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Kölner Zeitreise Vor so vielen Jahren zogen die Prostituierten ins „Pascha“

Köln – Ursula Gerdes ist die Erste: Einen Tag vor der offiziellen Eröffnung zieht die Prostituierte ganz freiwillig in Europas erstes Hochhausbordell – das Eros-Center in der Hornstraße.

Am 11. Januar 1972 wird das Etablissement offiziell eröffnet. Vorher hatte die Stadt den Bordellen in der Kleinen Brinkgasse den Kampf angesagt...

In der Kleinen Brinkgasse fängt alles an...

Mehr als 40 Jahre residiert das horizontale Gewerbe in der Kleinen Brinkgasse, mitten in der Innenstadt. Natürlich ist es den Anwohnern und Geschäftsleuten ein dauerndes Ärgernis: Freier verstopfen die Ehrenstraße, dunkle Gestalten wickeln dunkle Geschäfte ab. Die Polizei ist hier Stammgast und die Stadt errichtet in den 1960er Jahren sogar eine Mauer – „als Sichtschutz für die Jugend und den öffentlichen Anstand“.

Anfang der 1970er Jahre beschließt der Rat der Stadt, die Geschäfte der leichten Mädchen an einem leicht kontrollierbaren Ort zu zentrieren. Mitten im Niemandsland des Gleisdreiecks in Ehrenfeld soll ein konzessionierter Betreiber auf städtischem Grund und Boden ein Hochhaus mit vielen kleinen Séparées bauen, in die sich die Prostituierten einmieten können.

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Das Hochhaus der käuflichen Liebe: Die Stadt hat am Ehrenfelder Gleisdreck das Eros-Center bauen lassen.

Ordnungsamtschef Dr. Peter Schaefer gibt Anfang 1972 bekannt: „Die Dirnen müssen die Gasse räumen“. Er ist der Überzeugung, dass nicht jede Tradition bewahrt werden müsse. Am 7. Januar sollen alle Etablissements in der Kleinen Brinkgasse geräumt werden. 

Aber weder die Bordellbesitzer noch die Prostituierten sind von Schaefers Plan begeistert. Sie haben überhaupt keine Lust, ihr Gässchen in bester City-Lage einzutauschen gegen eine Betonburg am Stadtrand. Aufgrund ihrer Proteste bekommen sie sogar einen Aufschub – sollen jetzt spätestens am 20. Januar in die Hornstraße umziehen.

Männer stürmen das Eros-Center schon vor der Eröffnung

Die Eröffnung des Eros-Centers am Gleisdreieck ist für den Abend des 11. Januar geplant. Aber bereits Stunden vorher erreicht der Hormonstau der Männer den kritischen Punkt. Lautstark randalierend erzwingen die wartenden Freier ihren vorzeitigen Einlass ins neue Lustspielhaus.

Als um 15 Uhr exakt 71 Männer den Kontakthof stürmen, werden sie lediglich von drei Damen erwartet. Der Rest der Belegschaft richtet noch die Korsagen – oder ist noch gar nicht eingezogen.

Denn die Prosituierten von der Kleinen Brinkgasse wollen partout nicht in die Hornstraße – und klagen gegen die Stadt für ihr Bleiberecht.

In der Zwischenzeit versucht die Notbesetzung im Eros-Center, dem Freier-Andrang gerecht zu werden. Am Ende setzt die Stadt sich durch, als letzte Instanz besiegelt das Oberlandesgericht schließlich das Aus der Prostitution in der Kleinen Brinkgasse.

1995 kommt die Umbenennung in „Pascha“

Die Geschäfte mit der käuflichen Liebe laufen ab Ende der 1970er Jahre dann auch richtig gut im Eros-Center – das Verkehrsproblem in der Innenstadt scheint gelöst.

Anfang der 1980er Jahre allerdings verlassen die Prostituierten in großer Zahl das Eros-Center und suchen sich wieder Arbeit in privaten Clubs.

Erst 1995 nach einer Zwangsversteigerung und der Umbenennung des Eros-Centers in „Pascha“ steigt die Zahl der Kunden wieder. 

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