Nach dem Karnevalszug in Frechen flattert vielen Jecken eine dicke Rechnung ins Haus. Doch zwei Supermärkte zeigten ein Herz für den Karneval.
Böses Erwachen nach dem ZochKnöllchen-Schock für Frechener Jecken

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Der Parkplatz an der Kölner Straße 114 wird von „fair parken“ seit Juli 2025 bewirtschaftet. Insgesamt gibt es 250 Stellplätze.
Erst die jecke Glückseligkeit, dann der Kater. Mit Taschen voller Süßigkeiten und heiseren Stimmen vom Feiern traten am 15. Februar etwa zehntausend Menschen nach dem Sonntagszug in Frechen den Nachhauseweg an. Ein böses Erwachen folgte für zahlreiche Karnevalisten aber kurz darauf per Brief: Eine saftige Zahlungsaufforderung über wenigstens 29,90 Euro für falsches Parken.
Was war passiert? Seit Juni 2025 managt die Düsseldorfer Firma „fair parken“ den großen Parkbereich beim Einkaufszentrum in der Kölner Straße 114, den viele Feiernde angesteuert hatten. Das Unternehmen überwacht die circa 250 Stellflächen für die Kundschaft von Läden wie dem Babymarkt, Netto, Ulla Popken, Equiva und kik.
Bis zu 39,90 Euro pro Tag: So teuer wird die Park-Sünde in Frechen
Ein unübersehbares Schild am Eingang des Areals macht klar: Kennzeichen werden per Video gescannt, die maximale Parkzeit beträgt drei Stunden. Wer diese Frist missachtet, dem blüht eine Vertragsstrafe von wenigstens 29,90 Euro. Im Kleingedruckten auf der Schild-Rückseite sind die weiteren Kosten aufgeführt. Die Gebühren steigen schrittweise an und können sich auf bis zu 39,90 Euro täglich summieren, falls man die erlaubte Parkzeit um mehr als 60 Minuten überschreitet.
Genau diese Summe musste auch Andrea Jankowsky berappen. Extra aus dem Norden Kölns war sie mit ihrer Schwester angereist, um in Frechen mit einer früheren Arbeitskollegin den Umzug zu erleben. Anschließend ging die Party in einem Pfarrheim weiter. „Das ist hier immer so eine nette Gemeinschaft“, erzählt sie, „wir waren extra schon eine Stunde vor dem Start des Zuges auf dem Parkplatz“.
Im Jahr zuvor habe sie an derselben Stelle ohne Schwierigkeiten geparkt und deshalb keinem Warnschild Beachtung geschenkt, berichtet sie weiter. „Der Parkplatz war auf jeden Fall brechend voll“, so Jankowsky. Dass Supermärkte ihre Parkflächen mittlerweile managen lassen, sei im Prinzip ja üblich. Eine Strafe von beinahe 40 Euro empfinde sie aber als „unverhältnismäßig“ hoch, insbesondere an einem Sonntag, als alle Läden geschlossen waren.
Mit dieser Ansicht ist sie nicht allein, wie sich in den sozialen Netzwerken zeigt. Zahlreiche andere Karnevalsfans machen ihrem Ärger Luft: „Dort haben meine Kinder auch geparkt“, berichtet eine Anwohnerin aus Frechen, „Ende vom Lied: Dreimal 39,90 Euro, macht 119,70 Euro – teure Kamelle!“ Eine andere Närrin erläutert, sie sei extra rechtzeitig zurückgegangen, um nicht über die drei Stunden zu kommen: „Eine Art modernes Raubrittertum, da Parkraum scheinbar immer kostbarer wird.“

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Die Kölnerin Andrea Jankowsky besuchte mit ihrer Schwester den Sonntagszug in Frechen und findet die Parkgebühr von fast 40 Euro "unverhältnismäßig".
Die Firma „fair parken“ stellt auf Anfrage klar: „‚fair parken‘ beschildert auf den betreuten Objekten sowohl die Einfahrt als auch die Parkflächen mit einer ausreichenden Anzahl an Hinweis- sowie AGB-Schildern. Auf diesen wird auch darauf hingewiesen, dass die Nutzung des Parkplatzes nur für Kunden während der Öffnungszeiten vorgesehen ist. Mit dem Abstellen des Pkws auf einem privaten Parkplatz erkennt der Fahrer oder die Fahrerin die dort ausgeschilderten Regeln an.“
Eine Stornierung aus Kulanz gewähre „fair parken“ lediglich Kundinnen und Kunden, die aus Versehen oder aufgrund eines sehr großen Einkaufs die Parkregeln verletzt hätten. Dies gelte aber nicht für das Abstellen von Fahrzeugen außerhalb der Geschäftszeiten.
Frechener Festkomitee kannte Parkplatz-Problematik
Auch das Festkomitee in Frechen kannte die Parkplatz-Problematik. Bereits Tage vor dem Umzug hatte es auf Facebook eine Warnung für die Besucher und die etwa 2000 Teilnehmenden des Zugs publiziert. Darin wurde vom Abstellen der Autos auf diversen Supermarkt-Parkplätzen, die jetzt bewirtschaftet werden, abgeraten. „Die Situation war dieses Jahr speziell, da ja auch das Parkhaus an der Josefstraße noch nicht fertig ist“, erläutert Walter Kirch, der stellvertretende Leiter des Zugs.
Drei Tage lang sei er auf allen Parkflächen gewesen, um mit den jeweiligen Betreibern zu sprechen. „Die Marktleiter haben da ja selber kaum mehr einen Einfluss drauf“, sagt Kirch. Grundsätzlich habe er Verständnis für die Bewirtschaftung, weil die Parkareale zunehmend von Pendlern oder Langzeitparkern in Beschlag genommen würden.
Trotzdem sei diese Gegebenheit neu gewesen. Zusammen mit Zugleiter Erich Braun habe er sich mit großem Engagement bemüht, für die Besucher „etwas rauszuholen“. Bei zwei Frechener Märkten hatte Kirch Erfolg: Daniel Behnke, der Chef des Hit-Marktes in der Dürener Straße und selbst ein Jeck, konnte für die Besucher am Sonntag kostenloses Parken durchsetzen. Sein Vize, Lars Schäfer, bekräftigt: „Das war etwas Besonderes, da waren mehrere Absprachen nötig.“ Auch Marktkauf erwies sich als „jeckenfreundlich“. Die dortige Leitung sorgte bei der Betreiberfirma dafür, dass fünf Busse von Musikgruppen ohne Gebühr stehen durften.
Andrea Jankowsky hat vor, die Strafe definitiv zu begleichen, da es sich schließlich um Privatgrund handelt. Dem Ärger zum Trotz will sie im kommenden Jahr wieder beim Karnevalszug in Frechen dabei sein: „Mir wird das mit dem Parken aber nicht wieder passieren. Ich komme entweder mit der Bahn oder parke woanders.“
So erreichen Sie fair parken
Das Unternehmen betont die Erreichbarkeit für seine Kundschaft. Laut „fair parken“ haben Beschwerden und ein faires Kulanzmanagement oberste Priorität. Das Serviceteam ist von Montag bis Sonntag telefonisch unter 0211/954 3711 erreichbar. Alternativ kann man eine E-Mail an info@fairparken.com senden. Zudem besteht die Möglichkeit, den Kassenbon online auf der Webseite von „fair parken“ (fairparken.com/kassenzettel) einzureichen. (red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

