NRW will 2030 aus der Braunkohle aussteigen. Doch ist der Plan haltbar? Energieökonomen schlagen Alarm: In zwei Wintern könnte die Versorgung knapp werden – und auch die Strompreise könnten weiter steigen.
Strom-Alarm in NRWExperten warnen vor Engpässen und steigenden Preisen

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Das Braunkohlekraftwerk von RWE in Niederaußem
Droht NRW eine Lücke in der Stromversorgung? 2030 sollen im Rheinischen Revier die letzten Braunkohlekraftwerke vom Netz gehen. Doch die neuen Gaskraftwerke, die zukünftig den Strom liefern sollen, sind dann noch nicht am Netz. Jetzt warnen Experten vor möglichen Engpässen in Nordrhein-Westfalen.
„Der Ausstieg kann meines Erachtens nicht funktionieren, wenn wir nicht riskieren wollen, dass die Versorgungssicherheit leidet und die Strompreise weiter steigen“, sagt Manuel Frondel vom RWI – Leibniz-Institut in Essen. Seine Sorge: Wenn weniger Kraftwerke Strom produzieren, wird das Angebot knapper. Die Folge könnten weiter steigende Preise sein. Stromknappheit und explodierende Kosten – genau dieses Risiko dürfe die Politik nicht eingehen, mahnt der Energieökonom.
Experte schlägt Strom-Alarm für NRW
Auch Andreas Löschel, Energieökonom aus Bochum und Berater von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche, sieht Probleme auf NRW zukommen. Besonders kritisch könnten die Winter 2031 und 2032 werden. Nach aktuellem Stand werde das Land in diesen beiden Jahren durchaus Schwierigkeiten bekommen, warnt er. Seine Forderung: Die Landesregierung müsse ihre Pläne noch einmal genau überprüfen.
Dabei sollte der Bau neuer Gaskraftwerke eigentlich Sicherheit bringen. Bei der ersten Ausschreibung erhielt NRW eine Kraftwerksleistung von 2118 Megawatt. Das sind 41 Prozent der bundesweit vergebenen Leistung. Doch der entscheidende Haken: Die Anlagen sollen spätestens 2031 ans Netz gehen. Der Braunkohleausstieg wäre dann bereits ein Jahr früher vollzogen.
Ob der Zeitplan überhaupt aufgeht, ist damit eine zentrale Frage. Nach einer zweiten Ausschreibungsrunde im kommenden Jahr will Bundeswirtschaftsministerin Reiche prüfen, welche Folgen die Ergebnisse für die geplante Abschaltung der Kohlekraftwerke haben. Das Ministerium verweist dabei auf die Versorgungssicherheit. Eine abschließende Bewertung steht noch aus.
Für zusätzlichen politischen Zündstoff sorgt der Zeitpunkt. NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur rechnet mit einem Bericht im Frühjahr oder Frühsommer – und damit erst nach der Landtagswahl. FDP-Fraktionschef Henning Höne wirft der schwarz-grünen Landesregierung deshalb vor, auf Zeit zu spielen. Seine Befürchtung: Das umstrittene Prestigeprojekt des vorgezogenen Kohleausstiegs soll nicht vor der Wahl infrage gestellt werden.
Beschlossen wurde das frühere Ende der Braunkohle 2022. Damals verständigten sich der damalige Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck, die NRW-Landesregierung und RWE darauf, den Ausstieg von 2038 auf 2030 vorzuziehen. Jetzt steht die Politik vor einer heiklen Frage: Kann NRW tatsächlich früher aus der Kohle aussteigen, ohne dass am Ende der Strom knapp und für Verbraucher noch teurer wird? (red)
