Abo

Jungtier in NotWas Sie jetzt tun sollten und was Sie besser lassen

Blaumeisenküken ruft mit weit geöffnetem Schnabel

Copyright: Patrick Pleul/dpa/dpa-tmn

Ästlinge wie diese Blaumeise sind noch nicht flugfähig, sitzen oft am Boden, betteln laut und werden noch von den Eltern gefüttert.

Jungvogel gefunden? Wann Sie helfen sollten und wann nicht.

Ein Küken hockt im hohen Gras, was tun? Wenn im Frühling ein kleiner Vogel scheinbar hilflos auf dem Boden sitzt, ist es wichtig, die Situation erst einmal genau zu beobachten. Ist der kleine Piepmatz vielleicht aus seinem Nest gefallen?

Oftmals benötigen junge Wildtiere überhaupt keine menschliche Unterstützung. Die Deutsche Wildtier Stiftung stellt klar, dass viel zu oft Jungvögel grundlos aus ihrer gewohnten Umgebung entfernt werden. Dabei ist ein solches Handeln ohne Notwendigkeit laut Bundesnaturschutzgesetz bei Wildtieren sogar untersagt.

Helfen oder in Ruhe lassen?

Ob ein Vogeljunges wirklich Hilfe benötigt, ist davon abhängig, ob es ein sogenannter Ästling oder ein Nestling ist. Mit einem genauen Blick lassen sich die beiden auseinanderhalten, und man weiß, ob man das Küken besser nicht stören sollte.

Bei Nestlingen handelt es sich um sehr junge Vögel, die oft nur ein spärliches Federkleid haben. Es kann sein, dass ihre Augen noch geschlossen sind. „Sie können außerhalb des Nestes allein nicht überleben“, erklärt Lea-Carina Hinrichs von der Deutschen Wildtier Stiftung. Man sollte sie aus diesem Grund so schnell wie möglich und sehr vorsichtig wieder ins Nest legen, damit die Altvögel die Versorgung übernehmen können.

Eine andere Situation liegt bei den Ästlingen vor. In diese Kategorie fallen viele Singvögel, zum Beispiel Amseln und Drosseln, aber auch Sperlinge, Meisen, Rotkehlchen, Rotschwänze sowie Greifvögel und Eulen. Laut der Deutschen Wildtier Stiftung ist es für Ästlinge charakteristisch, dass sie ihr Nest verlassen, kurz bevor sie flügge werden.

Ästlinge erkennen

Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten erläutert, woran man Ästlinge identifizieren kann: Sie bewegen sich hüpfend oder flatternd fort, anstatt zu fliegen. Sie halten sich am Boden oder in Bodennähe auf. Ihre Eltern sind meist in der Nähe, da die Versorgung der Jungtiere weitergeht.

Wer einen Ästling mitnimmt, sorgt womöglich für eine endgültige Trennung von den Eltern, gibt Biologin Eva Lindenschmidt zu bedenken. Die Fachfrau der Tierschutzorganisation Vier Pfoten empfiehlt daher: Nur bei sichtbaren Verletzungen sollte man Ästlinge zur Untersuchung zu Experten bringen oder sie bei unmittelbarer Gefahr behutsam an einen anderen Ort setzen.

Konkrete Beispiele nennt Lea-Carina Hinrichs von der Deutschen Wildtier Stiftung: Befindet sich ein Ästling nahe einer Straße oder schleicht eine Katze umher? Ein Eingreifen ist nur in solchen besonderen Situationen erforderlich. Dann ist es möglich, den Ästling sanft aufzuheben und ihn zurück ins Nest zu legen oder unweit des Fundorts in einer dichten Hecke abzusetzen, so Hinrichs. Dadurch ist der junge Vogel sicherer und die Eltern können ihn aufspüren.

Gefahren für Jungvögel beseitigen

Um die Überlebenswahrscheinlichkeit von Jungvögeln zu steigern, kann man Gefahrenquellen ausfindig machen und unschädlich machen. Ein Risiko stellen zum Beispiel offene Regentonnen dar, weil Ästlinge bei ihren anfänglichen, ungeschickten Flugversuchen oder andere unerfahrene Jungtiere hineinfallen und ertrinken könnten.

Die Deutsche Wildtier Stiftung appelliert deshalb: Decken Sie Regentonnen unbedingt ab. Man sollte auch bei Gartenteichen sicherstellen, dass Wildtiere wieder herausgelangen können – hier kann ein langes Brett oder ein Ast im Wasser als rettende Kletterhilfe fungieren.

Von jungen Wildtieren besser Abstand halten

Personen, die momentan im Wald oder bei Wiesen und Feldern spazieren, sollten die Pfade nicht verlassen, damit Wildtiere nicht erschreckt werden. Aktuell haben nämlich auch Feldhasen, Rehe und zahlreiche andere heimische Wildtierarten Nachwuchs. Außerdem ist es zwingend, den eigenen Hund anzuleinen. Laut der Tierschutzorganisation Vier Pfoten können freilaufende Hunde zu einer Bedrohung für junge Wildtiere werden.

Wer ein Rehkitz oder einen jungen Feldhasen im Gras findet, sollte dieses Wildtier ebenfalls ungestört lassen. Wenn das Jungtier alleine und unbeweglich daliegt, ist dies normalerweise ein Schutzverhalten. „Wildtiermütter lassen ihren Nachwuchs häufig tagsüber bewusst allein, um keine Fressfeinde mit ihrem Eigengeruch anzulocken“, erklärt Lindenschmidt. Zum Trinken kommen sie jedoch immer wieder kurzzeitig zurück. Man sollte den Ort des Fundes deshalb ruhig und schnell wieder verlassen.

Die Ausnahme ist ein verletztes Jungtier. Aber selbst dann ist es wichtig, es nicht einfach zu berühren – das bedeutet für ein Wildtier enormen Stress. Ein verletztes oder sehr ängstliches Tier könnte zudem abwehrend reagieren, so die Vier Pfoten-Expertin Lindenschmidt.

Wenn Sie unsicher sind, kontaktieren Sie daher immer Fachleute. Das kann eine Wildtierstation in Ihrer Umgebung oder ein erfahrener Tierarzt sein. Diese Experten können am besten einschätzen, ob das Tier wirklich versorgt werden muss. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

Sir David Attenborough

Mord-Schädel im Garten

TV-Legende Attenborough wird 100 – eine seiner irren Anekdoten