Greta Thunberg Klimaaktivistin besucht in NRW „Ort voller Traurigkeit“ 

Die Klimaaktivistin Greta Thunberg steht bei einem Pressetermin im Tagebaudorf Lützerath vor dem Hof von Bauer Heukamp.

Klimaaktivistin Greta Thunberg besuchte am Wochenende das Tagebaudorf Lützerath in NRW.

Umweltaktivistin Greta Thunberg und Louisa Neubauer haben am Samstag das Tagebaudorf Lützerath in NRW besucht. Die Schwedin fand bei ihrem Besuch klare Worte.

Lützerath. Nur eine Landstraße trennt den Hof von Landwirt Eckardt Heukamp vom Tagebau Garzweiler. Und wenn es nach dem Energieunternehmen RWE und der Bundesregierung geht, bald nicht einmal mehr die.

Um zu verhindern, dass Lützerath und damit auch der Hof von Heukamp für den Kohleabbau weichen müssen, sind die Umweltaktivistinnen Greta Thunberg (18) und Luisa Neubauer (25) am Samstag in das Dorf in Nordrhein-Westfalen gereist.

Greta Thunberg in Lützerath 

Im Gepäck hatten die beiden ein kleines gelbes Schild mit der Aufschrift „Defend Lützerath, defend 1,5“ („Verteidigt Lützerath, verteidigt 1,5“). Ihre Botschaft, die die Begrenzung der Klimaerwärmung auf 1,5 Grad anmahnt, rammten sie vor dem Hof in den Boden. Es war ein symbolischer Akt, an einem symbolischen Ort – einen Tag vor der Bundestagswahl.

Der letzte Bauer im Tagebaudorf Lützerath, Eckhardt Heukamp (l-r) und die Klimaaktivistinnen Luisa Neubauer und Greta Thunberg kommen mit einem Schild „Defend Lützerath Defend 1.5 Grad C“.

Die beiden Umweltaktivistinnen Greta Thunberg (rechts) und Luisa Neubauer (Mitte) mit dem Bauern Eckhardt Heukamp (l.) bei ihrem Besuch in Lützerath am 25. September 2021.

„Auch wenn das ein Ort voller Traurigkeit ist, finde ich es sehr hoffnungsvoll und inspirierend, die Hingabe und das Engagement der hier lebenden Menschen zu sehen – die kämpfen, um diese Dörfer zu behalten und die gegen Klima- und Umweltzerstörung kämpfen“, sagte Thunberg. „Das ist es, was mir Hoffnung gibt.“

Greta Thunberg in NRW: „Können das nicht mit Parteipolitik lösen“

Die schwedische Umweltaktivistin und Initiatorin der weltweiten Bewegung „Fridays for Future“ warnte jedoch davor, die Bekämpfung der Klimakrise und den Schutz der vom Tagebau bedrohten Dörfer allein in die Hände von Politikern zu legen.

„Wir können das und die Klimakrise nicht mit Parteipolitik lösen. Wir brauchen eine Massenmobilisierung von Menschen“, sagte sie. „Wir wollen die Menschen dringend bitten, in diesem Kampf um Klimagerechtigkeit und sozialer Gerechtigkeit zu helfen.“

NRW: Weitere Orte sollen für den Tagebau weichen

Mit Blick auf eine CDU-Wahlkampfveranstaltung am Samstag in Aachen sagte Luisa Neubauer: „Wenige Kilometer von hier sprechen heute Angela Merkel und Armin Laschet und verteidigen einen fossilen Status quo, der diese Zerstörung hier normalisiert und rechtfertigt.“ Es gebe aber keine Rechtfertigung dafür. „Sie ist nicht akzeptabel, sie ist nicht hinnehmbar, und entsprechend werden wir auch nicht akzeptieren und hinnehmen.“

Der Ort Lützerath, in dem fast keine Menschen mehr leben, soll als nächstes für den Kohleabbau am Tagebau Garzweiler verschwinden. Bis Ende 2026 soll entschieden werden, ob die zur Stadt Erkelenz gehörenden Dörfer Keyenberg, Kuckum, Ober- und Unterwestrich und Berverath noch weichen müssen. Der Betrieb in den drei bestehenden Tagebauen im Rheinischen Revier soll nach und nach auslaufen und spätestens 2038 enden.

Greta Thunberg in Lützerath: Ziviler Ungehorsam sei ein legitimes Mittel

„Wenn wir sagen ‚Alle Dörfer bleiben‘, dann sprechen wir nicht davon, dass Häuser stehen bleiben, wir sprechen davon, dass wir gemeinsam die Lebensgrundlagen schützen, von denen wir abhängen“, sagte Neubauer.

„Und wir sprechen davon, dass wir bereit sind, uns zwischen die Häuser und die Bagger und zwischen die Lebensgrundlagen und die Bagger zu stellen.“ Verglichen mit Thunbergs Auftritt bei der „Fridays for Future“-Demonstration in Berlin am Freitag, fiel der Termin in Lützerath deutlich kleiner aus. Dennoch sei es wichtig, hier zu sein, sagte sie. Sie wolle die Menschen auf die Geschehnisse in dem Dorf aufmerksam machen.

„Wir müssen ein Bewusstsein schaffen für das, was hier passiert. Und wir brauchen Menschen, die sich dem Kampf dagegen anschließen.“ Dafür sei auch ziviler Ungehorsam ein legitimes Mittel, solange er friedlich bleibe. „Und wir haben gesehen, das Menschen in dieser Gegend dieses Instrument genutzt haben, sehr effektiv in vielen Arten.“ (dpa)

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