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Geschenk zum JubiläumStadt verspricht: Verkehr verschwindet von Nordseite des Neumarkts

Visualisierung des Konzepts für die Neugestaltung des Neumarkts.

Copyright: Braunfels

So stellt sich Architekt Prof. Stephan Braunfels die Nordseite des Neumarkts künftig vor. Weitere Bäume und Café-Terrassen sollen die Aufenthaltsqualität steigern.

Wie kann der Neumarkt zu einem Platz werden, auf dem sich die Menschen gerne länger aufhalten möchten? Die Frage war zentral beim 40. Jubiläum der IG Neumarkt. Eine Lösung bahnt sich an.

Verkehrsknotenpunkt, Einkaufsstandort, Durchgangsfläche und seit Jahrzehnten Gegenstand immer neuer Debatten und Planungen. Den Neumarkt passieren täglich 200.000 Menschen. Aber der zentrale Platz ist keiner, der zum Verweilen einlädt.

1986, als das Verkehrsaufkommen dort zu groß wurde, gründeten 55 Mitglieder die Interessengemeinschaft Neumarkt, um Lösungen für den Platz zu diskutieren. Wie aus dem Verkehrsknoten ein gemütlicher Platz wird, ist Kernthema. In den vergangenen Jahren ging es primär darum, die Probleme durch die Drogenkriminalität in den Vordergrund zu rücken.

IG Neumarkt feiert 40-jähriges Bestehen mit Zukunftsgespräch

Aber eigentlich verfolgen alle die Vision, mehr Aufenthaltsqualität zu schaffen. Am Dienstagabend (29. September 2026) zog Gründungsmitglied Prof. Henrik Hanstein für sich ein ernüchterndes Fazit: „Nach 40 Jahren bin ich frustriert. Der Neumarkt ist eine Zumutung für meine Augen, ein scheußlicher Platz. Die Stadt ist verlottert.“

Doch Thomas Kleefuß, Vorsitzender der IG Neumarkt, konnte im Laufe der Jubiläumsveranstaltung in der „Guten Stube“ der Kreissparkasse Köln positive Signale entgegennehmen. Nachdem Dr. Ulrich Soénius einen geschichtlichen Rückblick über die Entwicklung des Neumarkts präsentiert hatte, ging es um die Zukunftsvisionen.

Architekt Prof. Stephan Braunfels präsentierte nochmals sein Konzept für die Umgestaltung des nördlichen Bereichs zu einem sonnigen Boulevard. „Das Hauptproblem ist der Verkehr rund um den Platz“, sagte der Stadtplaner. „Der Ost-West-Verkehr muss komplett über die Südseite laufen. Dann ist es möglich, von der Schildergasse kommend, eine riesige Café-Terrasse in der Sonne bis zu St. Aposteln fortzuführen.“

Andrée Haack spricht bei einer Podiumsdiskussion.

Copyright: Dirk Borm

Andrée Haack, Beigeordneter der Stadt Köln, sprach am Dienstagabend (29. September 2026) beim Jubiläum der Interessengemeinschaft Neumarkt über die Zukunftspläne des Platzes.

Bereits Anfang 2022 wurde das Braunsfeld-Konzept vorgestellt. Umgesetzt wurde bisher aber noch nichts davon. Doch Andrée Haack machte als Beigeordneter der Stadt der IG Neumarkt Hoffnung. „Es ist klar, dass in Zukunft auf der Nordseite kein Verkehr mehr vorbeigeführt werden kann. Es braucht jedoch eine Lösung, wie der Verkehr in beide Richtungen im Süden gelenkt werden kann. Dazu gehört auch die Diskussion um den Tunnelbau für die Ost-West-Achse der KVB.“

„Ich bin überzeugt, dass die Lösung vollkommen unabhängig von der KVB-Situation realisiert werden kann“, entgegnete Braunfels. „Wir wollen jetzt schon einen schönen Neumarkt, man muss es nur wollen. Ich glaube ohnehin nicht an den Tunnel. Im Süden ist es aber einfach möglich, die vier vorhandenen Fahrspuren für den Ost-West-Verkehr zu nutzen.“

Prof. Stephan Braunfels bei der Podiumsrunde zum Neumarkt.

Copyright: Dirk Borm

Architekt Prof. Stephan Braunfels (l.) erläuterte noch einmal seine Pläne für eine verkehrsfreie Nordseite des Neumarkts.

Dem musste auch Haack zustimmen. „Das lässt sich in einem überschaubaren finanziellen Rahmen umsetzen. Letztlich ist es eine Haltungsfrage. Wenn die im Rat geklärt ist, können wir in die Umsetzung kommen.“ Wenn die IG Neumarkt in zehn Jahren ihr 50. Jubiläum feiert, sei der Umbau abgeschlossen, versprach der Beigeordnete. „Dann werden wir den Neumarkt an der Nordseite bis zur Hauskante geführt haben.“

Visualisierung des Konzepts für die Neugestaltung des Neumarkts.

Copyright: Braunfels

So könnte der Ost-West-Verkehr künftig an der Südseite des Neumarkts vorbeigeführt werden.

Diese Nachricht war für den Vorsitzenden Kleefuß das schönste Geburtstagsgeschenk. „Seit Torsten Burmester Oberbürgermeister ist, hat sich schon etwas getan. Wir müssen jetzt anpacken, im Rat die Entscheidungen treffen und mit der Gestaltung beginnen. Das wird die Kölnerinnen und Kölner begeistern.“

Moderatorin Claudia Hessel und Dr. Ulrich Soénius bei der IG Neumarkt.

Copyright: Dirk Borm

Dr. Ulrich Soénius (r.) erinnerte an die historische Entwicklung des Neumarkts. Links Moderatorin Claudia Hessel, die das Zukunftsgespräch leitete.

Denn auf Sicht soll der Neumarkt wie der Münchner Viktualienmarkt oder der Carlsplatz in Düsseldorf aussehen. „Es soll ein belebter Platz werden, der zum Verweilen einlädt, der Menschen anzieht. Ein Platz, an dem sich die Menschen wohlfühlen. Dazu wollen wir ein dauerhaftes Marktkonzept.“

Stephan Moos, Bürgermeisterin  Maria Helmis-Arend und Thomas Kleefuß beim Jubiläum.

Copyright: Dirk Borm

Stephan Moos (l., Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Köln) und Thomas Kleefuß von der IG Neumarkt begrüßten auch Bürgermeisterin Maria Helmis-Arend zur Jubiläumsfeier.

Die jüngst neu gegründete ISG Neumarkt möchte in den kommenden fünf Jahren rund 2,5 Millionen Euro für Infrastruktur wie Toiletten, Mülleimer und ein kulturelles Programm auf einer Bühne investieren.

Annett Polster, Geschäftsführerin des Stadtmarketings, glaubt an die Umsetzung. „Der Neumarkt ist grün, hat über 100 Jahre alte Bäume. Die Menschen kommen wieder vermehrt in die Innenstädte zurück, erwarten aber Aufenthaltsqualität. Ich halte es für realistisch, dass das ein Ort wird, an dem man sich gerne aufhält, wo immer etwas geboten wird.“