Nächstes Unglück in Freizeitpark Dutzende Verletzte bei Achterbahn-Unfall in Legoland

„Wie Amok-Fahrer in Nizza” Anschlag auf Homosexuellen (34) in Köln – jetzt reagiert die Stadt

Vor der Bar X3 Corner an der Schaafenstraße stehen zahlreiche Party-Gäste.

Party auf der Schaafenstraße: Das Bermuda-Dreieck in Köln ist ein beliebter Treffpunkt für die LGBTIQ-Community. Die Aufnahme stammt vom 2. Juni 2021. 

An der Schaafenstraße in Köln kam es am Wochenende zu einem homophoben Angriff. Party-Gäste und Gastronomen sehen die Stadt in der Pflicht. Polizei und Politik reagieren auf den Vorfall. 

Köln. Große Verunsicherung im Kölner Bermuda-Dreieck. An der Schaafenstraße, dem Kölner Hotspot der LGBTIQ-Community, soll ein Autofahrer am Sonntag (11. Juli) vorsätzlich einen Feiernden (34) angefahren haben, nachdem er ihn und weitere homophob beleidigt hatte. Der Fall schlägt hohe Wellen und beschäftigt Polizei und Politik in Köln.

Ist die Kölner Schaafenstraße als Schutzraum für die LGBTIQ-Community in Gefahr? Diese Attacke hätte fast einen Menschen das Leben gekostet. Wie Zeugen schildern, war ein Autofahrer mit Rüdesheimer Kennzeichen mit hohem Tempo erst auf eine Gruppe Feiernde zugefahren. Danach habe er zurückgesetzt und einen Gast einer dortigen Bar erfasst.

Köln: Homophober Angriff auf Party-Gast an der Schaafenstraße

Wie Stadtsprecher Robert Baumanns auf Anfrage des EXPRESS erklärt, hat die Stadt auf den Vorfall reagiert. So sollen Gastronomen Absperrgitter zur Verfügung gestellt werden, damit sie die Straße an Wochenenden absperren können.

Alles zum Thema Polizeimeldungen
  • Wuppertal Brutale Attacke im Ausländeramt – Mitarbeiterin mit Messer schwer verletzt
  • Streit eskaliert in S12 Mann (57) in Kölner S-Bahn brutal attackiert – Polizei mit erfreulichem Update
  • Gewalt-Drama in NRW Mann (†31) bei Messerattacke in Solingen getötet
  • Tote in Köln und Dortmund Wenn Polizei gegen Polizei ermittelt – wie das genau funktioniert
  • Spanner-Alarm in Köln Kameras auf Damen-WC – Polizei weiß jetzt mehr über Inhalt der Clips
  • Gefährlicher Fund Stadt Köln mit eindringlicher Warnung: Rhein-Uferbereich nicht betreten
  • Chemie-Anschlag auf Kirmes Kölner (40) stellt sich: Neue Details belasten ihn auch in anderem Fall
  • Nach Festival verschwunden Jetzt gibt es traurige Gewissheit: Vermisster Tobias (25) tot aus See geborgen
  • Bei Routine-Kontrolle in Köln Polizei schnappt gesuchte Männer – die versuchen abzuhauen
  • Siegburger „Klangfabrik“ Nach tödlichem Messerangriff: NRW-Disco trifft endgültige Entscheidung

Der Stadtsprecher erklärt: „Die Maßnahme wird aufgrund des Vorfalls am vergangenen Wochenende zur Gefahrenabwehr durchgeführt. Das Absperrmaterial kann dann – lageangepasst und in Absprache mit dem Ordnungsamt – von den Wirt*innen selbständig ausgebracht werden. Dabei handelt es sich um eine pragmatische Lösung, da so eine zügige Gefahrenabwehr gewährleistet ist. Andernfalls müsste die Stadt das Absperrmaterial jedes Mal vom Bauhof aus- und wieder einliefern.“

Köln: Zeuge schildert Angriff im Bermuda-Dreieck

Tim F. (37) war an dem Abend da und schildert gegenüber EXPRESS die Attacke: „Ein Peugeot fuhr einem der dort feiernden Personen gezielt und mit voller Absicht mit Vollgas im Rückwärtsgang in den Rücken, so dass die Person zu Boden geschleudert wurde. Danach verließ der Fahrer mit seinem Fahrzeug mit quietschenden Reifen die Unfall- bzw. Anschlagsstelle und flüchtete.“ Wie schwer die angefahrene Person verletzt wurde, ist unklar.

