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Was von Amélie bliebSo sehen die berühmten Drehorte des Kultfilms heute aus

«Café des Deux Moulins» in Paris

Copyright: Rachel Boßmeyer/dpa

Ein Blick in das «Café des Deux Moulins», in dem die Hauptdarstellerin Audrey Tautou in «Die fabelhafte Welt der Amélie» als Kellnerin arbeitet.

Amélie wird 25: Was vom Zauber in Montmartre blieb

In der 53 Rue des Trois Frères drängen sich junge Menschen vor einem Fotoautomaten. Momente danach haben sie schmale Streifen mit Schwarz-Weiß-Bildern in den Händen – winzige Aufnahmen, die an ein Kapitel Kinogeschichte erinnern. Diese Bilder sind bis heute untrennbar mit dem Film «Die fabelhafte Welt der Amélie» verknüpft. Vor 25 Jahren verwandelte dieser Kinohit Montmartre in eine Kulisse und einen Ort voller Sehnsucht. Was hat dieser Film bewirkt – und was ist davon heute noch spürbar?

Amélies Mission: Das kleine Glück für andere

Das Werk des französischen Filmemachers Jean-Pierre Jeunet, mit Audrey Tautou als Protagonistin, erzählt von der zurückhaltenden Servicekraft Amélie Poulain. Sie fasst eines Tages den Entschluss, heimlich das Leben ihrer Mitmenschen ein bisschen schöner zu gestalten.

So spendet sie einer verwitweten Concierge mit fingierten Schreiben Trost, verkuppelt eine Tabakverkäuferin mit Krankheitsängsten und schickt den Gartenzwerg ihres Vaters auf eine globale Tour. Ihre eigene Wahrnehmung wandelt sich dadurch: Das Außergewöhnliche findet sie plötzlich in den unscheinbaren Dingen – wie bei einer Crème brûlée oder einem Foto aus dem Automaten.

Wer den Streifen sehen will: Er kann zurzeit auf Amazon Prime Video und Rakuten TV kostenpflichtig abgerufen werden.

Montmartre heute: Ein Spaziergang durch die Filmkulisse

Verblüffend, wie wenig sich Montmartre gewandelt hat. Über dem Stadtteil wacht noch immer erhaben die weiße Basilika Sacré-Cœur. Unverändert sind die steilen Stufen und engen Gassen geblieben. Zahlreiche Hausfronten erinnern auch heute noch deutlich an ihre Kinovergangenheit, so wie der Kramerladen «Au Marché de la Butte» in der 56 Rue des Trois Frères, der im Streifen als «Épicerie Collignon» zu sehen ist.

Das Kinoposter ziert nach wie vor den Laden. Auch das Schaufenster scheint sich kaum verändert zu haben. Hier erledigte die Heldin aus Jeunets Film ihre Einkäufe – und nahm auf ihre ganz eigene Art Revanche am fiesen Ladenbesitzer, der seinen Mitarbeiter so schlecht behandelte: mit ausgetauschter Zahncreme, Salz im Alkohol und kleinen Gemeinheiten, die ihn an seiner Zurechnungsfähigkeit irre werden ließen.

Kult-Orte, die Fans heute noch besuchen

Nur wenige Gassen entfernt ist das «Café des Deux Moulins» momentan hinter einer Plane verborgen. An diesem Ort war Amélie als Servicekraft tätig, studierte die Besucher und erschuf sich in den alltäglichen Abläufen ihr eigenes Universum. Auf den Scheiben wird immer noch für den «Lunch d’Amélie Poulain» geworben, als wäre der Kinohit ein fester Bestandteil des Betriebs.

Die Crème brûlée ist ebenfalls ein Muss. Man findet sie weiterhin auf der Speisekarte – was vor allem an der bekannten Sequenz liegt, in der Amélie genüsslich mit einem Teelöffel die Zuckerkruste knackt.

Zum filmischen Erbe von Montmartre zählt auch das Studio 28. Dieses Lichtspielhaus, das 1928 seine Pforten öffnete, wird als eines der frühesten Avantgarde-Theater in Paris angesehen und repräsentiert bis heute die französische Filmkunst. Im Streifen schaut Amélie dort lieber in die Mienen des Publikums statt auf die Leinwand – eine Szene, die ihre besondere Weltsicht verdeutlicht.

Der Fotoautomat: Mehr als nur ein Bild

Und dann ist da natürlich der Fotoautomat in der 53 Rue des Trois Frères. Durch Jeunets Werk wurde er zu einem echten Wahrzeichen. In einer Sequenz macht Amélie maskiert Aufnahmen von sich, um mittels eines zerschnittenen Bildes eine Botschaft zu übermitteln.

Heutzutage bilden sich dort Warteschlangen für exakt diese schwarz-weißen Bildstreifen, die, wie die dpa berichtet, schon lange zum gemeinsamen Gedächtnis gehören. Die selten gewordenen analogen Fotoautomaten werden mittlerweile als Kultobjekte betrachtet, deren spezieller Stil auf Plattformen wie Instagram und Tiktok gefeiert wird.

Amélies Welt im digitalen Zeitalter

Die Ansichtskarten, die sie damals ihrem Vater auf seine Touren sandte, erscheinen heute beinahe wie heilige Überbleibsel. Was man früher von unterwegs verfasste und versendete, löst sich heute in knappen elektronischen Botschaften auf – in Form von WhatsApp-Nachrichten und Instagram-Posts, die augenblicklich ankommen und genauso flüchtig wieder verschwunden sind.

Fotokabinen existieren als leise Nostalgie-Objekte an Bahnhöfen oder in Nebenstraßen. Und die Zwerge im Garten erscheinen heutzutage wie ein dichterisches Andenken an eine unbeschwertere Epoche.

Sogar das gemütliche Umherschlendern ist anders geworden. Wo Amélie noch schaute, ausharrte und zufällige Entdeckungen machte, wird man heute per Smartphone, Google Maps und sozialen Netzwerken geleitet.

Der Zauber von Amélie: Ein Gegenentwurf zur Hektik

Bereits damals, im Jahr 2001, erschien das Universum von Amélie als Kontrastprogramm. Der Alltag beschleunigte sich, wurde digitaler und leistungsorientierter. «Die fabelhafte Welt der Amélie» bot eine Alternative: Entschleunigung, Achtsamkeit und der Gedanke, dass auch Kleinigkeiten von Bedeutung sind. Eine wiedergefundene Metalldose mit Erinnerungsstücken aus der Kindheit, ein geheimer Brief oder ein Fundstück aus dem Fotoautomaten, das eine ganze Existenz umkrempelt.

Wer heutzutage Amélies Schauplätze aufsucht, ist womöglich nicht nur auf der Suche nach einer Filmkulisse. Es ist vielleicht die Sehnsucht nach einer alternativen Vision des städtischen Lebens: Gemeinschaft anstelle von Namenlosigkeit, glückliche Fügungen anstelle von ständiger Reizüberflutung und der Zauber im täglichen Leben anstelle von reiner Zweckmäßigkeit. (dpa/bearbeitet durch Gemini 2.5 Pro)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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