Kölscher Klüngel am (Hand)Werk? Meisterbrief-Feier in Köln: Ein „Geschenk“ sorgt für Zoff

Zwei Männer überreichen einer jungen Frau ihren Meisterbrief und ihre Urkunde.

Hand­werks­kam­mer-Prä­si­dent Hans Peter Woll­sei­fer (l.) und NRW-Mi­nis­ter­prä­si­dent Hendrik Wüst ehrten auch Johanna Scharff, die beste Meisterin aus Köln unter den Zahn­tech­ni­kerinnen und -technikern.

Wenige Tage nach der Feier in Köln, bei der viele junge Männer und Frauen ihre Meisterbriefe erhalten haben, sorgt nun ein Geschenk für Furore, hinter dem offenbar mehr steckte.

Für 355 junge Frauen und Männer aus NRW ging am Samstag (17. September) ein Traum in Erfüllung: Endlich erhielten sie ihre wertvollen Meisterbriefe, und das bei einer großen Feier im noblen Kölner Carlswerk Victoria mit hochkarätiger Besetzung.

Doch der glanzvollen Verleihung folgte Verärgerung: Das Angebot, ein Foto mit seiner Urkunde im Rahmen der Aktion „Das Meisterportrait“ zu erhalten, hatte einen befremdlichen Haken. Zudem gab es Irritationen um Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks und ebenso Präsident der Handwerkskammer zu Köln.

Zoff nach Feier in Köln: Ein Geschenk hat ein „Geschmäckle“

Denn die künftigen Führungskräfte, Ausbilderinnen und Ausbilder, neben Wollseifer auch von Garrelt Duin, Ex-NRW-Wirtschaftsminister und Hauptgeschäftsführer der Kölner Handwerkskammer sowie NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst begrüßt, erhielten je einen Flyer, der einen „Gutschein für Dein Meisterportrait“ versprach.

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Darin wird herzlich zur bestandenen Prüfung gratuliert. Aber nicht von der Handwerkskammer, sondern von einer Versicherung – der Signal Iduna.

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„Als langjähriger Partner des Handwerks möchten wir Dir dazu ein Geschenk überreichen: das Meisterportrait“, heißt es da vom Signal-Iduna-Zielgruppendirektor Dr. Matthias Albrecht. „Unser Beitrag, der Deine Meisterfeier im Bild festhält und so unvergesslich macht.“

Doch ganz ohne war das Geschenk, also der Schnappschuss unter dem Motto „Deutsche*r Meister*in“ nicht: Mit der zu unterschreibenden Nutzungs- und Einverständniserklärung über den Abtritt der Rechte an dem Bild wird der Hausbesuch eines Versicherungsvertreters vereinbart: Das „kostenfreie Foto“ werde „durch einen Mitarbeiter der Signal Iduna persönlich übergeben“, heißt es da.

Junge Frauen und Männer halten bedruckte Schals in die Kamera und freuen sich über ihre Auszeichnung.

355 junge Männer und Frauen erhielten ihre Meisterbriefe. Doch im Nachhinein gibt es jetzt Zoff.

Im Klartext: Wer ein Erinnerungsfoto haben wollte, wird einen Termin mit einem Versicherungsvertreter vereinbaren müssen. Ein kleines Geschenk als Türöffner zu erwartungsfrohen potenziellen Neukunden.

Doch die Foto-Aktion hat noch mehr „Geschmäckle“. Denn es gibt eine direkte Verbindung vom Kölner Handwerk zum milliardenschweren Dortmunder Versicherungskonzern mit seinen 7777 Angestellten und 20.603 Vermittlerinnen und Vermittlern: Handwerkspräsident Wollseifer ist – neben rund 20 weiteren Ehrenämtern und Mandaten – Mitglied in der Gesellschafterversammlung und im Aufsichtsrat der Signal Iduna.

Ein Leser empörte sich beim EXPRESS: „Das darf doch eigentlich nicht sein, dass ein prominenter Funktionär des Handwerks die jungen Menschen in Feierstimmung dazu bewegt, sich fotografieren zu lassen, damit er gleichzeitig in der Funktion als Aufsichtsrat das Geschäft seiner Versicherung am Laufen hält.“

Und ein frischgebackener Meister, den EXPRESS erreichte, sagte enttäuscht: „Von der Verbindung zur Versicherung wusste niemand was und wir wurden nicht aufgeklärt. Uns wurde nur gesagt: Da gibt's ein tolles Foto zur Erinnerung ...“

Kölscher Klüngel am (Hand)Werk? Hans Peter Wollseifer mit Stellungnahme

Ist hier also typisch kölscher Klüngel am (Hand)Werk? EXPRESS bat Hans Peter Wollseifer um Stellungnahme. „Unser Anliegen ist es, den jungen Meisterinnen und Meistern mit dem Meisterportrait eine wertige und nachhaltige Erinnerung an diesen besonderen Tag in ihrem Leben mitzugeben. Der Signal Iduna sind wir dankbar, dass sie dieses Projekt als Sponsor unterstützt – nicht nur bei uns in Köln", so Wollseifer.

„Wer dieses Angebot in Anspruch nehmen möchte, wird vorab ausdrücklich darauf hingewiesen, dass das Foto später persönlich übergeben wird.“ Der Besuch der Vertreter diene lediglich dazu, „das Meisterportrait persönlich zu überreichen“, so Wollseifer. Mehr nicht? Die Resonanz auf die Premiere der Aktion sei „außerordentlich positiv“. 99 Meisterinnen und Meister hätten vom Angebot Gebrauch gemacht.

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