Viele Hinweise aus USACyber-Sex mit Kindern: Bonner Polizist jagt die Täter

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Täglich müssen Gernot Lippert und seine Kollegen im Internet Bilder sichten, auf denen Kinder posieren. 

von Iris Klingelhöfer (iri)

Bonn – In seinem Job muss Gernot Lippert (58) Bilder sichten, deren Anblick andere Menschen nicht ertragen würden. Abertausende Bilder, wie von kleinen Mädchen, die nackt und aufreizend vor einer Webcam posieren. Lippert ist Fahnder beim Kriminalkommissariat 12 – und jagt die Pädophilen, für die diese Bilder bestimmt sind. 

Als Polizeipräsidentin Ursula Brohl-Sowa Montag die Kriminalstatistik vorstellte, schockte die Entwicklung der Sexualdelikte durch „Einwirken auf Kinder“. Denn diese stiegen in 2019 auf 53 Fälle – 278,6 Prozent mehr als im Vorjahr.

Cyber-Sex mit Kindern: Bonner Lehrer verantwortlich für krassen Anstieg

Verantwortlich für den krassen Anstieg ist ein Bonner Studienrat. Der Lehrer (43) hatte im Netz Ausschau nach blutjungen Mädchen gehalten. Auch in den USA. In Live-Chats animierte er die Kinder dann, sich auszuziehen und für ihn zu posieren.

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Der 43-Jährige wurde inzwischen wegen sexuellen Kindesmissbrauchs und Besitzes von Kinderpornografie in 44 Fällen angeklagt und zu zwei Jahren, neun Monaten Haft verurteilt (hier lesen Sie mehr).

Auf seine Spur kamen Lippert und seine Kollegen durch einen Hinweis aus Amerika. Die Non-Profit-Organisation „National Centre for Missing & Exploited Children“ (NCMEC) hatte dem Bundeskriminalamt mitgeteilt, dass unter einer IP-Adresse des Bonner Lehrers kinderpornografisches Material ins Internet hochgeladen wurde.

Cyber-Sex mit Kindern: Bonner Ermittlerteam wurde personell massiv verstärkt

Krass: 2019 gingen insgesamt 62.000 Verdachtsfälle vom NCMEC ans BKA. Davon landete laut Gernot Lippert eine dreistellige Zahl bei ihm im KK 12. „Wir sind in den letzten zwölf Monaten personell massiv verstärkt worden“, erzählt der Kriminalhauptkommissar. Mit sechs Sachbearbeitern habe sich das Team verdreifacht.

Es gilt enorme Datenmengen auszuwerten und die Ermittlungen werden immer umfangreicher und aufwendiger. „Im Rahmen der Auswertungen kommen wir oft zu Folgeverfahren, wenn Tatverdächtige zum Beispiel Bilder und Videos mit anderen tauschen“, erklärt Lippert.  Sie hätten auch „Stammkunden“, sagt er. Einer säße aktuell in U-Haft, weil er übers Internet drei Kinder angesprochen haben soll. „Gegen ihn ermittele ich bereits zum dritten Mal“, so Gernot Lippert. 

Cyber-Sex mit Kindern: Bonner Fahnder ist selbst zweifacher Vater

Generell ginge es in den meisten Fällen nicht direkt mit sexuellem Missbrauch los. „Das fängt mit dem Besitz von Kinderpornografie an und steigert sich“, erklärt der 58-Jährige, der auch bei Durchsuchungen dabei ist. „Es gibt Tatverdächtige, die sind sehr findig und verstecken ihre Bilder im Internet“, so Lippert. Andere würde die Kinderpornos aufheben wie andere ihre Urlaubsbilder.

Der Job, den er seit acht Jahren macht, ist harter Tobak. „Man muss professionelle Distanz bewahren, sonst ist man verbrannt“, sagt der Fahnder, selbst Vater zweier Kinder.

Cyber-Sex mit Kindern: Polizeipräsidentin nannte auch die Zahlen zu weiteren Delikten

Bonns Polizeipräsidentin hatte auch Grund zur Freude. So gab es im letzten Jahr 35.264 Straftaten – das waren 1.889 Fälle weniger als in 2018. Hier die weiteren Highlights und, wo es nicht so gut lief. 

  • Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist auf 1.224 (-147) gesunken. „Seit 2013 ist die Zahl kontinuierlich zurückgegangen und hat sich seitdem mehr als halbiert“, so die Polizeipräsidentin. Erneut scheiterte jeder zweite Einbruch beim Versuch. 
  • Raubdelikte stiegen auf 346 Fälle (+37). So war es zwischen Februar und Juni 2019 in der Bonner Innenstadt, aber auch in anderen Stadtteilen, vermehrt zu Straßenraubdelikten durch vor allem Jugendliche gekommen. Die umzingelten ihre potenziellen Opfer und raubten ihnen unter Gewaltandrohung Bargeld, Handys oder Kopfhörer.
  • 485 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung (+48) wurden erfasst. Neben der oben genannten Steigerung bei den Ermittlungsverfahren wegen „Einwirken auf Kinder“, stiegen die Fälle der sexuellen Belästung um 16,1 Prozent auf 101. Achim Spröde, Leiter der Direktion Kriminalität: „In diesem Deliktsbereich macht sich eine gestiegene Anzeigebereitschaft bemerkbar.“
  • Die Zahl der Körperverletzungen lag bei 3.697 Fällen (-71). 
  • Rauschgiftdelikte stiegen auf 2.252 Fälle (+34).
  • Betrügereien nahmen ab, von 4.044 auf 3490 Fälle. Krass jedoch: Betrügerische Telefonanrufe, unter anderem von falschen Polizisten, die bereits von 2017 auf 2018 stark angestiegen waren, haben sich 2019 mehr als verdoppelt. Und zwar auf 2510 Fälle. Achim Spröde: „99,3 Prozent dieser Straftaten blieben erfreulicherweise im Versuchsstadium stecken.“
  • Weniger Fahrräder wurden geklaut. Die Zahl sank auf 2.945 Fälle (-230), gleichzeitig konnte die Aufklärungsquote von 4,3 auf 8,2 Prozent gesteigert werden.