Mai-Kundgebungen in KölnEntschuldigung, wo geht's denn hier zur Demo?

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Leere, wo sonst Tausende demonstrieren, wie hier auf dem Roncalliplatz.

von Oliver Meyer (mey)

Köln – Man kennt die Szenen aus den vergangenen Jahren. Tausende Menschen strömen zu den diversen Kundgebungen der Gewerkschaften Richtung Dom, um ihrem Protest Luft zu machen. Doch in Corona-Zeiten ist davon nichts mehr übrig. Denn nur ein paar Dutzend Teilnehmer waren zugelassen. Entsprechend musste man fragen: „Entschuldigung, wo geht`s denn hier zur Demo?“

Kölner Corona-Krise: Demo nur mit 20 Leuten erlaubt

20 Demonstrationen waren angemeldet worden, darunter allein acht Aktionen vom Bündnis „#UnteilbarSolidarisch“. Aber: Pro Kundgebung waren gerade mal 20 Teilnehmer zugelassen. Mit dem üblichen Mindestabstand von 1,5 Meter und nur als Standkundgebung, ohne Zelte oder Pavillions. Keine Protestzüge durch die Straßen, kein Verteilen von Flyern. Corona-Demo total gaga.

„Daher sind wir sind natürlich stärker denn je auf den Transport unserer Botschaften und Forderungen durch die Medienberichterstattung angewiesen, wenn wir hier in unserem Demonstrationsrecht dermaßen eingeschränkt werden“, sagte Bündnis-Sprecher Marius Werner.

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Kölner Corona-Krise: Demo fühlt sich komisch an

Demonstrantin Nicola von der Aktion „Seebrücke“, die sich für Flüchtlinge stark macht: „Es fühlt sich natürlich komisch an, wenn man hier steht und kaum jemand vorbei kommt. Obwohl die Menschen ja zu Hause sind und Zeit hätten.“

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Doch die Organisatoren hatten sich im Vorfeld auf Corona eingestellt. Mit Kreide-Farbe sprühten sie ihre Proteste in der ganzen Stadt auf Mauern und Straßen. Die Demo in Kalk/Kapelle unter dem Motto „Heraus zum 1. Mai - Unteilbar solidarisch“ wurde im Internet gestreamt.

Genauso machte es der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB). Motto dort: „Das Netz ist jetzt die Straße“. Sämtliche Proteste, Reden und Beiträge wurden von den Straßen ins Internet verlegt. Die moderne Variante von Mai-Protest. Vom Sofa aus. Bequemer geht es nicht. Für die Kölner Polizei war es ein ruhiger Tag wie nie zuvor an einem 1. Mai. Keine Krawalle, keine Verletzten. Schon frühzeitig wurden Kräfte wieder nach Hause entlassen.