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Held in der Flutkatastrophe Kranfahrer rettete schwerkrankes Mädchen mit unglaublicher Aktion

Dustin Raatz kniet neben dem Rollstuhl von Chantal und ihrer Mutter Bianca Caspari vor deren Haus. Mit einem tonnenschweren Bundeswehrfahrzeug aus dem Museum hatte Raatz das schwerkranke Mädchen während der schweren Flut im vergangenen Jahr gerettet und in Sicherheit gebracht, nachdem der letzte Akku ihres Beatmungsgerätes fast leer war.

Dustin Raatz kniet am 8. Juli 2022 neben dem Rollstuhl von Chantal und ihrer Mutter Bianca Caspari vor deren Haus. Mit einem tonnenschweren Bundeswehrfahrzeug aus dem Museum hatte Raatz das schwerkranke Mädchen während der schweren Flut im vergangenen Jahr gerettet und in Sicherheit gebracht.

Mehr als 180 Tote, Milliardenschäden, zerstörte Existenzen – und inmitten tragischer Flut-Schicksale ein Drama mit Happy End. Ein Kranfahrer rettet ein Mädchen im Rollstuhl – in einer überaus ungewöhnlichen Aktion.

Es ist eine filmreife Geschichte um die Rettung eines kranken Kindes in letzter Minute. Mehr als 180 Menschen starben bei der schwersten Naturkatastrophe in Deutschland vor einem Jahr in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Die schwerkranke Chantal Caspari aus Hagen am Rande des Ruhrgebiets jedoch hatte Glück.

Ein Kranfahrer kämpfte sich in der Flut zu der damals 13-Jährigen durch – mit einem tonnenschweren Fahrzeug aus dem Museum. Das Mädchen im Rollstuhl ist auf ein Beatmungsgerät angewiesen, der letzte Akku war fast leer. Alle anderen Hilfsversuche hatten sich als aussichtslos erwiesen, auch die Feuerwehr kam nicht mehr durch.

Flutkatastrophe NRW: Kranfahrer rettete 13-Jährige mit Museumsfahrzeug

Es herrschen chaotische Zustände am 14. Juli 2021. Am Haus der Familie Caspari hat sich die sonst friedliche Volme in einen gewaltigen Strom verwandelt. Mutter Bianca und ihre drei Kinder sehen, wie Autos in den Fluten mitgerissen werden. Der Garten ist überflutet, im Keller stehen die Wohnräume schon zu 1,20 Meter im Wasser.

Alles zum Thema Hendrik Wüst

Das größte Problem an diesem Mittwoch: „Der Stromkasten im Keller stand unter Wasser, wir mussten den Strom abschalten“, erzählt Bianca Caspari. Für Chantal beginnt der Countdown um Leben und Tod. Sie hat zwei Akkus mit jeweils vier Stunden. Die Zufahrtsstraßen zum Haus sind nicht mehr passierbar.

Zeitgleich bietet Kranfahrer Dustin Raatz im 25 Kilometer entfernten, ebenfalls schwer getroffenen Altena seine Hilfe an. „Aus Altena gab es auch für Feuerwehrfahrzeuge schon früh kein Raus- und Reinkommen mehr“, erinnert sich der 36-Jährige. Und das schon bei einem Wasserstand von deutlich unter einem Meter.

Der frühere Soldat sammelt Bundeswehr-Fahrzeuge, besitzt einen robusten Zwölftonner, der bis zu einer Wassertiefe von 1,50 Meter klarkommt. Der Koloss steht im Technikmuseum in Plettenberg. Dustin Raatz holt ihn – 100 Kilometer hin und zurück. Sein erster Einsatz mit dem MAN Kat1: Rettung von Chantal.

„Wir haben nur geheult“: Dustin rettete nach Chantal noch mehr Leute

Ihre Mutter hat seit dem Nachmittag immer wieder einen Rettungswagen angefordert. „Um 22.00 Uhr war mein letzter Hilferuf, da hatten wir noch ungefähr zwei Stunden Akku. Ich war fertig, voller Adrenalin. Wir saßen hier im Dunkeln und haben gehofft, dass Rettung kommt.“ Dustin Raatz hat sich derweil durch die Wassermassen nahe ans Haus gekämpft – einen Sanitäter, Feuerwehrleute und medizinisches Equipment an Bord.

„Ich kenne das Fahrzeug und weiß, was es kann, habe einfach nur funktioniert“, schildert der 36-Jährige. Er war jahrelang Ersthelfer bei Verkehrsunfällen, als Soldat auch im Kosovo und in Afghanistan stationiert, behält die Nerven. Erst Tage später wird ihm die eigene Gefahr bewusst: Als die Wassermassen weichen, sieht er, dass er auf Straßen unterwegs war, die eigentlich keine mehr waren, wo die Ränder breit weggebrochen waren.

Vor einer erhöhten, trocken gebliebenen Stelle am Haus der Casparis trägt Mutter Bianca ihre Tochter die letzten Meter zum Lkw. Nach einer Operation kann das Kind kaum sitzen, will sich nur von der Mutter tragen lassen. „Irgendwie bin ich drei Meter groß geworden und habe sie dem Sanitäter nach oben auf den Lkw gereicht.“ Es ist inzwischen stockdunkel, bald 23.00 Uhr. „Das Akku reicht noch für eine Stunde. Ich hatte solche Angst, dass auf dem Weg noch was passiert“, sagt Bianca.

Weil der Weg ins nächste Krankenhaus selbst für seinen hochliegenden Zwölf-Tonner versperrt ist, bringt Dustin Raatz das Kind ins gut 20 Kilometer entfernte Halver zu einer Krankenschwester. Auf dem Weg dahin hilft er noch zwei Senioren aus ihrem umspülten Haus. „Sie sind aus dem Fenster direkt auf meine Ladefläche gestiegen.“

Hendrik Wüst verleiht Dustin die Rettungsmedaille des Landes NRW

Am Tag danach, als das Ausmaß der Zerstörung in Teilen von NRW und Rheinland-Pfalz mit vielen Todesopfern klar wird, telefonieren Bianca und Dustin: „Wir haben nur geheult.“ Der 36-Jährige rettet noch weitere Menschen, aber Chantal liegt ihm besonders am Herzen.

Ihren Geburtstag im September hat er mit ihr gefeiert. Chantal ist bewusst, dass sie ohne Dustin Raatz wohl keinen 14. Geburtstag mehr erlebt hätte. Sie ist ihm dankbar – kann sich wegen ihrer Erkrankung nur schwer artikulieren. Er versteht sie trotzdem, ist gerührt: „Das habe ich doch gern gemacht.“ An diesem Dienstag (12. Juli 2022) wird er von Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) für seinen selbstlosen, mutigen Einsatz mit der Rettungsmedaille des Landes NRW ausgezeichnet. (dpa/gr)

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