsriesen herrscht darüber blankes Entsetzen. In einer offiziellen Reaktion des Konzerns liest man: „Die rassistischen und herabwürdigenden Kommentare gegenüber dem Model haben uns zutiefst entsetzt“. Weiter betont der Händler unmissverständlich: „Bei Lidl haben Ausgrenzung, Hass und Hetze keinen Platz. Daher verurteilen wir diese Kommentare.“
Um das männliche Model vor noch mehr Hass-Attacken zu bewahren, zog die Ladenkette nun die Reißleine. Vonseiten des Unternehmens heißt es dazu: „Zum Schutz der Persönlichkeit unseres Models und um einer diffamierenden Weiterverbreitung entgegenzuwirken, haben wir das Bild aus dem Onlineshop entfernt.“
Wer den Artikel kaufen möchte, könne das aber weiterhin tun: Die Nachtwäsche an sich wurde keineswegs aus dem Verkauf gezogen. Laut einer ausdrücklichen Bestätigung der Supermarktkette liegt das Kleidungsstück auch künftig wie gewohnt in den Geschäften vor Ort bereit. (red)
