Die Pleiten-Oper von Köln: Nach 14 Jahren Warten streikt kurz vor der Premiere ausgerechnet die teure Bühnentechnik.
Pleiten-Oper KölnKurz vor Premiere – jetzt streikt auch noch die Technik

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Blick ins Kölner Opernhaus. Kurz vor der Premiere streikt die Technik.
Jahrelang haben die Kölnerinnen und Kölner gewartet, jetzt steht die Opern-Premiere bevor. Doch wenige Tage vorher gibt es Riesen-Probleme mit der neuen, alten Technik.
Kurz vor der großen Premiere am Sonntag (27. September) in der Kölner Oper der Schock: Die Bühnentechnik streikt! Die Inszenierung von Richard Strauss' „Der Rosenkavalier“ muss deswegen umgestrickt werden.
Technik ist laut Stadt Köln abgenommen
Das bestätigte Opernintendant Hein Mulders am Eröffnungswochenende im „Deutschlandfunk“. Seine ehrlichen Worte: „Bühnenpodien, Technik, Drehscheibe, Obermaschinerie: Da hakt es im Moment, das muss ich auch ehrlich sagen.“ Eine weitere Verschiebung nach 14 Jahren Sanierung komme aber nicht infrage.
Der Hammer an der Sache: Die Bühnentechnik war schon 2017 zu 95 Prozent und 2021 sogar zu 98 Prozent fertig – Jahre vor den eigentlichen Häusern. Das sollte genau solche Pannen eigentlich verhindern.
Die hochmoderne Anlage, deren Obermaschinerie Kulissen von 18 mal neun Metern mit bis zu 1,8 Metern pro Sekunde bewegen kann, ist laut einer Sprecherin der Stadt fertiggestellt, geprüft und abgenommen. Früher brauchte man dafür Taue, Gewichte und viel Personal, heute läuft alles digital per Touchscreen.
Noch im Januar 2021 hatten die Verantwortlichen den frühen Einbau als riesigen Vorteil gefeiert: „Die Sparten können also ab dem ersten Tag auf allen vier Bühnen uneingeschränkt proben, die neue Bühnentechnik wird beherrscht, mögliche technische Kinderkrankheiten sind behoben.“

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Das Jahr 2017: Ein Bild von der Bühnentechnik.
Die Stadt räumte die aktuellen Schwierigkeiten am Dienstag indirekt ein. Man müsse die komplexe Technik erst im realen Betrieb testen, Störungen seien in den ersten Wochen „realistisch“. Deshalb habe es „Veränderungen auch bei der Inszenierung des Stücks ‚Der Rosenkavalier‘ im Vergleich zur ursprünglichen Planung ergeben.“ Insider sprechen von einer „abgespeckten“ Version.
Abgesagte Technikshow in der Oper
Passend dazu fiel auch die geplante Technikshow am Eröffnungswochenende für die Oper ins Wasser, obwohl die Stadt versprochen hatte: „Technikshows zeigen, was die neue Bühnentechnik alles kann.“ Ein Gast kommentierte das trocken mit: „Willkommen in Köln“. Die Stadt verwies auf die Priorität der Proben.
Was aber, wenn am Sonntag bei der Premiere alles stillsteht? Die Bühnen teilten mit, dass es im schlimmsten Fall zu „Verzögerungen, Unterbrechungen oder einer Vorstellungsabsage führen“ könne. Das sei bei solch komplexer Maschinerie aber immer ein Risiko.

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April 2025: Die Bühne im Opernhaus samt Technik.
Intendant Mulders erklärte im „Deutschlandfunk“ das Problem so: „Wenn eine große Maschine relativ früh abgenommen wird, aber dann eigentlich noch zehn Jahre stillsteht, kriegt man solche Situationen, dass die Maschine schon läuft, aber dann plötzlich auch wieder nicht läuft.“ Ob die Stadt die Technik ausreichend gewartet hat, ließ die Verwaltung unbeantwortet. Vor zwei Jahren hieß es noch, die Wartung finde regelmäßig statt und koste rund 250.000 Euro pro Jahr.
Bühne macht nicht, was sie soll
Ein Beitrag der „Tagesthemen“ von vor vier Wochen zeigte das Dilemma deutlich: Techniker Mino Roy will die Bühne absenken, doch nichts passiert – ohne Fehlermeldung. Roy sagte: „Die Bühnenmaschinerie ist tatsächlich auch schon an die zehn Jahre alt. Und manche elektronischen Bauteile kommen da einfach an ihre Lebensgrenze.“
Dabei hatten die Verantwortlichen die Technik im August 2017 noch stolz den Medien präsentiert. Der damalige technische Betriebsleiter Bernd Streitberger sagte: „Wir wollen auch mal etwas zeigen, was gelungen ist.“ Die Kosten für den Technik-Umbau bezifferte er damals auf 40 Millionen Euro für die Oper und 39 Millionen für die anderen Häuser.
Techniker Roy blickt angespannt auf Sonntag: „Ich glaube, für mich persönlich kommt die wirkliche Erleichterung mit dem Schlussapplaus der Eröffnungspremiere. Davor bleibt die Anspannung unverändert.“
Die Sanierung der Kölner Bühnen und das Geld
Im Juni 2012 startete die Sanierung, die statt drei am Ende 14 Jahre dauerte. Die reinen Baukosten explodierten von geplanten 253 Millionen Euro auf inzwischen 798,6 Millionen Euro – und ein Ende ist nicht sicher.
Rechnet man Finanzierung und Kosten für die Ausweichspielstätten dazu, könnten aus den ursprünglich geplanten 540,9 Millionen Euro am Ende unfassbare 1,465 Milliarden Euro werden.
Zusätzlich fordern viele Baufirmen Geld für angebliche Mehrarbeit, was in den nächsten Monaten verhandelt wird. Die Transparenz bei den Kosten, die die Bühnenleitung einst eingeführt hatte, endete Mitte 2024 mit dem Wechsel in der Projektleitung durch Markus Greitemann und Jürgen Marc Volm. (red)
