„Können vielleicht 50 Prozent retten“ Kölner Arzt über dramatische Lage auf Intensivstationen 

Intensivmediziner schlagen Alarm wegen steigender Corona-Patientenzahlen

Der Kölner Intensivmediziner Bernd Böttiger hat sich zur dramatischen Situation von Corona-Patienten in Krankenhäusern geäußert. Das undatierte Symbolfoto zeigt eine Intensivstation mit Corona-Patienten.

Der Kölner Intensivmediziner Bernd Böttiger hat sich zur dramatischen Situation von Corona-Patienten in Krankenhäusern geäußert.

Es sind Worte, die betroffen und traurig machen: Intensivmediziner Bernd Böttiger von der Uniklinik Köln hat erklärt, welche Argumente todkranke Impfgegner vorbringen. Außerdem schilderte er die Situation von Corona-Patienten in Krankenhäusern als dramatisch.

„Von denen, die auf Intensivstation liegen, können wir nur vielleicht 50, vielleicht 60, vielleicht 65 Prozent retten - die anderen sterben. Also ein Drittel bis die Hälfte dieser Patienten sterben“, sagte der Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin der Universitätsklinik Köln am Donnerstagabend (2. Dezember) in der ZDF-Talkshow „Markus Lanz“.

Kölner Intensivmediziner: Russisches Roulette bei Corona-Patienten

„Das muss man sich auch mal vor Augen führen: Wir können nicht immer nur über Intensivkapazitäten und erschöpftes Personal reden - was natürlich sehr wichtig ist - aber es ist ja so: „Russisches Roulette ist viel sicherer, um das mal salopp zu formulieren“, sagte der angefasst wirkende Böttiger in der Talkshow von Markus Lanz weiter.

Und dann schildert der Kölner Intensivmediziner eine sehr beklemmende Situation: „Ich erinnere mich an die Aussage einer unserer Schwestern auf der Intensivstation. Sie hat irgendwie am Anfang der zweiten oder dritten Welle einige Leichensäcke bestellt - und musste gleich drei Tage später wieder nachbestellen. Das ist hochdramatisch!“

Kölner Mediziner zu immer neuen Corona-Regeln: „Macht die Leute mürbe“

Über die Lage in Köln berichtete Bernd Böttiger ebenfalls: „Bei uns in Köln liegen jetzt noch nicht so viele, weil wir in Köln eine relativ hohe Impfquote von über 75 Prozent haben, bei über 18-Jährigen sind es sogar über 80 Prozent. Über 90 Prozent bräuchten wir, aber wir sind schon viel besser als in vielen anderen Gegenden.“

Intensivmediziner schlagen Alarm wegen steigender Corona-Patientenzahlen

Bernd Böttiger, Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin der Universitätsklinik Köln.

Weiter warnte Böttiger davor, sich in Sicherheit zu wiegen, obwohl die hohe Impfquote in Köln vergleichsweise schütze. Aber die Corona-Welle, die von Süden heranrolle, „kommt. Und natürlich auch zu uns“, so der Mediziner.

„Wir müssen jetzt reagieren – und ich bin dafür, bundeseinheitliche Regelungen zu finden. Es versteht doch kein Mensch mehr. Jeden Tag muss mach sich irgendwas anderes anhören: Jetzt ist hier 2G, 2g plus. Das macht die Leute mürbe!“

Kölner Arzt zu Corona: „Das ist schwer zu verkraften“

Mit Blick auf Weihnachten und die zu erwartenden steigenden Zahlen vor allem auch bei schweren und schwersten Verläufen von Corona-Infektionen sagte Böttiger: „Wir laufen auf eine sehr schwierige Situation auf den Intensivstationen in zwei, drei Wochen zu.“

Weiter führte Böttiger aus: „Die Welle wird höher sein als die zweite und dritte. Und das ist schwer zu verkraften.“ Er selbst könne „gar nicht mehr ertragen, dass darüber soviel diskutiert wird: „Es muss jetzt mehr gemacht werden!“

Corona-Pandemie: Kölner Mediziner nennt Ausreden der Nicht-Geimpften

Etwa 80 bis 90 Prozent der Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen seien ungeimpft, bei den anderen handele es sich um Impfdurchbrüche. Die Corona-Schutzimpfung sei „ein Geschenk des Himmels“, meinte Böttiger. „Wenn wir die nicht hätten, hätten wir wahrscheinlich mehrere 100.000 Tote mehr in diesem Land.“

Auf die Frage, was denn Ungeimpfte, die auf der Intensivstation der Kölner Uni-Klinik liegen, angesichts ihrer schweren Erkrankung sagen, antwortet Bernd Böttiger: „Das ist ganz unterschiedlich. Da gibt es welche, die sagen: ‚Ja Mensch, ich hatte keiner Zeit, ich hatte keine Lust, ich hab' es nicht eingesehen. Ich dachte, ich bin noch jung und mich trifft es nicht‘. Andere sagen, sie sind trotzdem der Meinung, obwohl sie jetzt hier so daliegen, dass es richtig war, sich nicht impfen zu lassen, weil sie Sorge vor der Impfung haben.“

Es sind Aussagen, die schwer zu ertragen sind. In erster Linie sicher für das medizinische Personal, das in Zeiten der Corona-Pandemie tagtäglich über seine Grenzen hinausgeht. (smo)

Sie verwenden einen veralteten Browser. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um Ihren Besuch bei uns zu verbessern.