„Layla“ und „Olivia“ Kölner Ballermann-Produzent redet Klartext: „Das war ein Eigentor“

Mike Rötgens in seinem Tonstudio in Köln.

Der Ballermann-Musikexperte: Der Kölner Produzent Mike Rötgens in seinem Kölner Studio.

Er ist seit 1999 DER Produzent für Ballermann- und Schlagermusik: Der Kölner Label-Chef Mike Rötgens. Jetzt äußert er sich bei EXPRESS.de über die Songs „Layla“, „Olivia“ und Co.

Wenn es einen wahren Experten in Sachen zweideutiger Texte und Erfolg am Ballermann gibt, dann ist es Rötgens: Sein Label Xtreme Sound aus Köln hatte sie alle!

Ob Jürgen Drews, Mickie Krause, Jürgen Milski, Tim Toupet, Harald Glööckler, Kerstin Ott oder die Sampler Ballermann- und Après-Ski-Hits – Rötgens und sein Team haben entweder produziert, geschrieben oder selbst komponiert. Unzählige goldene Schallplatten hängen im Studio, dazu dutzende andere Musikauszeichnungen.

Köln: „Layla“-Verbot: Deutliche Worte aus der Ballermann-Hitschmiede 

Auf EXPRESS.de-Nachfrage hat Rötgens seine eigene Sicht auf die Diskussionen um das Verbot des „Layla“-Songs, unter anderem auf einem Würzburger Volksfest. Er hat ihn zwar nicht produziert, dafür aber zahlreiche andere Songs, in denen es auch zur Sache geht. Er springt „Layla“-Produzent Ikke Hüftgold zur Seite.

Gerade produziert Rötgens mit den Zipfelbuben eine neue Version von „Olivia“ im Studio und da könnte es in Sachen zweideutig ebenfalls Ärger geben.

„Die Aufregung und diese Hysterie kann ich nicht nachvollziehen“, sagt er klipp und klar. „Es hat diese Lieder schon immer gegeben, angefangen vom ‚Sperrbezirk‘.“

Letztlich sieht der Kölner Produzent das Problem in der Sexismus- und Genderdebatte. „Ich war diese Woche selbst auf der Playa de Palma. Mein Eindruck war, dass überwiegend Frauen den ‚Layla‘-Song stärker mitgesungen haben. Die hat das überhaupt nicht interessiert.“

Im Endeffekt habe das Verbot etwas bewirkt in der Gesellschaft. „Ich glaube, es gibt unter den jungen Leuten so etwas wie eine Gegenbewegung, die sich in dieser Diskussion, zum Beispiel beim Gendern, einfach nicht wiederfinden.“ Für ihn steht fest: „Diejenigen, die das Verbot ausgesprochen haben, merken wahrscheinlich, dass es ein Eigentor war.“

Rötgens: „Es ist Unterhaltungsmusik, die man ja nicht hören muss, wenn man es nicht will. Sie ist genau für den Fußballverein gemacht, der nach Saisonende feiern möchte. Nichts anderes.“

Justizminister Marco Buschmann zum „Layla“-Song

Schwierig findet Rötgens zudem die Einmischung der Politik im Fall der Stadt Würzburg. Aber: Unter anderem hatte sich auch Justizminister Marco Buschmann (FDP) geäußert. Er sprach sich gegen ein Verbot des Songs aus.

Rötgens: „Die Politik sollte sich meines Erachtens niemals in Kunst und Kultur einmischen. Egal, mit welcher Position. Das ist gefährlich und vergleichbar mit einer Diktatur.“

Man solle die jungen Menschen einfach selbst entscheiden lassen. „Durch die Pandemie ist das Publikum auf Mallorca noch einmal jünger und feierlustiger geworden. Sie wollen raus, Spaß haben. Die Debatte interessiert dort niemanden. Und wenn, dann wird jetzt noch lauter mitgesungen.“

Für zukünftige Songs will sich Rötgens keine Denkblockade auferlegen lassen. „Wir machen so weiter, wie bisher. Da hat sich bei uns jetzt nichts geändert.“ Auch deshalb nimmt er mit den Zipfelbuben „Olivia“ noch einmal ganz neu auf.

Sie verwenden einen veralteten Browser. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um Ihren Besuch bei uns zu verbessern.