Wissen Sie, was das ist? Polizei Köln erklärt: „Blech-Tindern“ ist ein Corona-Phänomen

Unter den Augen der Kölner Polizei wird ein Sportwagen auf den Abschlepper geladen.

Die Kölner Polizei hat die Raser- und Poser-Szene im Visier, führt regelmäßig Kontrollen durch. Wie im Oktober 2018, als dieser Sportwagen aus dem Verkehr gezogen wurde.

Köln. Was auf Kölns Straßen abgeht, lässt so machen fassungslos den Kopf schütteln. Junge Männer in dicken Luxuskarren lassen die Motoren aufheulen oder messen ihre PS-starken Wagen bei verbotenen Kfz-Rennen. Die Raser- und Poser-Szene ist ein krasses Phänomen.

„Die heutigen Autos verführen dazu“, erklärt Jürgen Berg (59), Leiter des Einsatztrupps Verkehr im Gespräch mit EXPRESS. „Für unser Klientel – männlich, zwischen 18 und 25 Jahre alt – ist das Auto ein Statussymbol. Und damit andere das sehen, muss ich etwas machen, das auffällt – und das muss schnell und laut sein.“

Hotspots der Szene seien zunächst am Tanzbrunnen und auf den Ringen gewesen. Berg: „Wo viel Außengastronomie ist, wo ich mein Auto präsentieren kann. Da gab es genau das junge Publikum, das der Poser braucht.“

Discos, Clubs, Shisha-Bars wegen Corona dicht: „Blech-Tindern“ kam in Köln auf

Mit Corona kam jedoch das Problem, dass Discotheken, Clubs und Shisha-Bars schließen mussten. Um aber weiter ein „Miteinander“ zu haben, wich man nun aufs Auto aus und traf sich auf Parkplätzen, die vorher wenig frequentiert waren. Und so hatten die Poser neue Protzmeilen, erklärt Polizeihauptkommissar Berg.

Jürgen Berg (59), Leiter der Einsatzgruppe Verkehr der Kölner Polizei, steht an seinem Einsatzwagen.

Jürgen Berg (59), Polizeihauptkommissar bei der Kölner Polizei, leitet die Einsatzgruppe Verkehr.

Im ersten Lockdown habe das zu einem erheblichen Auflauf am Rheinboulevard geführt. „In der Zeit haben wir gemerkt, dass plötzlich mehr junge Frauen in ihren Fahrzeugen an unseren Hotspots auftauchten.“ Es kam zum sogenannten „Blech-Tindern“. Das Wort setzt sich aus Autoblech und einer bekannten Dating-App zusammen – eine Art, um sich trotz Ausgangssperren und Ansammlungsverboten zu treffen.

Als am Rheinboulevard verstärkt, auch durchs Ordnungsamt, kontrolliert wurde, sei die Szene an die Alfred-Schütte-Allee verdrängt worden. Dort befindet sich eine Hochwassermauer. Berg: „Der Bereich war dann komplett zugeparkt – und man traf sich an den Autos.“

Aus Imponiergehabe, auch vor den Mädchen und jungen Frauen, ließen die Poser die Motoren ihrer aufgemotzten Wagen aufheulen und die Reifen durchdrehen. „Allein das An- und Abfahren führte zu erheblichen Bürgerbeschwerden“, erklärt Jürgen Berg. Aufgrund von Einsätzen unter anderem mit Einsatzhundertschaften sei die Szene wiederum verdrängt worden. Diesmal auf den McDonald’s-Parkplatz in Poll.

Kölns Raser- und Poser-Szene: Hälfte der kontrollierten Fahrer ist laut Polizei aus Umland

Wie groß die Raser- und Poser-Szene in Köln ist, lasse sich nicht sagen, so der Leiter der Einsatzgruppe. „Die Hälfte der kontrollierten Fahrzeuge haben inzwischen kein Kölner Kennzeichen – das sind die Poser aus dem Umland, wie aus der Eifel. Dort gibt es keine große Außengastro, wo sie vielen ihr Auto zeigen können“, so Berg. Häufig seien die Autos geleast, gemietet oder es sei in der Familie zusammengelegt worden.

Die Szene habe sich in den letzten Jahren entwickelt, erklärt er. „Die Kölner Polizei bearbeitet das Thema seit 2015.“ Auslöser seien drei tödliche Verkehrsunfälle in Köln nach Raser-Geschehen gewesen. Seit rund einem Jahr gibt es eine eigene Dienststelle, die sich nur darum kümmert.

Inzwischen, so Leiter Berg, gäbe es auch eine ganz andere öffentliche Wahrnehmung zum Thema Rennen. „Es gibt eine hohe Emotionalisierung. Die Presse nimmt das extrem auf. Wenn ein tödlicher Raserunfall passiert, steht das bundesweit in allen Nachrichten.“ Sein Appell: Wer Zeuge eines Rennens wird, sofort die Polizei alarmieren! „Am besten Kennzeichen, Fahrzeugtyp und -farbe merken und die 110 anrufen“, sagt Jürgen Berg.

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