Die Kölner Polizei bestätigt auf EXPRESS-Anfrage den Vorfall. Laut einer Sprecherin war ein Streit zwischen zwei etwa 20 bis 30 Jahre alten Insassen eines grauen Pkw und einem 34-Jährigen vorangegangen. Im Laufe des Streits soll der Autofahrer den Mann umgefahren haben. Die Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung sowie Gefährdung des Straßenverkehrs durch grob verkehrswidriges und rücksichtloses Fahren dauern an.

Köln: Polizei ermittelt nach Angriff an der Schaafenstraße

Dieser Angriff ließ bei einem Kölner Gastronomen, der anonym bleiben möchte, das Fass überlaufen. Er hatte sich mit einem Hilferuf an die Stadt gewandt: „Verbale Angriffe stehen nicht mehr nur am Wochenende auf dem Plan, sondern begegnen uns täglich. Man wird auf der Straße mit Worten wie ‚Drecks-Schwuchtelpack‘ angegriffen, mit Flaschen beworfen und mit Drohungen wie ‚Ich stech dich dreckiges Homopack ab, ihr habt kein Recht zu leben‘ attackiert. Teilweise werden Regenbogenfahnen verbrannt und diese Menschen feiern sich selbst.“

Weiter sagte der aufgebrachte Kölner: „Hier ist Handlungsbedarf. Die Stadt kann da nicht weiter weg sehen. Auf der einen Seite werden die Logos der Stadt in den sozialen Medien in Regenbogen gefärbt, ‚Ach sind wir tolerant‘, und auf der anderen Seite werden die Hilferufe des größten LGBTIQ-Schutzraumes der Stadt ignoriert.“

Der Kölner hatte auch eine klare Forderung: „Die Straße muss am Wochenende abends und nachts für den Autoverkehr gesperrt werden. Ab sofort. Alles andere ist vollkommen verantwortungslos und wird früher oder später zu Toten oder Schwerverletzten führen.“

Andreas Hupke (Grüne), Bezirksbürgermeister Innenstadt, im November 2020 in Köln.

Andreas Hupke (Grüne), Bezirksbürgermeister der Innenstadt, hier im November 2020 in Köln, hat auf den Vorfall an der Schaafenstraße reagiert.   

Der Bürgermeister des Bezirks Innenstadt, Andreas Hupke (Grüne), reagierte sofort auf den Vorfall. Auf Anfrage des EXPRESS erklärte er, dass der Vorfall „erschreckend“ sei. Er sagte: „Wir wollen, dass die Community sicher feiern kann. So etwas habe ich noch nie erlebt. Das erinnert mich an die Amok-Fahrer in Nizza. So jemand ist ja nicht mehr zurechnungsfähig.“

Der Kölner Bezirksbürgermeister hat auch gehandelt. Die Bezirksvertretung hat eine Dringlichkeitsentscheidung unterzeichnet, damit die Schaafenstraße für den Verkehr gesperrt werden kann. Hupke erklärt: „Nun ist die Verwaltung dran. Alle drei Stellvertrer*innen von Grüne, CDU und SPD und ich haben diese Entscheidung unterschrieben. Alle 19 Mitglieder hatten dem einstimmig zugestimmt. Das gab es noch nie! Eindeutiger kann ein politischer Wille nicht gegeben sein, einen mehr als berechtigten Hilferuf zu unterstützen.“

Sie verwenden einen veralteten Browser. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um Ihren Besuch bei uns zu verbessern.