Schüsse am Sudermannplatz Mann (19) angeschossen: Handelten Kölner Polizisten illegal?

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Alexander G. fiel mehrfach wegen Gewaltdelikten auf.

Köln – Ein junger Mann spurtet die Krefelder Straße im Agnesviertel  entlang. Der 19-Jährige hat bemerkt, dass er von zwei Zivilfahndern verfolgt wird und will unbedingt entkommen. Denn Alexander G. weiß, dass gegen ihn ein Haftbefehl besteht. Kurz darauf fallen am Sudermannplatz in einem Getränkemarkt mehrere Schüsse. Der polizeibekannte Gangster liegt in seinem Blut, kommt in die Uniklinik und überlebt. Das war am 10. Juli 2019. Doch bis heute ist unklar, warum der Polizist überhaupt schoss. Wie EXPRESS erfuhr, hatte der Zivilbeamte die Pistole schon deutlich vor dem eigentlichen Zugriff in der Hand.

Schüsse am Kölner Sudermannplatz: Auch Staatsanwalt hat Fragen 

EXPRESS fragte mehrfach bei Oberstaatsanwalt Urlich Bremer nach dem Stand der Ermittlungen. Mitte Februar antwortete Bremer: „Die Verfahrensbeteiligten hatten nochmal Gelegenheit zur Stellungnahme. Dieses werden jetzt geprüft. Es geht ja letztlich um die rechtliche Frage, ob die Diensthandlung des Beamten rechtmäßig war oder nicht.“ Bedeutet: Zumindest gibt es auch bei den Anklägern Fragen nach der Notwendigkeit des Schusswaffengebrauchs. Es ist nämlich unklar, ob der 19-Jährige die Beamten angriff, als er sich vor ihnen in dem Laden verstecken wollte.

Schuss-Opfer vom Sudermanplatz: Seine Strafakte füllte sich

Inzwischen ist auch klar, warum der 19-Jährige den drei Zivilfahndern entkommen wollte. Denn der junge Mann hat bereits eine beachtliche Gangster-Karriere hingelegt. Alexander G. wurde in Griechenland geboren, wuchs in Köln auf. Da fiel er bereits mit 16 Jahren auf, wurde zu einer Jugendstrafe von 13 Monaten Bewährung verurteilt. Grund: gefährliche Körperverletzung, Beleidigung und Sachbeschädigung.

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Kurz vor den Schüssen der Polizei: Der 19-jährige Straftäter auf der Flucht, im Hintergrund sind die zivilen Polizisten zu sehen.

Köln: Immer wieder schlug der 19-jährige Alexander G. zu

Der kräftige junge Mann trainierte fleißig im Studio – und schlug gern mal zu. Im Juni 2017 stand er wieder vor Gericht, im Januar kamen erneut gefährliche Körperverletzung, Nötigung und Beleidigung dazu. Die Richterin gaben ihm eine letzte Chance, verurteilte ihn nach Jugendstrafrecht zu zwei Jahren auf Vorbewährung.

Aber Alexander G. machte weiter, soll mit zwei Kumpels einen Drogendealer in dessen Wohnung ausgeraubt haben. Die Täter erbeuteten 320 Euro und zwei Kilo Marihuana, dass sie verkaufen wollten. Wegen dieser Tat wurde Haftbefehl erlassen. Fahnder spürten ihn dann auf. Inzwischen wurde das Verfahren gegen Alexander G. eingestellt. wie EXPRESS erfuhr.

Sudermanplatz: So lief der Polizeieinsatz ab

Mittwoch, 10. Juli 2019 gegen 11.10 Uhr auf der Krefelder Straße. Drei zivile Fahnder der Kölner Polizei betreten ein Geschäft. Dem Chef sagen sie: „Polizei. Keine Sorge, wir wollen nur von hier aus eine Person beobachten.“

Köln: Verfolgungsjagd im Agnesviertel Richtung Sudermanplatz

Die Person: der einschlägig polizeibekannte Alexander G. (19). Die Beamten beobachten, wie der Verdächtige in die Spielhalle geht. Sie planen schließlich, dass sie ihn dort festnehmen wollen. Dabei nähern sie sich der Spielhalle. Als sie den Eingang betreten, kommt ihnen der Gesuchte plötzlich entgegen. Vermutlich erkennt er in den drei Männern Polizeibeamte. Ob der muskulöse und gewaltbereite Mann die Beamten angreift, ist noch unklar.

Der Tatort am Sudermannplatz

Der Tatort am Sudermanplatz 

Sicher ist: Der 19-Jährige spurtet die Krefelder Straße runter. Die Ermittler haben nach EXPRESS-Informationen bereits zu diesem Zeitpunkt ihre Waffen gezückt. Sie stürmen hinterher, wollen den Flüchtigen keinesfalls entkommen lassen. Ein Foto der Verfolgungsjagd mitten im Agnesviertel liegt EXPRESS vor.

Vermutlich glaubt der 19-Jährige, seine Verfolger abgeschüttelt zu haben. Denn nach 200 Metern rennt er in einen Getränkehandel und will sich dort wohl verstecken. Aber die Beamten haben wohl noch sehen können, wie der Mann in dem Geschäft verschwand. Die Beamten stürmen in das Geschäft.

Augenzeugen aus Köln berichten: Leute stürmten aus dem Geschäft

Ali (34) und Caterina (43) waren in der benachbarten Postbank, als sie die Schüsse hörten: „Als wir rauskamen, sahen wir, wie Leute aus dem Getränkehandel stürmten und schrien: Ruft die Polizei!“ Die Menschen konnten da noch nicht wissen, dass es sich um den Einsatz ziviler Beamter handelte.

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Die Augenzeugen Ali (34) und Caterina (43) 

Der niedergeschossene Mann wurde in eine Klinik gebracht. Über seinen Zustand ist nichts bekannt.

Der Sudermanplatz wurde gesperrt, das Team der Spurensuche nahm seine Arbeit auf. Die Ermittlungen zum Ablauf des Einsatzes der Kölner Polizei hat die Polizei Bonn übernommen. 

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Vor der Kölner Uniklinik versammelten sich Freunde und Kumpels des angeschossenen 19-Jährigen.

Am Abend: Polizei wittert Gefahr und rückt an Uniklinik an

Am Abend rückte eine Einsatzhundertschaft der Polizei an der Kölner Uniklinik an. Dort hatten sich rund ein Dutzend Männer eingefunden: Freunde und Kumpel des Verhafteten, augenscheinlich muskelbepackte Personen.

Die Polizei befürchtete, die Männer könnten auf die Idee kommen, den 19-Jährigen aus seinem bewachten Zimmer zu befreien und kamen vorsorglich in die Klinik. 

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