Alarm an der ZugspitzeGewaltige Felsmassen stürzen in die Tiefe

Zugspitze und Höllentalferner Gletscher

Copyright: Angelika Warmuth/Matthias Balk/d

Zugspitze und Höllentalferner Gletscher

Ein ohrenbetäubendes Grollen, gefolgt von einer riesigen Staubfahne. Am höchsten Punkt Deutschlands lösen sich Tonnen von Gestein. Die Sorge in der Region wächst.

Ein lautes Donnern hat am Dienstag das Gebiet rund um die Zugspitze aufgeschreckt. In der deutsch-österreichischen Grenzregion ereignete sich ein bedeutender Gesteinsabgang. Über einen langen Zeitraum brachen gewaltige Felsbrocken vom Massiv ab und fielen ins Tal. Anschließend breitete sich eine enorme Staubfahne über Kilometer bis zum Ort Grainau aus, was viele Clips in sozialen Medien dokumentieren.

Die Felsmassen stürzten unmittelbar am Grenzkamm, der Bayern und Tirol trennt, herab. Ein Segen im Desaster: Nach bisherigen Informationen kam keine Person zu Schaden. Weder Pfade noch sonstige Anlagen wurden in Mitleidenschaft gezogen, weil die betreffende Zone sehr abschüssig und schwer erreichbar ist. Um die Situation präzise zu beurteilen, werden jetzt Drohnen das Gebiet erkunden. Das berichtet „BR24“.

Gipfel in Gefahr – Ist die Erderwärmung schuld?

Die Bedrohung ist aber keineswegs vorbei. Am Mittwoch brachen erneut Gesteinsstücke ab. „Da löst sich immer wieder was“, bekräftigte Franz Dörfler von der Bergwacht Grainau, der stellvertretende Bereitschaftsleiter. „Anscheinend bröselt es jetzt auch wieder nach.“ Ein derartiger Vorfall ist für Fachleute zwar nicht mehr unerwartet, die Dimensionen sind für den 2.962 Meter hohen Gipfel jedoch außergewöhnlich.

Dörfler nennt zudem die vermutliche Ursache für die wachsende Brüchigkeit des Massivs. Durch die Klimaerwärmung und die höheren Temperaturen taut der Permafrost auf, der das Gestein an der Zugspitze quasi wie Zement verbindet. Das Resultat ist eine Zunahme von Gesteinsabbrüchen.

Betrieb geht weiter – Entwarnung für Urlauber

Ungeachtet der beunruhigenden Aufnahmen kann für Urlauber Entwarnung gegeben werden. Der Betrieb der Seilbahnen wird nicht beeinträchtigt. Die Tiroler Zugspitzbahn und die Ehrwalder Almbahn starteten am Mittwoch wie gewohnt ihren Dienst. Auf bayerischem Gebiet existieren ebenfalls keinerlei Beschränkungen.

Auf Nachfrage hob eine Sprecherin hervor, dass für die Gipfelstation sowie die Bahn keinerlei Risiko existiert. Mittels Sensorik und externen Gutachtern werden die Einrichtungen permanent kontrolliert. In Bayern ereigneten sich die letzten größeren Gesteinsabgänge am Rubihorn im Allgäu und im Nationalpark Berchtesgaden.

An der Zugspitze wurden zwar bereits früher vergleichbare, jedoch kleinere Abgänge registriert. Ein Gesteinsabbruch von solch einem gewaltigen Ausmaß wurde dort bisher allerdings nicht verzeichnet. (red)