Vermisster Junge in Schrank gefunden Hundertfacher Missbrauch in NRW: Gericht fällt Urteil

Der Angeklagte am 5. Juli 2020 in Bochum vor Gericht.

Der Angeklagte am 5. Juli 2020 in Bochum vor Gericht.

Der vermisste Junge Marvin K. wurde bei dem Angeklagten in der Wohnung in Recklinghausen in einem Schrank gefunden. Er war insgesamt 445 Mal sexuell missbraucht worden. Das Gericht in Bochum fällte nun ein Urteil.

Bochum/Recklinghausen. Das Landgericht Bochum hat einen 46-Jährigen wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines zwei Jahre lang als vermisst gemeldeten Jugendlichen zu neun Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Nach Auffassung der Kammer missbrauchte Lars H. den Jugendlichen insgesamt 445 Mal, wie ein Sprecher am Donnerstag sagte. Der Fall sorgte bundesweit für Aufsehen, weil der vermisste Marvin K. in einem Schrank in der Wohnung des Angeklagten gefunden worden war.

Betroffener Junge sagte selbst in Prozess in Bochum als Zeuge aus

Der Angeklagte räumte im Verfahren zwar ein, dass es sexuelle Handlungen gegeben habe. Seiner Meinung nach ging die Initiative jedoch von dem Jungen aus, wie der Sprecher sagte. Das Gericht sei nach der Beweisnahme zu einem anderen Schluss gekommen. Der betroffene Jugendliche habe selbst an drei Tagen unter Ausschluss der Öffentlichkeit als Zeuge ausgesagt.

Nach Gerichtsangaben gab der heute 46-jährige dem Jungen als Gegenleistung dafür, sexuelle Handlungen an ihm vornehmen zu dürfen, zunächst Geld oder Zigaretten. Später habe er ihn dauerhaft bei sich wohnen lassen.

Schreckliche Details: Jeden zweiten Tag an Jungen vergangen

Während des Zusammenlebens soll er sich vom Frühjahr 2017 bis zum Dezember 2019 jeden zweiten Tag an dem Jungen vergangen haben. Zudem besaß er nach Auffassung der Kammer zahlreiche Bilder und Videos mit kinder- und jugendpornografischen Inhalten, die er online mit anderen austauschte.

Marvin K. war im Alter von 13 Jahren aus einer Wohngruppe für emotionale und soziale Probleme in Oer-Erkenschwick verschwunden. Laut Polizeiangaben sahen die Erzieher den Jungen aus Duisburg am 11. Juni 2017 zum letzten Mal.

Fall war auch bei „Aktenzeichen XY ... ungelöst“

Danach fahndeten die Ermittler bundesweit nach dem Jungen - ohne Erfolg. Im Sommer 2019 wurde der Vermisstenfall in einer Sondersendung des ZDF-Formats „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ behandelt. Danach gingen zahlreiche Hinweise bei der Polizei ein.

Im Dezember 2019 durchsuchte die Polizei die Wohnung des damals 44-Jährigen in Recklinghausen wegen des Verdachts der Verbreitung kinderpornografischer Schriften. Dabei entdeckten sie den 15-Jährigen im Schrank.

H. und ein weiterer Tatverdächtiger wurden damals festgenommen. Der Prozess vor dem Landgericht Bochum ging nach 51 Verhandlungstagen zu Ende. (afp/jv)

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