Sie verwenden einen veralteten Browser. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um Ihren Besuch bei uns zu verbessern.

Die von Ihnen aufgerufene Adressse ist leider nicht (mehr) verfügbar. Wir haben Sie daher auf unsere Homepage umgeleitet.

„Ich bin so geil“ Ständig gibt es illegale Rennen in Köln – das sagt der Psychologe

Ein Abschlepper hat einen roten Porsche am Haken.

Nach einem gefährlichen Fahrmanöver beschlagnahmte die Kölner Polizei Mitte März 2021 den Porsche eines Rasers. Trotz Kontrollen kommt es regelmäßig zu illegalen Rennen.

Köln. Zwei BMW-Fahrer lassen nebeneinander die Motoren aufheulen, die Reifen drehen durch, dann schießen die PS-starken Limousinen los – ein illegales Rennen, mitten in Köln. Kurz zuvor hatte ein SUV-Fahrer bei einem mutmaßlichen Rennen versucht, den Fahrer eines BMW X3 abzudrängen. Zwei Tage vorher kam es innerhalb weniger Stunden gleich zu drei illegalen Rennen im Kölner Stadtgebiet.

Die Polizei hat die Raser- und Poserszene im Visier, fährt regelmäßig Schwerpunkteinsätze. Wie Mitte März, als sie nach mehreren illegalen Rennen einen Audi R8, einen Porsche 911 und einen BMW 540i xDrive sicherstellte und die Führerscheine der „Rennfahrer“ kassierte.

Dennoch kommt es immer wieder auf Kölns Straßen zu Rennen. Ende Februar wurden dabei in Köln-Lindweiler sogar zwei unbeteiligte Menschen verletzt. Was geht in den Köpfen der Fahrer vor? EXPRESS sprach mit dem Psychologen Sebastian Bartoschek.

Sebastian Bartoschek (38) sitzt auf einer Treppenstufe.

Sebastian Bartoschek (38) ist promovierter Diplom-Psychologe.

Meist handelt es sich bei den Fahrern um junge Männer um die 20, die sich in PS-starken Autos messen: Warum ist diese Altersgruppe besonders empfänglich dafür?

Bartoschek: „Es ist eine Zeit, nach der eigentlich Pubertät, in der junge Männer meist in ihrer Rolle als Mann angekommen sind, und sich darin erproben müssen, und dabei Dinge ausprobieren, die als besonders „männlich“, in einem letztlich konservativen Rollenbild verstanden werden. Das Risiko- und Gefahrenbewusstsein ist herabgesetzt, und rauschhafte Erfahrungen sind gerne genommen: Alkohol, Drogen – und hier dann eben schnelle Autos. Die entsprechende mediale Präsenz, beispielsweise durch Filme wie „Fast and Furious“, trägt dann noch das Seinige dazu bei.“

Ist den jungen Männern die Gefahr bewusst? Die Gefahr, dass sie nicht nur sich selbst, sondern auch unbeteiligte Personen verletzen sogar töten könnten? Schließlich wird oft genug in der Presse über illegale Rennen mit tödlichem Ausgang berichtet.

Bartoschek: „Ja und Nein. Die Gefahr ist ein Teil des Kicks, der empfunden wird. Das geht aber mit massiver Selbstüberschätzung einher, nach dem Motto: Ja, sowas passiert, aber ich bin so geil, mir passiert das nichts. Medienberichte machen da gar nix aus. Und nein, die Schädigung Dritter ist diesen Rasen nicht bewusst.“

Warum nehmen sie das in Kauf? Was ist der besondere Kick?

Bartoschek: „Der Kick ist die Geschwindigkeit, das Verbotene, das wahrgenommene Männliche. Es ist ein Erlebnis von Rausch, Rebellion und Erhöhung der Selbstwirksamkeit, also des Gefühls Dinge kontrollieren zu können – auch in Extremsituationen.“

Wie wichtig ist dabei das Auto?

Bartoschek: „Autos, zumal aufgemotzte, hochpreisige oder besonders schnelle werden immer noch mit einem speziellen Bild von Männlichkeit verbunden.“