Obwohl die Infektionszahlen aktuell wieder ansteigen, wurden 350 abgelaufene Astrazeneca-Impfdosen aus den Impfzentren in das zentrale Landeslager gebracht, um dort entsorgt zu werden. Jetzt schlagen auch die Hausärzte Alarm.
Corona in NRWFehlende Bereitschaft führt zu Impfstoff-Entsorgung – Hausärzte schlagen Alarm

Copyright: picture alliance/dpa
Nachdem im zentralen Landeslager erstmals abgelaufener Impfstoff aus den Impfzentren entsorgt werden musste, schlagen nun auch die Hausärzte Alarm.
Köln. Angesichts der aktuell steigenden Infektionszahlen erscheint es fast schon paradox, dass kürzlich zum ersten Mal nicht länger haltbarer Corona-Impfstoff aus den Impfzentren in das zentrale Landeslager gebracht wurde, um dort schlussendlich entsorgt zu werden – auch die Hausärzte schlagen jetzt Alarm.
Durch die Empfehlung einer Kreuzimpfung mit kombinierten Impfstoffen werde der Impfstoff von Astrazeneca kaum noch angenommen, sagte der Vorsitzende des Hausärzteverbandes Nordrhein, Oliver Funken, der dpa. Er rechne damit, dass landesweit etwa 100.000 Impfdosen zu verfallen drohen. Das sei allerdings „eine grobe Schätzung.“
Corona: Aufhebung der Reisebeschränkungen war für Impfungen contraproduktiv
Es gebe keine Mechanismen für die Hausärzte, Impfstoff an den Bund zurückzuführen. Es gebe nur die vage Möglichkeit einer Abgabe an Impfzentren. Eine Weitergabe an Dritte sei nicht möglich, da es sich um Staatseigentum handele.
Die Impfnachfrage sei schon kurz vor den Sommerferien gesunken. Die Aufhebung von Reisebeschränkungen trotz der sich ausbreitenden Delta-Variante habe die Impfungen zu Ferienbeginn in den Hintergrund rücken lassen. „Der Urlaub ruft“, verdeutlichte Funken die Stimmung.
Corona: Ende der kostenlosen Test-Phase könnte Impfbereitschaft anheben
Angesichts wieder steigender Corona-Infektionen begrüßte er, dass es für viele Reiseländer inzwischen Quarantänevorgaben bei der Rückkehr nach Deutschland gibt. Auch die Ankündigung der Bundesregierung, dass die kostenlosen Corona-Tests in absehbarer Zeit kostenpflichtig werden, sieht der Verbandschef im Kampf gegen eine vierte Welle positiv.
„Das wird die Leute wieder mehr dazu bewegen, sich impfen zu lassen.“ In der Frage einer Impfempfehlung für die Altersgruppe zwölf bis 17 dürfe es keine erneute chaotische Debatte geben. „Wir wünschen uns eine klare Regelung“, betonte der Vorsitzende des regionalen Hausärzteverbandes im Rheinland. Wegen der Hochwasser-Katastrophe sei die Ständige Impfkommission aber auch in der Frage gefordert, ob die Corona-Impfungen parallel zu Standardimpfungen möglich seien.
Leute, die in den Hochwassergebieten im Schlamm gestanden haben, sollten nach seiner Ansicht gegen Tetanus sowie Hepatitis A und B geimpft sein. „Tetanus und Hepatitis A und B geht“, erklärte Funken. Zu einer parallelen Impfung gegen Corona gebe es bislang keine Erfahrungen.
NRW: 350 Impfdosen Astrazeneca mussten entsorgt werden
Laut NRW-Gesundheitsministerium lief am vergangenen Wochenende die Haltbarkeit von 350 Dosen Astrazeneca ab, die kurzfristig aus den Impfzentren ins Zentrallager des Landes zurückgegeben worden seien.
Damit müssten zum ersten Mal abgelaufene Dosen, die von einem Impfzentrum zurückkamen, im Landeslager entsorgt werden. Bei den 2,3 Millionen Impfdosen, die unverteilt im Bestand des Zentrallagers sind, sei kein Impfstoff verfallen.
Das Ministerium prüft, ob auch das Land NRW nicht benötigte Corona-Impfdosen aus seinen Beständen an den Bund zurückgibt. Mehrere andere Bundesländer haben das bereits angekündigt oder prüfen den Schritt. Der Bund beliefert die Hausärzte mit Impfstoff sowie die Länder für die Versorgung der Impfzentren. (dpa/cw)
