Abriss-Terror in Bonn. Anwohnende der Nordbrücke leiden seit Mitte Juli unter Lärm und massiver Staubbelastung. Laut Marion Wilhelmy liegen bei vielen die Nerven blank.
Abriss-Terrror in BonnÜberall dicke Staubschicht – Anwohnerin erhebt Vorwürfe

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An der Absperrung zum Abrissgelände sind die geparkten Pkw mit einer dicken Staubschicht bedeckt.
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Der Abriss des maroden Teils der Bonner Nordbrücke geht zügig voran. Die Verantwortlichen freut es – aber für viele Anwohnerinnen und Anwohner ist es der pure Horror.
„Wenn wir rausgehen, haben wir tränende Augen und Sand im Mund“, erzählt Marion Wilhelmy (57). Auch der Lärm sei eine Dauerbelastung. „Der Unmut in der Nachbarschaft wächst dermaßen, viele sind verzweifelt“, schildert sie am Mittwoch (30. September) gegenüber EXPRESS.de.
Bonnerin: Statt Schutzwand kommt „Läppchen“ zum Einsatz
„Die Arbeiter sind fleißig. Aber so kann man nicht arbeiten!“ , sagt die 57-Jährige deutlich. „Es war beworben worden, dass stetig bewässert wird und der Stemmhammer nur selten zum Einsatz kommt.“ Davon merke sie nichts. Auch sei bei einer Informationsveranstaltung im Vorfeld von einer wandernden Schutzwand gesprochen worden. Marion Wilhelmy: „Was zum Einsatz kommt, ist aber lediglich ein Zwei-mal-zwei-Meter- Läppchen.“
Das mit dem Staub sei der Wahnsinn, erklärt sie. „Das geht über das Maß hinaus. Letzte Woche lag auf unserem Wintergarten eine zentimeterdicke Staubschicht. Ich bin keine Meckerliese, aber das geht zu weit. Hier sind ja auch Menschen, die hier leben.“
Mehr Bewässerung würde nicht gehen, hätte man ihnen erklärt. „Wenn noch mehr Wasserdruck aufgebaut würde, hätten wir kein Wasser mehr zum Duschen“, so Marion Wilhelmy. „Aber dann können die eben auch nicht mit drei Abbruchmaschinen arbeiten!“ Ihnen sei klar gewesen, dass es laut und staubig wird. „Aber das übersteigt alles, was wir uns vorher hätten vorstellen können. Natürlich wollen wir auch, dass der Albtraum so schnell wie möglich vorbei ist. Aber ich frage mich wirklich, wie man die Staubmassen einem Stadtteil gegenüber verantworten kann. Das ist ja auch gesundheitsschädlich.“
Die Nerven lägen blank. „Du kommst von der Arbeit nach Hause und es wird gehämmert und der Staub fliegt“, erklärt die 57-Jährige.

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Alles liegt in einer Staubwolke.
„Wir haben jeden angeschrieben, auch die sogenannte Task-Force. Aber es passiert nichts, die machen einfach weiter. Ich vermisse Rücksichtnahme, das erwarte ich in einer Demokratie einfach“, sagt sie. In einigen Häusern habe es auch bereits erste Risse gegeben, Gutachter seien eingeschaltet worden.
Marion Wilhelmy wohnt auf der Römerstraße, nur wenige Meter von einem maroden Brückenteilstück entfernt, das demnächst abgerissen werden soll. Dann wird sie das Krachen des Stemmhammers, das Abreißen der Bruchstücke und den Dreck, unter denen die Anwohner schon seit Beginn der Abrissarbeiten Anfang August an der nahen Graurheindorfer/Herseler Straße leiden, im wahrsten Sinne des Wortes hautnah miterleben.
Autobahn GmbH: lärmintensive Arbeiten in der Regel nur bis 19 Uhr
Staub-Wahnsinn und Stemmhammer-Horror: Was sagt die Autobahn GmbH? Für das bauausführende Unternehmen seien tägliche Arbeitszeiten auf das Zeitfenster von 7 bis 20 Uhr festgelegt worden, erklärt ein Sprecher auf EXPRESS.de-Nachfrage. „Um die Belastung für die Anwohnerinnen und Anwohner sowie das Umfeld so gering wie möglich zu halten, werden lärmintensive Arbeiten in der Regel nur bis 19 Uhr ausgeführt.“
Die eingesetzten Abbruchverfahren und Geräte würden durch das beauftragte Abrissunternehmen in enger Abstimmung mit der Autobahn GmbH fortlaufend überprüft und an die jeweiligen Anforderungen des Bauablaufs angepasst. Der Sprecher: „Für den Abbruch kommen zwischenzeitlich auch leistungsstärkere Maschinen zum Einsatz.“ Die Autobahn GmbH strebe an, den baustellenbedingten Staub durch verschiedene Maßnahmen auf ein Minimum zu begrenzen. Eine Maßnahme sei zum Beispiel die regelmäßige Bewässerung vor Ort. „Dazu sind alle verfügbaren Leitungen im Baufeld in der Nutzung. Die Staubbindung wird im Rahmen der verfügbaren technischen Möglichkeiten und entsprechend der Leitungskapazitäten vor Ort kontinuierlich sichergestellt. Die Bewässerung erfolgt sowohl im direkten Abbruchbereich als auch im Bereich des gelagerten Abbruchmaterials“, so der Sprecher.
Derzeit komme auch eine mobile Prallwand zum Einsatz. Deren primäre Funktion sei es, beim Zerkleinerungsvorgang abplatzende Betonteile abzufangen.
„Die Arbeiten befinden sich im Zeitplan“, berichtet der Sprecher der Autobahn GmbH weiter. Seit Montag (28. September) werde die Auffahrrampe nach Beuel abgebrochen. Im Bereich der Römerstraße, wo auch Marion Wilhelmy lebt, befände sich eine Brückenachse, die zuletzt abgebrochen werde, erklärt er. „Wir sind mit den Anwohnern über mögliche Auswirkungen der Abbrucharbeiten im Austausch.“
Laut Marion Wilhelmy haben direkte Nachbarn von ihr, bei denen es sich um ein älteres Ehepaar handelt, ihr Haus bereits verlassen.
