Lauterbach über Karneval und Corona „Riesengefahr“: Er warnt vor Superspreader-Event

„Der Karneval kann zum Superspreader-Event werden“, mit diesem Zitat macht sich SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach vermutlich bei vielen Jecken unbeliebt. Doch bei den extremen Corona-Zahlen, ist diese Mahnung sicherlich ein berechtigter Einwand.

Köln. Partystimmung – aber bitte nicht, wenn es um Corona-Tote und die Gesundheit aller geht: Karl Lauterbach rät von Karnevalsfeiern in Innenräumen dringend ab. „Der Karneval kann zum Superspreader-Event werden“, sagte der SPD-Politiker und Gesundheitsexperte am Montag, 8.November 2021, der Deutschen Presse-Agentur in Köln.

„Wir stehen vor einer sehr massiven Welle“, warnte Lauterbach. Für den Karneval in ganz NRW gelte deshalb: „Wenn möglich: Draußen feiern! Falls es drinnen ist, muss striktes 2G gelten. Mit Kontrollen. Aber auch dann sind Veranstaltungen in Innenräumen eine Riesengefahr. Deshalb ist jede abgesagte Karnevalsveranstaltung im Innenraum eine gute Veranstaltung. Denn sie schützt Leben.“

Karl Lauterbach: Selbst 2G zu Karneval ist noch zu riskant

Auch wenn für Saalveranstaltungen 2G gelte - wenn also nur Geimpfte und Genesene zugelassen würden -, schaffe das keine wirkliche Sicherheit, weil der Impfschutz bei vielen schon nachlasse. „Jeder, der in einen Innenraum geht, muss mit einem Impfdurchbruch rechnen“, sagte Lauterbach. „Diese Impfdurchbrüche darf man nicht unterschätzen. Zum Glück ist es so, dass die ganz schweren Verläufe nicht so häufig sind. Aber dennoch sind viele Impfdurchbrüche schwerer, als der Laie sich das vorstellt. Sie können auch zu Long Covid führen.“

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Aus der Luft gegriffen sind Lauterbachs Bedenken sicherlich nicht. Schließlich haben viele vermutlich noch den Kreis Heinsberg vor Augen: Dort wurde im Februar 2020, offenbar in Folge einer Karnevalssitzung in der Gemeinde Gangelt, an der ein infiziertes Ehepaar teilnahm, die erste größere Ausbreitung der Corona-Pandemie in Deutschland verursacht.

Die Pandemie sei zurzeit wie eine Kerze, die von zwei Enden her brenne. „Von unten brennt sie, weil viele immer noch nicht geimpft sind. Von oben brennt sie, weil die bereits Geimpften den Impfschutz verlieren. Das ist die Lage, in der wir uns derzeit befinden.“

Lauterbach schloss sich ausdrücklich nicht dem Vorsitzenden des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, an, der bei „Anne Will“ von einer „Tyrannei der Ungeimpften“ gesprochen hatte. „Das kann man so nicht sagen. Wir haben keine Impfpflicht verabredet, und dementsprechend üben die Ungeimpften nur ihre Rechte aus. Ich halte nichts davon, die Geimpften und Ungeimpften gegeneinander auszuspielen“, sagte Lauterbach.

Lauterbach: „Wir brauchen bundesweit 2G, je schneller, desto besser.“

Was man brauche, sei eine konsequente Umsetzung von 2G - nicht nur im Karneval, sondern in allen vergleichbaren Situationen. „Wir brauchen bundesweit 2G, je schneller, desto besser.“

Dies werde letztlich zu einer erhöhten Impfbereitschaft führen, weil man von einem zu großen Teil des gesellschaftlichen Lebens ausgeschlossen sei. „Und natürlich ist es auch so, dass der Anteil der Ungeimpften, die sich infiziert haben und über die Infektion die Immunität erworben haben, leider zunimmt.“ (dpa/dok)

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