„Sie bleibt unvergessen“Verheerender Brandanschlag 1993: Politiker gedenken „großer Versöhnerin“

Mevlüde-Genç, aufgenommen im sogenannten "Dortmunder U" bei der Verleihung der Mevlüde-Genç-Medaille des Landes

Menschen können am Dienstag (1. November) in Solingen Abschied von der verstorbenen Mevlüde Genç nehmen, bevor ihr Sarg in die Türkei überführt wird. Hier ein Foto der Friedensbotschafterin vom 25. Mai 2022.

Der Sarg von Mevlüde Genç wird am Dienstag in Solingen am Tatort des rechtsextremen Brandanschlags von 1993 aufgebahrt, bevor er in die Türkei überführt wird. Menschen können mit einem Totengebet Abschied nehmen.

Am Tatort des rechtsextremen Brandanschlags von Solingen wird an diesem Dienstag (1. November) ein Totengebet für Mevlüde Genç stattfinden.

Dazu lädt die Ditib-Gemeinde ein, teilte die Stadt Solingen am Montag (31. Oktober) mit. Dafür soll ihr Sarg aufgebahrt werden, bevor er in die Türkei überführt wird.

NRW: Gebet für Mevlüde Genç am Tatort des Solinger Anschlags

Genç hatte bei dem verheerenden Brandanschlag Solinger Rechtsextremisten 1993 fünf Familienangehörige verloren. Trotzdem hatte sie nach der mörderischen Tat zur Versöhnung aufgerufen. Genç war in der Nacht von Samstag auf Sonntag (29. auf den 30. Oktober) im Alter von 79 Jahren gestorben.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte Genç am Montag. In einem Schreiben an ihren Mann sprach Steinmeier der Familie sein Beileid aus. „Unser Land hat eine große Versöhnerin verloren. Sie hat uns vor Augen geführt, dass Nächstenliebe und Menschlichkeit stärker sind als Hass und Gewalt.“

Auch Bundeskanzler Olaf Scholz sprach sein Beileid via Twitter aus: „Als Stimme der Versöhnung wird sie unvergessen bleiben“, heißt es in einem Tweet am Sonntag (30. Oktober).

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen relevanten Inhalt der externen Plattform Twitter, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich einfach mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder ausblenden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte der externen Plattform Twitter angezeigt werden. Dabei können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Am 29. Mai 1993 hatten Rechtsextreme das Haus der Familie in Solingen in Brand gesetzt. Das Ehepaar Genç verlor zwei Töchter, zwei Enkelinnen und eine Nichte.

17 Familienmitglieder waren dabei schwer verletzt worden. Schon kurz nach dem Attentat hatte Mevlüde Genç zur Versöhnung aufgerufen und immer wieder gemahnt, dass dem Hass Einhalt geboten werden müsse.

NRW: Landtag gedenkt Mevlüde Genç mit Schweigeminute

Ihr Sarg soll am Dienstag in der Unteren Wernerstraße für das Totengebet aufgebahrt werden. In der Türkei soll sie neben den Opfern des Brandanschlags beigesetzt werden. Der Landtag wird Genç am Mittwoch (2. November) mit einer Schweigeminute gedenken.

Für ihren Einsatz um Versöhnung hatte Mevlüde Genç sogar das Bundesverdienstkreuz erhalten. Die NRW-Landesregierung stiftete 2018 ihr zu Ehren eine Mevlüde-Genç-Medaille.

Sie wird jährlich rund um den Jahrestag des Brandanschlags von Solingen am 29. Mai verliehen an Menschen, die sich um Versöhnung, Toleranz und Zusammenhalt verdient gemacht haben. (dpa/als)