Leere Flure statt Kinderlachen. Die Jugendherbergen in Nordrhein-Westfalen erleben einen spürbaren Gästeschwund. Besonders für Vereine wird die Situation brenzlig, denn es fehlt an einer entscheidenden Stelle.
NRW-Jugendherbergen in der Krise:Immer weniger Gäste – das steckt wirklich dahinter

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Die Jugendherberge in Nottuln im Münsterland gehört zum Verband Westfalen-Lippe. (Archivbild)
Die nackten Zahlen sind ernüchternd: In den 61 Häusern in NRW wurden letztes Jahr circa 1,54 Millionen Übernachtungen registriert. Das entspricht einem Minus von 5,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie die dpa meldet. Die Probleme sind vielschichtig und variieren je nach Besucherart und Gebiet.
Ehrenamt in der Krise: Vereine sagen Reisen ab
Im Bereich Westfalen-Lippe ist die Situation laut den zuständigen Landesverbänden besonders heikel. Bei den Gruppenreisen brach die Zahl der Übernachtungen um satte elf Prozent ein und landete bei nur noch 145.000. Der Auslöser ist besorgniserregend: Es mangelt zunehmend an freiwilligen Helfern in den Vereinen.
Wenn die helfenden Hände fehlen, bleiben die Busse stehen. Viele Clubs können ohne ehrenamtliche Aufsichtspersonen schlicht keine Fahrten mehr anbieten. Hinzu kommen die gestiegenen Kosten, die das Problem weiter anheizen. Das Resultat: Gruppen fahren seltener oder nur noch im Zweijahrestakt, so die Mitteilung des Verbands aus Hagen.
Rückgang bei Klassenfahrten? Nur auf den ersten Blick
Selbst bei den Klassenfahrten, dem traditionellen Aushängeschild, wurde mit etwa 605.000 Übernachtungen ein Minus von vier Prozent registriert. Der Landesverband Westfalen-Lippe sieht die Lage dennoch als gefestigt an. Dahinter steckt ein besonderer Umstand: Wegen Sanierungsarbeiten ist die Jugendherberge Cappenberger See in Lünen aktuell nicht in Betrieb. Eine Wiedereröffnung ist für den Sommer 2026 geplant.
Im Gegensatz dazu hielten sich die Buchungen von Familien mit circa 119.000 Übernachtungen auf einem konstanten Niveau. Den Löwenanteil der Besucher stellen mit 42 Prozent weiterhin die Schulklassen. Freizeitgruppen folgen mit einem Anteil von fast 24 Prozent.
Ein Blick ins Rheinland: Licht und Schatten
Die Situation im Rheinland, wo 32 Häuser mit etwa 800 Beschäftigten existieren, ist vergleichbar. Einem dpa-Bericht zufolge sanken die Übernachtungszahlen von Schulklassen geringfügig auf fast 374.800. Mit 40,2 Prozent bilden sie aber nach wie vor die wichtigste Besuchergruppe.
Eine positive Nachricht kommt von den Wandergruppen. In diesem Segment kletterten die Buchungen um 2,2 Prozent und erreichten 226.000. Auch die Mitgliederzahl im Rheinland zeigte sich mit 333.449 beständig.
Die Verantwortlichen behalten die Entwicklung wachsam im Auge. Sie setzen ihre Hoffnung auf eine schnelle Erholung der Situation, vor allem was das freiwillige Engagement angeht. (red)
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